Wie die EU den Frieden sabotiert – und wie Kubilius den Krieg plant

Die Watchlist EUropa vom 11. Dezember 2025 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur Ukraine-Politik, zur Entbürokratisierung und zur Verteidigungspolitik.

Die EU rechnet nicht mehr mit einer Friedenslösung für die Ukraine noch in diesem Jahr. Dies geht aus dem Entwurf für den EU-Gipfel am 18. Dezember hervor. Kurz vor Weihnachten dürfte damit die Hoffnung auf einen “Weihnachtsfrieden” sterben.

Gipfelchef Costa hat der Ukraine in seinem Entwurf zwar nicht weniger als 16 Kapitel gewidmet – mit “Ehrengast” Selenskyj wie üblich an erster Stelle. Doch an keiner Stelle geht es um eine europäische Friedensinitiative – oder um Vorbereitungen auf Frieden.

Kein Wunder – denn die EU tut alles, um die laufenden Friedensbemühungen zu sabotieren. Nachdem die EU-Granden einen ersten , allzu Russland-freundlichen US-Entwurf abgeblockt haben, halfen sie Selenskyj, seinen eigenen Friedensplan von allen “anti-ukrainischen” Passagen zu säubern.

Maximalforderungen

Das wäre okay, wenn es nur um die russischen Maximalforderungen ginge. Einen Diktatfrieden darf es nicht geben. Doch die EUropäer – in Wahrheit sind es nur Deutschland und Frankreich plus Großbritannien – gehen weiter, viel weiter. Sie stellen selbst Maximalforderungen auf:

  • Erstens fordern sie unrealistische Sicherheitsgarantien. Paris und London wollen “Boots on the ground”, auch wenn sie von Rückversicherungstruppen reden. Das ist für Russland ein No-go – genau wie die Forderung nach einem Nato-Beitritt der Ukraine, die die EUropäer unterstützen.
  • Zweitens unterstützen sie Selenskyjs maximalistische Position, keine territorialen Zugeständnisse zu machen und den gesamten Donbass zu behalten. Angesichts der militärischen Lage ist dies völlig unrealistisch. Daran festzuhalten bedeutet nichts anderes, als den Krieg ad infinitum zu verlängern.
  • Drittens wollen die EU-Chefs das “eingefrorene” russische Vermögen von rund 200 Mrd. Euro in Belgien konfiszieren, um damit Waffen für die Ukraine zu finanzieren. Für Russland ist das ein “Casus belli”, für die USA ein Affront – denn sie wollen das Geld als Anreiz für eine Friedenslösung nutzen.

Mit der Vorbereitung von Friedensverhandlungen hat das alles nichts mehr zu tun. Vielmehr plant die EU für eine mögliche Fortsetzung des Krieges um weitere zwei Jahre – genau so, wie es Selenskyj fordert.

Um diese “Verlängerung” zu finanzieren, sind die EU-Chefs sogar bereit, ihr Gründungsmitglied Belgien zu übergehen. In seiner Not droht der belgische Premier De Wever nun mit einer Klage gegen die EU.

Darauf antwortet Costa auf seine ganz eigene Art: Wenn es Widerstand geben sollte, werde der EU-Gipfel ganz einfach so lange verlängert, bis das Geld für die Ukraine freigegeben wurde…

Meine Meinung: Das kommt davon, wenn man keine eigene (Exit-)Strategie hat und sich ganz auf Selenskyj verlässt. Wenn sich US-Präsident Trump nun frustriert aus dem Friedensprozess zurückzieht, haben “wir” den Ukraine-Krieg an der Backe. Dabei kann die EU die Kosten schon jetzt nicht mehr stemmen – deshalb der offenbar rechtswidrige Zugriff auf das russische Vermögen. Die gestrichene US-Militärhilfe können wir übrigens auch nicht wettmachen

News & Updates

Das Letzte

Wie Kubilius den Krieg vorbereitet. Bisher galt die EU-Außenbeauftragte Kallas als größte Hardlinerin in Brüssel. Doch nun wird Kallas noch übertroffen – von “Verteidigungskommissar” Kubilius. Der hat nicht nur in einer offiziellen Rede erklärt, daß es EUropas Ziel sein müsse, Russland finanziell, waffentechnisch und militärisch zu schlagen (“outspend, outproduce and outgun Russia”). Dafür hat er schuldenfinanzierte Kredite über 150 Mrd. Euro an die EU-Länder verteilt. In einem Beitrag auf X hat er auch eine “unvermeidliche russische Aggression gegen die EU” behauptet. Nach seiner Lesart ist der Angriff programmiert, sobald in der Ukraine wieder Frieden einkehrt. – Damit schürt Kubilius nicht nur die “Friedensangst” in der EU, die eh schon weit verbreitet ist (siehe oben) – er redet den Krieg auch noch regelrecht herbei…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo