Aufgelesen: Die EU zahlt den Preis für ihr Exportmodell
US-Präsident Trump hat der EU eine letzte Schonfrist für eine einigung im Zollstreit gewährt. Ein guter Deal zeichnet sich trotzdem nicht ab. Nun rächt sich die verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre, schreibt Thomas Fazi im Makroskop.
Hier ein Auszug aus dem Original-Artikel:
Am Freitag kündigte Donald Trump einen drastischen Zoll von 50 Prozent auf Waren aus der Europäischen Union an, der am 1. Juni 2025 in Kraft treten sollte, sofern die EU nicht erheblichen Handelszugeständnissen zustimmt. Kurz darauf gewährte Trump nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Aufschub bis zum 9. Juli. Von der Leyen hatte um mehr Zeit für Verhandlungen gebeten.
(…)
Trumps vorherige Kehrtwende bei den China-Zöllen lässt vermuten, dass er zu Kompromissen bereit sein könnte, doch eine ähnliche Revision ist im Fall der EU derzeit unwahrscheinlich.
Zum einen wäre eine weitere 180-Grad-Wende für den US-Präsidenten politisch peinlich. Zum anderen hat die EU weniger Trümpfe in der Hand als China.
Die USA wären von einem Handelskrieg mit Europa weit weniger betroffen als von einer Konfrontation mit dem Reich der Mitte. Selbst wenn europäische Importe mit hohen Zöllen belegt würden, ist es unwahrscheinlich, dass die Regale in den US-Läden leer bleiben würden.
Vor allem aber: Bei einem Großteil der als „chinesische Exporte“ in die USA bezeichneten Waren handelt es sich um amerikanische Produkte, die in China hergestellt werden – was bedeutet, dass der Löwenanteil des Warenwerts an US-Unternehmen fließt.
Folglich sind genau diese Unternehmen am stärksten von den Zöllen betroffen – einer der Hauptgründe für Trumps Rückzieher. Für europäische Exporte in die USA gilt das nicht.
(…)
Unabhängig davon hat Trump durchaus einen Punkt, wenn er die EU unfairer Handelspraktiken bezichtigt. Die EU hat in den letzten Jahrzehnten – und insbesondere nach der Eurokrise von 2010/2011 – die Binnennachfrage durch Sparpolitik, Haushaltskürzungen und Lohnkompression systematisch gedämpft.
Weiterlesen im Makroskop

Karl
31. Mai 2025 @ 06:39
Für mich ein entscheidender Gedanke in Fazis Artikel:
„Kurzfristig könnte sich die EU zudem wirtschaftlich und geopolitisch an China annähern, um den Einfluss der USA weiter zu schwächen. Leider ist keines dieser Szenarien wahrscheinlich.“
Doch die Interessen der reichen Vermögensrentner und der großen Mehrheit der Bevölkerung klaffen hier weit auseinander.
Arthur Dent
29. Mai 2025 @ 22:37
Wir können weder alle gleichzeitig sparen, noch alle gleichzeitig exportieren.
Und man ist dem Hayek’schen Wahn verfallen, Märkte für Freiheit zu halten.
Skyjumper
30. Mai 2025 @ 09:08
Dem würde ich, in diesen Absolutismus, widersprechen.
Natürlich können alle Exportieren, auch gleichzeitig. Es wäre nur erforderlich auch im gleichen Maße zu importieren. Daran fehlt es allerdings.
Es könnten auch alle gleichzeitig sparen. Nur nicht in unseren Kreditgeldsystem. Hayek plädierte bekannterweise für eine “gedeckte” Währung. Dort ginge das (zumindest theoretisch und in begrenzten Umfang) durchaus.
Helmut Höft
29. Mai 2025 @ 14:28
“Die EU zahlt den Preis für ihr Exportmodell” am Beispiel D – trifft weitestgehend auf die EU als ehemalige “Frontstaaten gegen das Böse” zu – ist versucht worden das Ganze in das größere Bild zu setzen – die Agenda 2010 von Rot(!)–Grün(!) ist da nur ein Mosaikstein https://www.hhoeft.de/mythos/index.php/2020/04/24/experten-weisen-den-weg-teil-4/ (unten, 2. Seite)
Das war tlw. so bewusst inszeniert (1953, Londoner Schuldenabkommen & Co.). Man hat schlicht “vergessen”, das Thema à jour zu halten und an die Entwicklung anzupassen. Auf die Dauer ist das nix als reiner Merkantilismus geworden https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus und man nennt das “Beggar-thy-Neighbor-Politik” https://de.wikipedia.org/wiki/Beggar-thy-Neighbor-Politik und führt dazu, dass Donald John leider etwas Recht hat, z. B. hier: https://www.relevante-oekonomik.com/2025/04/29/trumps-mar-a-lago-accord-weit-weniger-unvernuenftig-als-behauptet/
Auf dem Portal “Relevante Ökonomik” findet man noch mehr. Der Punkt ist, dass Donald John nur “Deals” aka “Pizzo einfordern” kennt, würde er verträglich und logisch argumentieren, könnten alle gewinnen. Das geht aber mit einem Trump sowieso nicht.
european
29. Mai 2025 @ 15:03
@Helmut
Flassbeck ist immer eine gute Adresse fuer oekonomische Fragen. 🙂
european
29. Mai 2025 @ 13:55
Dazu passend gibt es einen neuen post von Acemaxx Analytics. Titel: “Sayonara Japan – Germany is Now World’s Largest Creditor”
https://acemaxxanalytics.substack.com/p/sayonara-japan-germany-is-now-worlds
Sehr aufschlussreich beschrieben und analysiert. Es passt zum statement von Draghi ueber die Zerstoerung des Binnenmarktes.
https://www.industriall-europe.eu/Article/1127
“Furthermore, the report provides a one-sided vision of productivity as it explains that growth in the EU is driven by weakening productivity growth, claiming that this in turn results in slower income growth and weaker domestic demand in Europe. While it correctly indicates that “wage repression should not be used to lower relative costs”, in the attempt to improve competitiveness, Draghi’s report overlooks the role that low-wages played in the weakening of demand, boiling everything down to weaker productivity.”
Es war bekannt und man hat offensichtlich nicht vor, dies zu aendern. In Deutschland wird eine solche Aufforderung als “Neid der Suedlaender auf den deutschen Erfolg” gewertet. Aber wir muessen unbedingt den Kampf gegen “Rechts” weiter fortsetzen.
KK
29. Mai 2025 @ 12:12
“Die EU hat in den letzten Jahrzehnten – und insbesondere nach der Eurokrise von 2010/2011 – die Binnennachfrage durch Sparpolitik, Haushaltskürzungen und Lohnkompression systematisch gedämpft.”
Mein Reden – das fällt ihr jetzt auf die Füsse. Das solvente Ausland wie die USA wollen EUropäische Produkte nicht mehr, und viele EUropäer können sich diese zum grossen Teil nicht mehr leisten!