Wie der “digitale Euro” das Bargeld ablösen könnte

Das ist auf dem Rückzug, immer mehr Zahlungsvorgänge werden elektronisch erledigt. Was steckt dahinter? Gibt es eine geheime Lobby des elektronischen oder gar digitalen Geldes? Und was macht die EU? – Teil 3 und Schluß einer dreiteiligen Serie.

Wohin die Reise geht, hat EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis schon im September skizziert. „Die Zukunft des Finanzwesens ist digital“, erklärte er – und schlug vor, nicht nur neue, EU-weite elektronische Zahlungssysteme einzuführen, sondern auch gleich den „digitalen Euro“.

Ein Angriff auf die analoge Währung sei das nicht, betonte die Brüsseler Behörde. Man setze sich dafür ein, dass „Bargeld sowohl zugänglich als auch allgemein akzeptiert bleiben sollte“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Schließlich sei der Euro das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in der Eurozone.

Doch diesen Worten folgten keine Taten, die Bestandsgarantie steht nur auf dem Papier. Gegen die Flut von digitalen Kartenlesegeräten und Bezahl-Apps, die dem Baren den Garaus machen, unternimmt Brüssel ebenso wenig wie gegen die schleichende Abschaffung von Geldautomaten oder die Schließung von Bankfilialen.

Umso eifriger arbeiten EU-Kommission und Europäische Zentralbank (EZB) daran, digitale Alternativen zum Baren voranzutreiben. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat die Digitalisierung zu einer Top-Priorität erklärt – gleich nach dem Klimaschutz. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat dafür sogar eine Kehrtwende hingelegt.

Bei ihrem Amtsantritt vor einem Jahr war die Französin noch strikt gegen einen digitalen „“. Nun setzt sie sich an die Spitze der Bewegung.

Der Euro müsse “fit für das digitale Zeitalter” werden, erklärte Lagarde im Oktober. Ein E-Euro würde alltägliche Zahlungen schneller, einfacher und sicherer machen, lockt die EZB. Spätestens Mitte 2021 soll es so weit sein.

Begründet wird die Eile damit, dass Facebook seine Digitalwährung Libra schon im Januar an den Start bringen könnte. Der US-Konzern plant eine digitale Münze, die an den Dollar angebunden wird.

Dieser digitale Dollar könnte das Monopol des Euro infrage stellen, fürchtet die EZB – und will ihm so schnell wie möglich etwas entgegensetzen.

Dabei bleiben Transparenz und Demokratie auf der Strecke. Die EZB hat zwar eine öffentliche Anhörung zum „digitalen Euro“ gestartet, ein Meinungsbild wird erst Anfang 2021 erwartet. Doch hinter den Kulissen arbeiten Expertengruppen schon fieberhaft an der Einführung.

Digitales Geld für alle?

Vor allem eine Frage treibt die Experten um: Soll das digitale Geld nur den Zentral- und Geschäftsbanken zur Verfügung stehen – oder auch den Bürgern?

Wenn der E-Euro nur bankintern verwendet wird, dürfte das den meisten Menschen ziemlich egal sein. Wenn er aber auch Otto Normalbürger zur Verfügung steht, wird das Bargeld noch entbehrlicher. Sogar Sparguthaben könnten digital angelegt werden.

Der gute alte Sparstrumpf wäre dann ebenso überflüssig wie das Portemonnaie…

(Teil 3 und Schluß. Die ersten beiden Folgen stehen hier und hier. Der gesamte Beitrag erschien zuerst in der taz, und zwar hier)