Putin, Trump, De Wever, Meloni: Der Gipfel der Gerüchte

Die EU-Führung sieht sich von Feinden umzingelt. Dies hat sich auch beim EU-Gipfel gezeigt – rund um die abweichende Haltung Belgiens und Italiens ranken sich wilde Verschwörungstheorien.

Die Mythenbildung begann, als Belgiens Premier De Wever sich erdreistete, den deutschen Plan für ein “Reparationsdarlehen” abzulehnen. Der Flame werde von Putin ferngesteuert, hieß es prompt bei ukrainischen Internet-Trollen.

Dann kam das Gerücht, Russland habe bei der belgischen Firma Euroclear, wo rund 185 Mrd. an russischem Zentralbankvermögen verwahrt werden, eigene Agenten platziert, um die Mitarbeiter zu erpressen.

Kurz vor dem EU-Gipfel hieß es schließlich, auch De Wever sei von Putin unter Druck gesetzt worden. Das berichtet sogar der “Guardian” – unter Berufung auf ungenannte “europäische Geheimdienste” (war es der MI5?).

Stracki und der lange Arm Putins

Prompt griffen die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann und die Grünen die Gerüchte auf und warnten vor dem langen Arm Russlands in Brüsseler Amtsstuben. Will meinen: De Wevers Widerstand ist aus Moskau ferngesteuert!

Das Europaparlament hielt sogar eigens eine Pressekonferenz ab, in der es vor “ausländischer Einmischung” und Informations-Manipulation” warnte und mehr Gegenwehr forderte. Russland und “X”, so die Message, arbeiten Hand in Hand.

Von da aus ist es natürlich nicht mehr weit zu der These, daß auch US-Präsident Trump seine Finger im Spiel hat. Hat er nicht in seiner neuen Sicherheitsstrategie gefordert, die EU zu neutralisieren?

Und stand nicht in seinem “pro-russischen” 28-Punkte-Plan für einen Ukraine-Frieden, daß das russische Vermögen für den Wiederaufbau in der Ukraine eingesetzt werden sollte, natürlich mithilfe von US-Firmen?

Ist Meloni ferngesteuert – von Trump?

Diese dunklen Gedanken scheinen auch Kanzler Merz zu leiten, wenn er beteuert, EUropa sei kein Spielball fremder Mächte, und über das russische Geld bestimme man schon noch selbst (also er, der deutsche Kanzler).

Doch damit sind wir noch nicht am Ende. Beim EU-Gipfel kursierte zudem noch der böse Verdacht, Italiens Regierungschefin Meloni sei von Trump ferngesteuert. Schließlich widersetzte sie sich nicht nur dem Ukraine-Kredit, sondern auch noch dem Mercosur-Deal!

Italien soll auch im geheimen Originalbericht der neuen Trump-Strategie auftauchen – als Land, das man aus der EU herausbrechen könne. Belgien taucht da zwar nicht auf, aber wer weiß, das passt doch alles irgendwie zusammen…

Wirklich?

Für mich sind diese Gerüchte und Theorien, die rund um den EU-Gipfel schwirren, vor allem Ausdruck der eklatanten Schwäche der EU-Spitze und der sich ausbreitenden Paranoia in Brüssel und Berlin.

Daß Belgien und Italien eigene nationale Interessen haben, noch dazu legitime, kommt den Verschwörungstheoretikern offenbar nicht in den Sinn. Daß die Vorschläge der deutschen Führung schlecht waren, scheint völlig ausgeschlossen?

Und daß einige EU-Chefs selbst abstruse Thesen verbreiten, ist ihnen wahrscheinlich auch entgangen?

Siehe auch “Geld oder Blut”: Abstruse Thesen vom EU-Gipfel. Mehr zum EU-Gipfel hier

P.S. “Eine der Folgefragen des EU-Gipfels und der Diskussionen davor muss auch noch einmal die Frage nach russischen politischen und geheimdienstlichen Einflussnetzwerken, Agenten, offener und verdeckter Korruption, Erpressung, Drohungen und Desinformation sein.” Das sagt der “Sicherheitsexperte” N. Lange auf X. Leider kann ich nicht verlinken, denn er hat mich geblockt…