WK2: Soll Berlin zahlen?

Langsam wird der Streit um griechische Zwangskredite an das 3. Reich auch zu einem EU-Thema. Ausgerechnet die Liberalen springen darauf an.

Deren Chef G. Verhofstadt hat Athen vorgeworfen, die Rückzahlungs-Forderungen widersprächen dem europäischen Geist. Zitat (eigens auf deutsch…):

Indem er Reparationen für den Zweiten Weltkrieg fordert, unterminiert Tsipras die Grundlagen der europäischen Integration. Er scheint vergessen zu haben, dass frühere Feinde nach dem Krieg beschlossen haben, vereint an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten. So wurde der Fehler vermieden, der nach dem Ersten Weltkrieg im Versailler Vertrag gemacht worden war.”

Eine völlig andere Auffassung vertritt der Historiker H. Fleischer. Athen erhebe seine Ansprüche völlig zu Recht, die deutsche Haltung sei peinlich, sagte er der ARD.

Und was sagt die Bundesregierung? Sie stellt sich taub und tut so, als existiere das Thema nicht. Es existiert aber doch – und vergiftet das Klima zwischen Berlin und Athen.

Am Ende könnte Merkel den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen… – Mehr hier

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8 Responses to WK2: Soll Berlin zahlen?

  1. GS 10. Februar 2015 at 14:45 #

    Peinlich ist der Herr Fleischer.

    • ebo 10. Februar 2015 at 14:58 #

      Kannst du das irgendwie begründen?

      • Peter Nemschak 11. Februar 2015 at 10:00 #

        Wenn man die Idee von Herrn Fleischer aufgreift, müsste Deutschland den Schweden die Rechnung für die Kriegsschäden während des 30-igjährigen Krieges und halb Europa Frankreich jene für die Schäden der napoleonischen Expansion schicken. Um des lieben Friedens willen haben die damaligen Staatsmänner darauf verzichtet.

  2. willi 10. Februar 2015 at 17:26 #

    Wenn Juristen zu dem Schluss kommen, dass die Forderungen berechtigt sind, dann muss die Bundesregierung eben eine Lösung finden, wie diese Ansprüche bedient werden. Dann müssten auch die Bürgschaften Deutschlands und die Risiken für die Zusagen, die Deutschland für Griechenland eingegangen ist, damit verrechnet werden.
    Das alles ist und bleibt aber einen Nebenkriegsschauplatz, denn es wird Griechenland nur etwas Zeit gewähren, ändert aber an den folgenden Strukturproblemen nichts:
    1. Griechenland hat kein Geschäftsmodell
    2. Die Griechen wollen mehrheitlich am Euro festhalten, der sie so erdrückt. Mit eigner Währung könnten sie abwerten. Dann wäre auch der Tourismus wettbewerbsfähiger.
    3. Griechenland muss auch auf der Einnahmeseite etwas tun. es bekam zweimal Geld von der EU um die Grundstücke und Immobilien zu erfassen und hat das Geld jedesmal verplempert. Aber ohne Kataster keine Substanzbesteuerung von Immobilien.
    4. Griechenland muss sofort Kapitalverkehrskontrollen einführen, damit die Vermögen das Land nicht verlässt und der Besteuerung entzogen werden.
    5. Vermutlich braucht Griechenland auch die Erlaubnis von der EU, sich neu aufbauende Märkte in der Anfangsphase ( 2- 3 Jahre) durch Zölle zu schützen: Warum importiert GR denn Südfrüchte und Hollandtomaten?

    • Michael 11. Februar 2015 at 10:00 #

      Kapitalverkehrskontrollen haben nur dann einen Sinn, wenn auch grenzüberschreitende Zahlungen wirklich erschwert bzw. von Genehmigungen abhängig gemacht werden. Das ist eigentlich ein Verstoß gegen eine der vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes (Freizügigkeit für Kapital, Waren, Dienstleistungen und Arbeitskraft). Freilich wurde etwas vergleichbares schon in Zypern praktiziert. Eine Abschottung Griechenlands vom übrigen EU-Zahlungsraum käme übrigens in der Praxis, wenn auch nicht auf dem Papier, bereits der Einführung einer neuen, eigenen Währung gleich – sozusagen neben dem mobilen Euro der in Griechenland eingesperrte Euro, der dementsprechend weniger wert ist. Den letzteren dann in Drachme umzubenennen wäre nur die Anerkennung einer bereits bestehenden Tatsache.

  3. marianne 10. Februar 2015 at 21:25 #

    Aber fein essen und trinken, sonnenbaden und tanzen in Griechenland, das ist herrlich. Und dann sind die Griechen auch noch gastfreundlich, wie alle Südländer. Und jetzt werden sie sogar als antisemiten eingestuft (http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136950193/So-judenfeindlich-sind-Tsipras-und-seine-Leute.html).
    Der deutsche Sparer wird sein Geld schon zurückbekommen. Worauf er vielleicht verzichten muss, ist auf die -von der Bank versprochenen- feinen Zinse! Dass Deutschland, nachdem es Milliarden an jüdische Vergeltungsansprüche zahlen musste, vielleicht auch mal auf die Griechen hören sollte, scheint mir nur gerecht.

  4. Michael 11. Februar 2015 at 09:55 #

    Das Problem ist, dass Griechenland vor wenigen Jahren umfangreiche Schulden kontrahiert hat und jetzt die Bedienung von maximal vier-fünf Jahre alten Schulden mit dem Argument verweigert, der Gläubiger schulde ihnen seit siebzig Jahren etwas.
    Beide Ansprüche sind ja voneinander völlig unabhängig. Wenn Griechenland einen Anspruch auf Rückzahlungen von Deutschland hat, besteht der unabhängig von allen anderen Problemen; und wenn Griechenland in den Jahren seit 2010 Kredite aufgenommen hat, kann es jetzt nicht sagen, die Gläubiger von heute hätten eigentlich nur ihre alten Schulden beglichen. Wenn Griechenland zahlungsunfähig ist, soll es das sagen. Im übrigen will die griechische Regierung doch andererseits anscheinend auch neue Notkredite, oder wie soll man “Liquiditätshilfen” sonst nennen? Will man die dann zurückzahlen?

  5. Klaus 27. Februar 2015 at 10:29 #

    Man muss aber auch mal ganz klar sagen, dass Griechenland nun mal die meisten Einnahmen vom Tourismus erzielt. Seit der Einführung des Euro ging es dann bergab. Der Euro ist nun mal keine Währung für Länder die den meisten Umsatz Saisonal bedingt erzielen denn wenn die Urlauber (dank Weltwirtschaftskriese) sparen müssen und nicht verreisen leidet Griechenland automatisch drunter

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