Trump hat drei Optionen, die EU vier Meinungen

Es ist wie ein Lackmustest: Am Beispiel Syrien lässt sich zeigen, wie konfus und widersprüchlich die “alliierten” Amerikaner und Europäer agieren. Leider. Denn die Lage bleibt brandgefährlich.

Beginnen wir mit den USA. Dort lagen vor Beginn der Angriffe auf Syrien offenbar gleich drei Optionen auf dem Tisch. Das meldet jedenfalls das “Wall Street Journal”.

Verteidigungsminister Mattis stellte nach WSJ-Angaben eine umfassende Militär-Option vor, die letztlich auf Regime Change hinauslaufen könnte.

Dabei wäre die russische Luftverteidigung und zahlreiche militärische Stützpunkte angegriffen worden, um Damaskus militärisch den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Die zweite, gemäßigtere Option wäre ein Angriff auf syrische Ziele, darunter Kommandostellen des Militärs und Wissenschaftseinrichtungen des mutmasslichen Chemiewaffen-Programms.

Und dann gab es noch die dritte Option, nur einige Einrichtung des Chemiewaffen-Programms zu bombardieren. Sie wurde letztlich umgesetzt.

Wenn dieser Bericht stimmt, dann könnten die USA beim nächsten Angriff (oder seiner Simulation) die zweite oder dritte Option aus der Tasche ziehen – um den Preis einer weiteren Eskalation.

Die EU würde sie dabei nicht bremsen – denn die hat sich mal wieder als handlungsunfähig erwiesen. Beim Treffen der Außenminister in Luxemburg ist sie in vier Fraktionen zerfallen:

Frankreich und Großbritannien, die militärisch vorgeprescht sind; Deutschland und die Mehrheit der Nato-Staaten, die den Militärschlag befürworten; vorsichtige  Nato-Mitglieder wie Italien sowie – als vierte Gruppe – die neutralen Länder.

Die EU ist wieder einmal gespalten. Allerdings gibt sie das nicht offen zu. 

EU-Ratspräsident Tusk war bereits am Samstag mit einer Erklärung vorgeprescht, die den Eindruck erweckte, die EU stünde geschlossen hinter dem westlichen Militärschlag.

In Luxemburg bemühte sich auch die EU-Außenbeauftragte Mogherini, die Fassade der Einheit zu wahren. Doch die Erklärung, die sie veröffentlichen ließ, verrät die Widersprüche.

Die Außenminister äußerten zwar „Verständnis“ für die Luftschläge, die die USA, Großbritannien und Frankreich ausgeführt hatten. Mehrere EU-Länder lehnten es jedoch ab, die Attacke gutzuheißen.

Nach Angaben von Diplomaten waren vor allem die Nicht-Nato-Mitglieder auf der Hut. Genannt wurden Schweden, Österreich, Finnland, Irland, Malta und Zypern.

Einige dieser Länder hatten bereits nach der Giftgasattacke auf den früheren russischen Doppelspion Skripal in Großbritannien Zurückhaltung geübt. Nun warnen sie vor einer militärischen Eskalation.

Die Sorge vor einer Konfrontation mit Russland wird auch von mehreren Nato-Ländern geteilt. Vor allem Italien mahnt zu Mäßigung – es ist die Heimat von Frau Mogherini…

 

 

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