Corona: Die EU kommt schon wieder zu spät

Alle reden über US-Präsident Trump und seine Corona-Show. Doch COVID-19 ist auch in Europa wieder ein großes Thema. Das Virus breitet sich rasant aus, die EU kommt schon wieder zu spät.

Die Maßnahmen, die die EU-Kommission zum Schutz vor Corona empfohlen hat, greifen nicht. Die meisten Mitgliedsstaaten haben zwar die Tests massiv ausgeweitet.

Doch selbst in Belgien, am Sitz der EU, kommen die Testlabors nicht mehr mit der Auswertung hinterher. Vielerorts muß man mehrere Tage oder gar Wochen auf das Ergebnis warten.

Damit wird aber auch die Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht.

Ähnliches gilt für die Tracing-Apps. Noch immer gibt es keine europaweit funktionierende Anwendung; in Belgien wurde „Coronalert“ erst vor wenigen Tagen eingeführt. Zudem sind die Apps nicht miteinander kompatibel.

Die EU-Kommission hat jetzt erst angefangen, sich um die nötigen Schnittstellen zu kümmern. In der Erprobungsphase werden die Daten der Corona-Tests aus sechs EU-Ländern getauscht – darunter Deutschland, Italien, Tschechien und Dänemark.

Frankreich ist jedoch nicht dabei, weil Paris ein anderes System mit zentralem Datenspeicher nutzt. Wann der EU-weite Austausch kommt, ist nicht absehbar.

Ein Riesenproblem sind auch die nationalen Reisewarnungen. Jedes EU-Land erlässt sie nach Gutdünken, aufgrund von nationalen Interessen und Empfehlungen.

Dies führt nicht nur zu Chaos auf Bahnhöfen und Flughäfen und zu Verzweiflung in der Reisebranche. Es behindert auch die Arbeit der EU – wegen deutscher Reisewarnungen sind Reisen zur Kommission nach Brüssel praktisch unmöglich.

Der deutsche EU-Vorsitz hat zwar eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich um eine bessere Abstimmung kümmern soll. Doch die Experten streiten über die Datenbasis: Sollen nur die Infektionszahlen, oder auch die Daten über COVID-19-Kranke und Tote herangezogen werden?

Eine Einigung ist nicht in Sicht, das Chaos geht weiter.

Derweil schlagen immer mehr Länder Corona-Alarm. Besonders angespannt ist die Lage in Spanien, Frankreich und Tschechien. Aber auch in Dänemark, Ungarn, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg steigen die Zahlen stark an.

Neue Grenzschließungen?

Dies hat eine Debatte ausgelöst, ob es erneut zu Beschränkungen bei der Ein- und Ausreise kommen sollte. Bund und Länder haben Grenzschließungen abgelehnt.

Auch die EU stemmt sich dagegen. Eine erneute, unkoordinierte Schließung der Grenzen wie im Frühjahr müsse unbedingt vermieden werden, heißt es in Brüssel. Doch Ungarn hat schon dicht gemacht.

Und das letzte Wort haben die nationalen Regierungen – nicht die EU.

Siehe auch “Corona: Trump ist nicht allein”

P.S. In Belgien werden täglich 81 Patienten mit COVID-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert, jeden Tag gibt es zehn COVID-Tote (im Durchschnitt der letzten sieben Tage). Beide Zahlen sind zuletzt stark angestiegen – so stark, dass die Krankenhäuser in Brüssel schon am Rande der Überlastung sind. So viel zu der Frage, ob die Infektionen im Grunde harmlos seien…

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Todesstoß oder heilsamer Schock?