Lockdown: Wo bleibt die EU-weite Koordinierung?

Deutschland will seinen Lockdown zum x-ten Male verlängern. Derweil haben andere Länder ihre Corona-Maßnahmen spürbar gelockert. Deshalb droht Berlin nun mit Grenzschließungen. Wo bleibt die versprochene EU-weite Koordinierung?

Auch fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie ist davon nichts zu sehen. Jedes Land macht, was es will. Die EU-Kommission ist nicht einmal in der Lage, offensichtlich exzessive Maßnahmen – wie das Reiseverbot in Belgien – zu verhindern. Sie kritisiert sie nicht einmal.

Dies führt nun zu einem chaotischen Flickenteppich – bei den Reiseregeln, aber auch bei den Lockdowns.

Von gemeinsamen europäischen Standards ist der Staatenbund weit entfernt, schreibt das “Handelsblatt”. Und so haben Einzelhandel und teilweise auch Gastronomie in vielen Ländern, deren Inzidenzen deutlich über den deutschen liegen, geöffnet. Zitat:

Madrid gehört derzeit zu den heißesten Ausflugszielen in Europa. Junge Franzosen etwa genießen dort die offenen Restaurants, die sie zu Hause vermissen. Denn trotz einer 14-Tage- Inzidenz von 801 – fast dem Fünffachen des deutschen Wertes – gelten in Madrid fast keine Beschränkungen. Restaurants und Geschäfte sind bis 21 Uhr offen, nur Viertel mit besonders hoher Inzidenz sind abgeriegelt. Ähnlich voll sind die Restaurants derzeit auch in Italiens Hauptstadt Rom, obwohl auch in Italien die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner höher liegen als in Deutschland. In diesen Tagen zeigt sich, dass die europäischen Staaten ihre Unternehmen in Gastronomie und Handel, im Handwerk oder bei Kulturbetrieben in der Covid-Krise höchst unterschiedlich einschränken.

Quelle: Handelsblatt

Das Durcheinander ist nicht nur ärgerlich – es könnte auch bedenkliche Folgen haben. So hat Kanzlerin Merkel bereits offen mit Grenzschließungen gedroht, wenn in Nachbarstaaten ihrer Meinung nach zu laxe Regeln gelten.

Aktuell droht dies vor allem an der Grenze zu Tschechien und zu Tirol bzw. Österreich. Doch auch dazu hört man aus Brüssel nichts. Die EU-Kommission macht ihren Job nicht, doch niemand klopft ihr auf die Finger…

Siehe auch “Reynders rechtfertigt Reiseverbote” und “Lockdown dauert mindestens bis März”

P.S. Bund und Länder in Deutschland wollen nun erst wieder ab einer Wochen-Inzindez von 35 lockern. In Madrid beträgt sie etwa 400, bei offenen Restaurants. Fallen jetzt alle Madrilenen tot um – oder wird Berlin versuchen, seinn neuen Grenzwert der gesamten EU aufzudrücken?