Berateraffäre überschattet Merkels Flüchtlingsdeal

Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei war von Anfang an umstritten – schließlich hat ihn Kanzlerin Merkel an der EU vorbei mit Sultan Erdogan ausgehandelt. Nun soll er verlängert werden. Doch plötzlich tauchen neue Fragen auf – sie kreisen um die Berater von McKinsey.

Die McKinsey-Leute pflegen einen engen Draht zur Bundesregierung. In der Flüchtlingskrise 2015/16 halfen sie Berlin, die Asylverfahren zu beschleunigen. Offenbar war das aber nicht ihr einziger Auftrag.

Wie der “Spiegel” und der Online-Dienst “Balkan Insight” berichten, hat McKinsey auch geholfen, Merkels Flüchtlingsdeal in Griechenland umzusetzen. Dabei seien die üblichen EU-Prozeduren umgangen worden, heißt es in “BI”. Zitat:

The contract, worth 992,000 euros, came with an attached ‘exception note’ signed on January 20, 2017, by EASO’s Executive Director at the time, Jose Carreira, and Joanna Darmanin, the agency’s then head of operations. The note stated that “due to the time constraints and the political pressure it was deemed necessary to proceed with the contract to be signed without following the necessary procurement procedure”.

“Balkan Insight”

Wenn das stimmt, geht es also um annähernd 1 Millionen Euro – und um politischen Druck, der ausgeübt worden soll, damit die externen Berater bei der Umsetzung von Merkels Deal in Griechenland helfen.

Das ist ein schwerer Vorwurf – der nicht nur Merkel, sondern auch die EU-Kommission treffen könnte. Denn die Brüsseler Behörde soll sich die Empfehlungen von McKinsey fast unverändert zu eigen gemacht haben. Doch die Kommission wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

Umso wichtiger wird es sein, nun genau hinzuschauen, wenn ein neuer Flüchtlingsdeal eingefädelt wird. Wenn nicht alles täuscht, sind die Gespräche zwischen Merkel und Erdogan schon weit fortgeschritten…

Siehe auch “Berlin will Erdogan helfen, Paris spricht von Erpressung”

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