Gibt es eine europäische KI ?

Alle reden von “Künstlicher Intelligenz” – auch die EU-Kommission. Sie hat nun ethische Leitlinien vorgestellt, die für Vertrauen sorgen und eine Art europäischer KI schaffen sollen. Doch der Plan hat mehrere Schwächen.

Zum einen ist unklar, ob es wirklich um Ethik gehen soll – oder nur um Akzeptanz. Die Vorbehalte gegen KI sind gerade in Deutschland groß. Und es ist ja auch nicht einzusehen, wofür wir KI-Roboter im Restaurant brauchen, oder einen vollautomatisierten Amazon-Shop.

Zum anderen sind die Leitlinien bisher völlig unverbindlich. Sie klingen zwar gut – so sollen die Fähigkeiten und Zwecke von KI den Betroffenen transparent gemacht und durch KI getroffene Entscheidungen soweit wie möglich erklärt werden. Doch eine entsprechende Regulierung ist nicht geplant.

Nach Angaben der EU-Kommission soll zunächst eine Pilotphase starten, in der Industrie, Forschungseinrichtungen und Behörden an die Leitlinien angefügte Bewertungslisten für ethische KI testen. Auf Basis der Rückmeldungen will die Behörde 2020 über weitere Schritte entscheiden.

Man darf gespannt sein, wer dann in der EU für KI zuständig sein wird. Bisher ist es ein undurchsichtiges Geflecht aus Forschern, Lobbyisten und Anwendern. Die orientieren sich aber nicht an ethischen Leitlinien, sondern an Forschungsstrategien und kommerziellen Gesichtspunkten.

Denn KI hat ein doppeltes Gesicht: Es ist gleichzeitig Grundlagenforschung – und ein gigantischer, globaler Wettkampf um die besten Köpfe und die lukrativsten Produkte. Eine “europäische”, besonders ethische KI zeichnet sich dabei noch nicht ab. Eher eine Aufholjagd…

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