Ist Griechenland noch frei?

Neue Krise in Griechenland: EU-Kandidat Dimas ist auch im dritten Durchgang der Präsidentenwahl durchgefallen, Ende Januar gibt es Neuwahlen. Dabei haben die Griechen doch gar keine Wahl, oder?

Wer sich über die Lage in Griechenland informieren will, muss neuerdings die BILD-Zeitung lesen. Denn da verkündet Finanzminister Schäuble (seine) letzte(n) Wahrheiten.

Dazu gehört, dass selbst eine gescheiterte Präsidentschaftswahl und eine neue Parlamentswahl nichts am Schicksal des krisengeschüttelten Landes ändern würde. Zitat Schäuble:

“Jede neue Regierung muss vertragliche Vereinbarungen der Vorgänger einhalten”. Selbst wenn Linken-Chef Tsipras die Neuwahl gewinnen würde, darf sich am Sparkurs nichts ändern.

Dabei liegt Tsipras ja vor allem deshalb in den Meinungsumfragen vorn, weil die Griechen die Schnauze voll von Schäubles Spardiktaten und den Zumutungen der Troika haben.

Dabei stehen sie nicht allein: Auch das Europaparlament und beide Spitzenkandidaten, Schulz und Juncker, hatten sich für ein Ende der Troika ausgesprochen!

Und Schäubles so genannten “Vereinbarungen der Vorgänger” kamen nur durch Druck zustande. Noch-Premier Samaras wollte den Sparkurs nämlich auch beenden, durfte aber nicht.

Warum eigentlich nicht? Offiziell ist Griechenland doch noch ein freies Land. Und angeblich ist die Eurokrise so weit eingedämmt, dass Athen keinen Schaden mehr anrichten kann.

Deshalb dürfte selbst ein Sieg der Linken normalerweise niemandem mehr Angst machen – zumal sich Tsipras im Europawahlkampf als moderat und pragmatisch erwiesen hat.

Aber vielleicht ist Griechenland ja gar kein freies Land mehr. Vielleicht haben die Märkte mehr Gewicht als die Wähler, vielleicht war die Europawahl nur eine Parenthese?

Siehe auch “Ist Frankreich noch frei?” sowie zahllose Posts zu Griechenland (in der Tag-Cloud)

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