Die Zeitumstellung und andere gebrochene Versprechen
Es ist wieder so weit: Wir drehen an der Uhr, um zur Normalzeit zurückzukehren. Dabei hatte die EU doch versprochen, die lästige Zeitumstellung abzuschaffen. Es ist nicht das einzige gebrochene Versprechen.
Versprochen – gebrochen: Das gilt nicht nur für das Ende der Sommerzeit, das der frühere EU-Kommissionschef Juncker zugesagt hatte. Es gilt für viele, teils grundlegende Versprechen der EU.
Am offensichtlichsten ist dies beim Thema Frieden. Der ehemalige Friedensnobelpreisträger ist zu Aufrüstung und Kriegsvorbereitung übergegangen – ein Bruch mit den EU-Verträgen und der historischen Mission.
Zwar führt man den Frieden noch im Mund, wie dieses Zitat aus den Schlussfolgerungen des letzten EU-Gipfels zeigt. Doch die Taten sprechen eine andere, kriegerische Sprache. Beim Krieg um die Ukraine geht die EU “all in”!
The European Union and its Member States will continue contributing to peace efforts, notably through the Coalition of the Willing and in cooperation with the United States, and by intensifying their global outreach, in accordance with the European Union’s aim to promote peace, as enshrined in the Treaties .
Auch andere grundlegende Versprechen – Wohlstand für alle, Angleichung der Lebensbedingungen, Ever Closer Union, eine politische Union für den Euro etc. – sind stillschweigend ad acta gelegt worden.
Kommissionspräsidentin von der Leyen fühlt sich wohl nicht mehr daran gebunden. Mit dem Erbe von Delors, Prodi oder Juncker hat sie längst gebrochen. Neu ist, dass sie nun ihre eigenen Versprechen einkassiert.
Offensichtlich ist dies beim “Green Deal”. Er war nie ein “Deal” mit den Bürgern, sondern nur mit den Unternehmen. Doch wo bleibt denn nun der versprochene Aufschwung durch die “grüne Transformation”?
Was ist aus der “Mondlandung” geworden, die von der Leyen 2019 bei ihrem Wechsel nach Brüssel versprochen hatte? Was aus dem Konjunkturprogramm, das der “Green Deal” beinhalten sollte?
Es ist ausgeblieben, und statt von “grüner Transformation” sprach der letzte EU-Gipfel von einer “wettbewerbsfähigen grünen Transition”. Nicht nur Wachstum fehlt, auch die Wettbewerbsfähigkeit geht verloren…
Siehe auch Wettbewerbsfähigkeit über alles und Zeitumstellung: Ohne die EU geht es besser

jjkoeln
1. November 2025 @ 12:31
Ich frage mich ernsthaft, was die Deutschen für Probleme mit der Zeirumstellung haben.
Also, eigentlich nur ein paar laute Leute, die wohl nie aus ihrem Sprengel kommen, jedenfalls nicht nach Dinnland, Portugal oder Irland.
Sonst müssten sie ja ihre Uhren umstellen.
Ja, Juncker hat diese absolut nicht-repräsentative online Umfrage propagandistisch zum Maßstab erklärt, wohl nach 1-2 Flaschen Rotwein, wissend, dass es eh nix wird. Nix werden kann bei der Bandbreite der Zeitzone. Die aktuelle Situation ist der einzig sinnvolle Kompromis zwischen den Bedürfnissen aller.
Nur die Deutschen sind mal wieder zu dumm für Europa.
Niko
27. Oktober 2025 @ 10:51
wen wundert es noch, losgelöst von allen Rechten und Pflichten ehemals gut gedachter internationaler Organisationen werden die schlimmsten Kriegstreibern plötzlich zu Friedensengels stilisiert. Einst ein absoluter Befürworter der EU, hoffe ich inzwischen, dass ich das sich ankündigende Elend, auf Grund meines Alters nicht mehr erleben muss. Die junge Generation wird sinnlos verschaukelt und dann verheizt.
Thomas Damrau
27. Oktober 2025 @ 10:46
Schicht im Schacht am 25. Oktober 2025 auf dem Leitstand des Fusionsreaktors E der Sol Inc. Es ist früher Abend. Die Stimmung ist gelöst. Fred hat ein Kistchen Piccolo-Sekt mitgebracht. Es wird angestoßen. „Endlich mal fünf Monate lang keine Überstunden mehr“, meint Fred. Gabi ist nicht ganz so begeistert: „Eigentlich haben wir im Winter eh Kurzarbeit.“ Jasmin ergänzt: „Ja und im Sommer bieten wir bis zu 16 Stunden Sonne. Das reicht diesen Faulpelzen in der EU immer noch nicht aus. Die machen die Nacht zum Tag und kommen dann morgens nicht aus dem Bett. Um den verpassten Sonnenschein nachzuholen, fordern sie Überstunden hier im Reaktor.“
Im Vorstand der Sol Inc. geht es sehr konkret um Ressourcen und Geld. „Wir haben noch Brennstoff für 4 Milliarden Jahre. Wenn wir ständig solche Sonderlösungen wie im Augenblick für die EU liefern, geht uns die Energie viel früher aus“, meint der Vorstandsvorsitzende. Der Chef der Techniksparte ergänzt: „Und vor allem war die Speziallinse, die sicherstellt, dass die zusätzliche Sonnenstunde nur auf EU-Gebiet ankommt, schon in der Anschaffung irre teuer. Und dann treten immer mal wieder Staaten der EU bei und andere treten aus. Wir leisten uns eine Spezialabteilung, die nichts anderes zu tun hat, als Projekte zu planen und durchzuführen, die die Linse anpassen.“
Der Finanzvorstand wird konkret: „Es gibt nur wenige Staaten (https://de.wikipedia.org/wiki/Sommerzeit#/media/Datei:DaylightSaving-World-Subdivisions.png), die diese Extrawurst anfordern. Obwohl wir laut Vertrag verpflichtet sind, überall zum gleichen Preis zu liefern, sollten wir in Erwägung ziehen, diese Speziallösungen in Rechnung zu stellen.“ „Vergiss es!“, winkt der Vorsitzende ab, „die EU und die USA sind pleite.“ „Also abschalten?“, fragt der Finanzvorstand. “Ja, am besten gleich den ganzen Reaktor. Sollen sie doch sehen, wie sie ohne Sonne zurechtkommen”, pflichtet der Technikvorstand bei.
Arthur Dent
27. Oktober 2025 @ 12:01
Aber wir sparen doch schon an Staubsaugern mit mehr als 1600 Watt Leistung und Klospülungen mit mehr als 5 Liter Wasserverbrauch je Spülung. Wird alles verboten!
🙂
Lucki
27. Oktober 2025 @ 09:45
Zur EU-Osterweiterung hat ja Verheugen selbst gesagt, rückblickend sei das ein Fehler gewesen.
Guido B.
27. Oktober 2025 @ 07:54
Eine olivgrüne Transformation ist auch eine „grüne Transformation“. Rheinmetall-Uschi hält zumindest dieses Versprechen.
Arthur Dent
26. Oktober 2025 @ 23:16
Was ist eigentlich aus der Währungsunion geworden, wo knapp ein Drittel der Mitgliedsländer nicht den Euro als Währung haben. Auch langjährige nicht. Und die denken nicht einmal daran.
KK
26. Oktober 2025 @ 21:12
„Was ist aus der “Mondlandung” geworden, die von der Leyen 2019 bei ihrem Wechsel nach Brüssel versprochen hatte?“
Sie hatte versprochen, sich auf den Mond schiessen zu lassen? Wohlan, lasst es uns angehen… das sollte doch kein so grosses Problem sein, es wenigstens mal zu versuchen. Niemand ist hier unten unersetzbar.
Erneuerung
26. Oktober 2025 @ 17:55
Die Wettbewerbsfähigkeit im Zusammenhang mit der sozialen Sicherung und der Friedenssicherung ist das A und O der Überlebebsfähigkeit der EU. Derzeit sehe ich nur Risse, die mit noch vorhandenem Kitt in Form von Rücklagen und Produktivität notdürftig geflickt werden. Doch solch ein Haus, welches nur noch seine Risse zuschmiert, ist nicht überlebensfähig. Um die Überlebensfähigkeit wieder herzustellen, müsste man erst mal wieder demokratisch und wirtschaftlich vernünftig agieren. Das Wegbügeln von mehreren Misstrauensanträgen ist weder das Eine noch das Andere. Da helfen auch weitere 20 Sanktionspakete gegen Russland nicht, sondern bewirken eher eine Verstärkung des Gegenteils. Die EU wird auseinanderfliegen, wenn nur die Ukraine, Polen, die baltischen Staaten und deren Sponsor USA den Ton angeben. Wieviel in diesen Ländern Demokratie herrscht, kann jeder recherchieren, und wieviel in diesen Ländern Rassismus herscht, auch. Es wird Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme und verstärkte Benennung der Mißstände in öffentlichen Medien.
KK
26. Oktober 2025 @ 21:10
Ich hatte schon bei der ersten EU-Osterweiterung befürchtet, dass dies sehr viel zu früh käme, weil diese Staaten noch sehr lange nicht so weit wären… und bei jeder weiteren Erweiterung aufs neue. Aber es konnte ja nicht schnell genug gehen…