Tristesse im Troika-Muster-Land

Portugal gilt als Beispiel für eine gelungene Euro-“Rettung”. Doch die Realität sieht anders aus. Vor den Wahlen im Herbst herrscht selbst in der Touristik-Hochburg der Algarve wirtschaftliche und soziale Tristesse.

Zwei Wochen war ich in der Region um Lagos unterwegs. Gleich zu Beginn fiel mir die menschenleere Autobahn auf – die von der Troika eingeführte Maut-Gebühr können nur reiche Touristen zahlen!

In den Restaurants an der Küste herrscht zwar Hochbetrieb. Doch schon im Hinterland bietet sich ein anderes Bild. Die neue Mehrwertsteuer von 23 Prozent macht ein Essen für Einheimische zu teuer.

Nachfrage in der Quinta, die uns beherbergt: Das Haus ist nur in der kurzen Hochsaison ausgebucht, die Krise hat tiefe Spuren hinterlassen. Allein vom Tourismus lebt kaum noch jemand an der Algarve.

Selbst die für Touristen bestimmte lokale Presse zeichnet ein Bild der Tristesse. “20 Jahre Arbeitslosen-Misere erwarten Portugal”, meldet der “Algarve resident” mit Verweis auf einen neuen IWF-Bericht.

“Der Lebensstandard fällt auf das Niveau der 90er Jahre”, warnt “The Portugal News”. Schuld daran seien auch die Steuern, die unter dem Troika-Regime auf einen traurigen EU-Rekord angehoben wurden.

Die Mehreinnahmen dienen natürlich vor allem dazu, die “Hilfs”-Kredite abzutragen. Deshalb sind die Gläubiger zufrieden. Die Portugiesen hingegen erwartet ein heißer Herbst, die Wahl wird spannend…

 
photo credit: Portimao setting sun via photopin (license)
 

 

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33 Responses to Tristesse im Troika-Muster-Land

  1. Peter Nemschak 9. August 2015 at 17:17 #

    In den letzten 12 Monaten, gerechnet bis Juni 2015, sind um 12 000 Deutsche mehr als im Vorjahr nach Portugal auf Urlaub gefahren. So schlecht, wie behauptet, kann es daher nicht gehen. Dass das Wohlstandsniveau auf das der 90-iger Jahre zurückgefallen ist, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Einführung des Euro zu einer kurzfristigen Scheinblüte wie in Griechenland geführt hat. Ökonomisch gibt es keine plausible Erklärung dafür, warum der Euro zu einer Angleichung der Wohlstandsniveaus zwischen dem Norden und Süden Europas hätte führen sollen.

    • OXIgen 9. August 2015 at 17:59 #

      Ach du meine Güte, Herr Nemschak! Lächerliche 12.000 deutsche Touristen mehr in Portugal und schon kann es dem Land ja nicht mehr so schlecht gehen!
      Wie schlecht muss es einem Land erst wirklich gehen, dass es in Ihren Augen schon prosperiert, wenn ein paar kümmerliche Flugzeugladungen mehr an Touristen anlanden? Ihre selbstgestrickte Art von Ökonomie ist echt verstörend.

      • Peter Nemschak 9. August 2015 at 19:15 #

        Was hat Portugal aus dem Eurosegen, der die Kredite für Staat und Private dramatisch verbilligt hat, gemacht? Hat es in guten Zeiten vor der Krise seine Wirtschaft gestärkt, seine Verwaltung effizienter gemacht, in Infrastruktur und Bildung investiert oder ist es das geblieben was es schon vor Einführung des Euro war? Wenn Sie meiner, wie Sie sagen, selbstgestrickten Ökonomie nicht folgen wollen, hören Sie sich Prof. Lars Feld, Mitglied des deutschen Sachverständigenrats, an. Er gehört zu den ausgewiesenen Ökonomen Deutschlands.

      • ebo 9. August 2015 at 21:04 #

        Die eigentliche Frage ist, was die Troika aus Portugal gemacht hat. Und die Antwort lautet: die Steuerlast wurde massiv erhöht, was sowohl Kaufkraft als auch Wettbewerbsfähigkeit behindert. Die moderne Infrastruktur (Autobahnen) wurde derart verteuert, dass nun alle Landstraßen verstopft sind. Die Arbeitslosigkeit wurde massiv und dauerhaft erhöht. In kaum mehr als 2 Jahren “Hilfe” wurde das Land um 20 Jahre zurückgeworfen – und das nennen die “Euroretter”, allen voran Schäuble, auch noch vorbildlich…

      • Carlo 9. August 2015 at 22:43 #

        Wenn ich ergänzen darf: Armut und Staatsverschuldung sind ebenfalls aufgeblüht. Allein im ersten Halbjahr 2014 wurden täglich 200 gepfändete Wohnungen versteigert.
        Zwar ist Portugals Staatsverschuldung geringer als die von Griechenland, aber die Gesamtverschuldung (Staat, Unternehmen, private Haushalte) liegt bei über 380% wogegen diese in GR mit 286% zu Buche schlägt. Die Gesamtverschuldung Portugals ist zwischen 2008 und 2013 um fasst 70% gestiegen. …
        Portugal ist genauso pleite wie GR und wird allein und ohne Schuldenschnitt ebenfalls nicht aus der Krise kommen. Portugal hat im Moment nur das “Glück”, dass Zahlungen an die europäischen “Rettungsschirme” zurück gestellt sind (wohl bis 2023?), damit die Schulden beim IWF durch geringer verzinste Schulden abgelöst werden können.
        Die andere Frage ist, wo fließen Gelder hin? Unter den Augen der Troika findet ein Kapitalabfluss, durch die portugiesische Unternehmerelite, in die Ex-Kolonien statt. Ich weiß nicht, ob das so gedacht war. Hilfreich ist es auf keinen Fall. Und die massive Abwanderung junger Menschen wird dadurch ganz sicher nicht gestoppt, was die Zukunftschancen weiter verschlechtert.

  2. OXIgen 9. August 2015 at 18:06 #

    @ebo

    Danke für diesen Artikel! Wir dürfen über der griechischen Tragödie die anderen Opfer der Troika nicht vergessen!

  3. Peter Nemschak 9. August 2015 at 21:31 #

    @ebo Meine Frage war: was hat Portugal aus dem Eurosegen bis zur Finanzkrise gemacht? Mir geht es um lokales Politikversagen. Portugal steht heute wirtschaftlich dort, wo es vor Einführung des Euro stand. An den gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen hat sich ganz offensichtlich nichts verändert. Die Hoffnung, dass die durch den Euro entstandene massive Reduzierung der Kreditkosten zu einer wirtschaftlichen Modernisierung des Landes führen würde, hat sich, wie im gesamten Süden, nicht erfüllt. Die EU wird auch in Zukunft mit stark unterschiedlichen Wohlstandsniveaus ihrer Mitglieder, nicht nur was Zentral- und Osteuropa betrifft, leben müssen. Selbst die Einführung einer Lokalwährung an Stelle des Euro würde daran wahrscheinlich nichts ändern.

    • ebo 9. August 2015 at 22:28 #

      @Nemschak Lokales Politikversagen? Eher globales Marktversagen. Portugal ist das Land, das die PIGS-Spekulanten ganz vorn auf ihrer Liste hatten – und immer noch haben, wie die jüngsten Turbulenzen um Griechenland zeigen. Übrigens auch das Land mit der höchsten privaten Verschuldung.

      • Peter Nemschak 10. August 2015 at 10:28 #

        Fragen Sie einmal nach den Gründen. Offenbar hatte das Land substantielle Strukturschwächen. Warum höchste private Verschuldung? Antwort: weil mit Einführung des Euro Kredite massiv verbilligt wurden und in die Immobilienspekulation flossen. Wie sah es mit der makroprudentiellen Regulierung der Banken durch die portugiesische Nationalbank aus? Hat es Mindesteigenkapitalerfordernisse bei Immobilienkrediten gegeben? Die rumänische Zentralbank hat zugegeben, dass sie diesen Fehler gemacht und mittlerweile korrigiert hat. Auch die Hilfsmaßnahmen der EU werden in ihrem Mix angepasst werden müssen. Nur ganz ohne Austerität wird es wohl nicht abgehen, will ein Land dessen Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig ist, in der Eurozone bleiben. Auch Griechenland hat mittlerweile eingesehen, dass mit marxistischen Stehsätzen nichts zu gewinnen ist. Die Diktatur des leeren Sackes ist der wirkungsvollste Treiber der nötigen Reformen. Einseitiges sozialpolitisches Wunschdenken führt nicht weiter.

  4. winston 10. August 2015 at 05:39 #

    “Was hat Portugal aus dem Eurosegen, der die Kredite für Staat und Private dramatisch verbilligt hat, gemacht?”

    Auch wieder so ein Blödsinn, hauptsächlich aus der Deutschen Neoliberalen Küche. In Südeuropa seien wegen des Euros die Zinsen gefallen. Die Südeuropäer hätten den sogenannten “Eurobonus, tiefe Zinsen” nicht ausgenutzt. Das ist eine Behauptung ohne jegliches Fundament und völlig spekulativ. Neoliberale Märchengeschichten, sonst nix, denn:

    a) Niemand weiss wie die Zinsen aus Südeuropäischen Länder sich Entwickelt hätten, ausserhalb des Eurosystems.

    b) Die Zinsen sind in den letzten 15 Jahren weltweit gefallen, selbst in Länder wie Türkei, Serbien, Kroatien oder Botswana, Kongo und sogar Äthiopien. Überall sind die Zinsen runter, von erst Welt bis zu viert Weltländer.

  5. Peter Nemschak 10. August 2015 at 10:40 #

    @Winston Wie erklären Sie den spanischen Immobilienboom? Die Zinsen wären, unabhängig von der absoluten Zinshöhe, bei Beibehaltung der Lokalwährung auf ähnlichem hohen Differential zu den Niedrigzinsländern geblieben. Dahinter steht die ökonomische Logik, dass Investoren, die in eine strukturell schwache Währung investieren, für ihr Risiko im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Bei allem sozialpolitischen Engagement darf man die ökonomische Logik nicht über Bord werfen, was rechtspopulistische und sozialistische Politiker gerne übersehen. Es gibt keine Wundermittel in der Ökonomie.

    • ebo 10. August 2015 at 10:44 #

      @Nemschak Gibt es in Ihrer heilen Welt eigentlich auch leichtsinnige Investoren und fahrlässige Banken, die für ihre privaten Spekultations-Geschäfte auf Kosten eines Staates zur Rechenschaft gezogen werden müssten? Genau darum geht es nämlich im Fall Spanien; der spanische Staat hat bis zur Krise eine regelkonforme, in Schäubles Kategorien sogar vorbildliche Wirtschafts- und Finanzpolitik gemacht!

      • Peter Nemschak 10. August 2015 at 10:52 #

        Manche Investoren, die falsch spekuliert haben, mussten massive Verluste hinnehmen. Einige deutsche Banken, aber auch Versicherungen Pensionsfonds und Private haben das zu spüren bekommen und ihr Kapital geschmälert. Im übrigen wurden nicht alle Banken, die verloren hatten, vom Staat gerettet sondern mussten durch Kapitalerhöhungen zu Lasten der Altaktionäre ihr Kapital wieder auffüllen. Übrigens liegt auch der hochgelobte Warren Buffet nicht immer richtig mit seinen Investitionsentscheidungen. Wenn man Ihre eigentumsfeindliche Einstellung wirtschaftspolitisch umsetzt, darf man sich nicht wundern, wenn in einer Volkswirtschaft zu wenig investiert wird. Frankreich unter den Sozialisten kann ein Lied davon singen.

  6. winston 10. August 2015 at 12:39 #

    Nemschak

    Ob das Zins differential heute gleich geblieben wäre, das behaupten Sie. Das ist reine Spekulation, Fakt ist, die Zinsen sind in den letzten 15 Jahren praktisch global runter, auch in Problem Länder die nicht im Eurosystem sind. Also ist die Behauptung die Zinsen aus Südeuropäischen Länder sind WEGEN des EURO runter falsch, höchstwahrscheinlich wären sie auch in Spanien, Portugal, Griechenland runter, in Italien sowieso.

    Eins kann man aber mit Sicherheit sagen, ohne Euro hätte es keine Euro-Kreditkrise gegeben. Es wäre schlicht und einfach kein Kapital geflossen, zumindest nicht in dieser Höhe, das Währungsrisiko wäre einfach zu hoch gewesen. Wäre dies mit der Drachme passiert, hätte die Drachme massiv abgewertet und die Gläubiger hätte 70% des investierten Kapital abschreiben müssen. Die Deutschen Bundesanleihen sind seit 2011 so massiv gefallen weil viel Geld aus Südeuropa in Deutsche Bundesanleihen geflossen ist und weiterhin fliesst, hätte es diese Krise nicht gegeben wäre das nicht passiert. Vermutlich wäre die Deutschen Bundesanleihen auf US oder UK Niveau.

    Aber mir ging es einfach um den Blödsinn, die Zinsen aus Südeuropäischen Länder wären wegen des Euros gefallen und hätten diesen Vorteil nicht ausgenutzt. Das ist eine höchst subjektive und spekulative Behauptung. In Rumänien, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Türkei, Polen, Ungarn, alles Länder ohne Euro sind die Zinsen ebenfalls gefallen. Zudem, wären die Kredite in Forschung und Entwicklung investiert worden, wäre kein Cent geflossen, den Forschung und Entwicklung bringt keine Rendite. Es hatte einen Grund, dass das Geld in die Spekulation (Immobilen) und Konsum floss, welchen muss ich wohl nicht erklären.

    Mit Liberalismus hat das ganze wenig bis nix tun, das ist nix anderes als Bankensozialismus. Die anderen 99% dürfen den Kelch des Sozialdarwinismus austrinken. Wieso der Europäische Steuerzahler für falsche und unvorsichtige Investitionen seitens der Banken, hauptsächlich französische und deutsche zahlen muss, ist mir schleierhaft. Nach Milton Friedman (Vater des Neoliberalismus) hätten dafür die Banken gerade stehen müssen und dann die Marktkräfte spielen lassen.

    Und nicht vergessen der Deutsche Staat spart wegen den exorbitant tiefen Zinsen Milliarden Euros im zweistelligen Bereich. Mutti Merkel und Schäuble kann das nur recht sein.

  7. Peter Nemschak 10. August 2015 at 13:17 #

    @Winston Sie bestätigen meine Analyse. Ohne Euro hätte es, unabhängig vom allgemeinen Zinsniveau, unterschiedliche Zinsen in den Mitgliedsländern der EU gegeben. Damit jemand in Griechenland investiert hätte, hätte Griechenland das erhöhte Abwertungsrisiko durch höhere Zinsen ausgleichen müssen. Damit in Zukunft nicht der Steuerzahler für Bankpleiten einstehen muss, wurden Instrumente geschaffen, damit die Bankgläubiger inklusive Großeinleger ab Eur 100.000 herangezogen werden. Dass der deutsche Staat durch niedrige Zinsen viel Geld einspart, hat damit zu tun, dass die Anleger hohes Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, wenn sie diese mit anderen Euromitgliedern vergleichen. Dass Geld in die Immobilienspekulation statt in Forschung und Entwicklung geflossen ist, hätten die Staaten korrigieren können. Auch in diesem Punkt hat die lokale Politik kläglich versagt. Deshalb wundert mich die Staatsgläubigkeit der Linken, die ständig nach dem Primat der Politik über die Märkte rufen, Politikversagen aber gerne verdrängen. Mit deren Einstellung, dass immer die anderen schuld sind, wird es keinen Fortschritt geben. Daher sind linke Programme, weil nicht überzeugend, in Europa derzeit auch nicht mehrheitsfähig

    • Beate 10. August 2015 at 13:54 #

      “Deshalb wundert mich die Staatsgläubigkeit der Linken, die ständig nach dem Primat der Politik über die Märkte rufen, Politikversagen aber gerne verdrängen.”

      Die ganz schlimmen Wirkungen der Agenda2010 und der Austerität sind nicht mehr zu bestreiten.

      Deutsche Unternehmen haben sich durch Lohndumping, Zinsvorteile für Kredite, Exportsubventionen, … im Verhältnis zu Ihren Wettbewerbern im Euroausland relative Wettbewerbsvorteile verschafft.

      Deutsche Unternehmen haben ‘erfolgreich’ angestammte Unternehmen in den Euroländern von ihren Heimatmärkten verdrängt.
      In Griechenland gibt es keinen einheimischen Hersteller von Infusionsnadeln mehr.

      Griechenland ist in dieser Beziehung von Krediten aus Deutschland abhängig geworden: “Die von Berlin oktroyierte Austeritätspolitik der vergangenen fünf Jahre sowie die aktuellen, ebenfalls von Berlin erzwungenen Kapitalverkehrskontrollen führen inzwischen zu einer sich stets weiter verschärfenden humanitären Notlage in Griechenland. Es sei “ganz hässlich”, was da gegenwärtig “auf dem Buckel der Bevölkerung ausgetragen wird”, klagt der Schweizer Jakob Kohn, ein Therapeut, der Hilfstransporte nach Griechenland organisiert und am Wochenende den Verein “Griechenlandhilfe Schweiz” gegründet hat. Am meisten litten Krankenhäuser sowie Kinder- und Behindertenheime; sie “können praktisch keinen normalen Betrieb mehr aufrecht erhalten”, berichtet Kohn und nennt Beispiele. “Eine Ärztin schilderte mir, wie ein Kind in ihren Armen gestorben ist. Sie konnte keine Infusion legen, um das Leben des Kindes zu retten, weil es im Spital keine Nadeln mehr gab.”

      Ich habe folgende Fragen an Sie:

      1. Wie wird der deutsche Handelsbilanzüberschuss finanziert?

      2. Wie groß ist der Anteil der durch Exportkredite gegenfinanziert wird?

      3. Welche deutsche Banken vergeben Exportkredite?

      4. Wie hoch sind die kumulierten Exportkredite nach Banken(Bankenaufsicht)?

      5. Wie hoch sind die Risiken für zukünftige Bundeshaushalte hieraus(indirekte Staatshaftung to big to fail)?

      6. Geldvermögen wird durch Kredit geschaffen. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Exportkrediten und der Entwicklung des Geldvermögens in Deutschland und wie ist die Entwicklung der Verteilung der Geldvermögen in Perzentilen?
      Wie ist das Geldvermögen im obersten 1% gewachsen?

      7. Haftet die deutsche Bundesregierung für deutsche Geldvermögensmillionäre?

      8. Wie will die deutsche Bundesregierung deutsche Geldvermögensmillionäre zukünftig in Haftung nehmen?

      9. Der verteilungsneutrale Spielraum für Lohnerhöhungen (Produktivität + Zielinflationsrate) wurde nicht ausgeschöpft. Der kumulierte Betrag beträgt 2,1 Billionen Euro seit 2005. Welchen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Geldvermögensmillionäre mit einem Vermögen > 30 Millionen und dem oben geschilderten Zusammenhang gibt es?

      10. Wie kann man von Erfolgen der merkantilistischen Wirtschaftspolitik, wenn sich die Armut in Deutschland im Verhältnis zu vor 40 Jahren verdoppelt hat?

      11. Viele Arbeitnehmer in unseren Europartnerländern haben ihren Arbeitsplatz verloren. Welchen Zusammenhang zwischen den Migrationsflüchtlingen und einer an Zerstörungswettbewerb orientierten Wirtschaftspolitik gibt es?

      12. Wie groß ist die deutsche Mittelschicht tatsächlich. Sind es noch 10% oder doch noch 20%?

      14. Ohne großes Staatsvermögen steht der Staat den Befehlen der Finanzmärkte hilflos gegenüber.
      Wurde fast das gesamte deutsche Staatsvermögen zu Ausverkaufspreisen privatisiert, um die neoliberale Wirtschaftspolitik demokratisch nicht mehr abwählbar zu machen?

    • winston 10. August 2015 at 20:07 #

      “Dass der deutsche Staat durch niedrige Zinsen viel Geld einspart, hat damit zu tun, dass die Anleger hohes Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, wenn sie diese mit anderen Euromitgliedern vergleichen.”

      “Dass Geld in die Immobilienspekulation statt in Forschung und Entwicklung geflossen ist, hätten die Staaten korrigieren können. Auch in diesem Punkt hat die lokale Politik kläglich versagt.”

      1) Das hätte wesentlich anders ausgesehen, hätten die Banken für ihre Fehlallokationen selber aufkommen müssen und nicht die Europäischen Steuerzahler, sprich Staaten. Vermutlich hätte die Deutsche Regierung ein Soffin 2 gründen müssen. Auf jedenfall wäre die Krise auf die Hauptdebitoren (PIGS) und die Hauptkreditoren (Deutschland, Frankreich) begrenzt geblieben.

      2) Für Forschung und Entwicklung wäre kein Geld geflossen, ganz einfach, keine Rendite, wo keine Rendite raus springt fliesst kein Geld. Das Geld floss in den Konsum und in die Spekulation. Die Kreditgeber verdienten auch gut davon, bis zur Krise, danach wurden sie vom bösen Staat rausgehauen.

      DER STAAT IST NICHT DA UM DIE BANKEN RAUSZUHAUEN, SONDERN FÜR DAS VOLK.

  8. Peter Nemschak 10. August 2015 at 14:31 #

    @beate es waren eher chinesische und Unternehmen aus Billiglohnländern, welche Produzenten aus dem dem europäischen Süden zu schaffen gemacht haben. Kenneth Rogoffs Analyse betreffend mögliche Auswege ist jedenfalls lesenswert. http://www.project-syndicate.org/columnist/kenneth-rogoff.
    Köstlich der etwas sarkastische, aber durchaus der Wahrheit nahe kommende Artikel in der FAZ.net: Die” Linke” und Syriza. Wie verknallte Teenager.
    Im Ernst, man braucht die Welt nicht neu zu erfinden, bloß den Policy-Mix adaptieren. Dies klingt für linke Gesellschaftsveränderer vielleicht etwas langweilig, führt aber eher zum Ziel als marxistische Ideologie von gestern.

    • ebo 10. August 2015 at 14:36 #

      @ Könnten Sie bitte auch einmal auf meinen Post eingehen, in dem ich aufzeige, welchen Schaden die Troika in Portugal hinterlassen hat – mit der höchsten Verschuldung Europas, den höchsten Steuern, miesen Aussichten am Arbeitsmarkt, einer Rekord-Auswanderung etc. pp? Syriza ist daran bestimmt nicht Schuld!

      • Peter Nemschak 10. August 2015 at 14:49 #

        Tue ich ja, indem ich meine, dass man den bisherigen Policy Mix der Troika, der in Spanien und Irland funktioniert hat, für Länder wie Portugal und Griechenland adaptieren muss. Allerdings müssen Schuldenerlass und Strukturreformen gut miteinander koordiniert werden. Ohne Strukturreformen, die den Ländern nicht schmecken, darf es auch keinen Schuldenerlass geben. Ganz ohne weitere Austerität wird es allerdings nicht funktionieren. Diese zwingt zu einer Änderung der Prioritäten, wofür Geld ausgegeben wird. Daher ist eine schrittweise Umsetzung ein Gebot politischer Klugheit. Eine schmerzfreie Sanierung gibt es nicht. Im übrigen habe ich nur auf den weitschweifigen Kommentar von beate, der mit der Troika nichts zu tun hatte, knapp geantwortet.

    • Beate 10. August 2015 at 15:47 #

      Hören Sie auf Tatsachen als Meinungen herunterzuspielen.

      Von jemandem der wirklich in Portugal war:

      “Ich empfehle ihm – neben einem Blick in die offizielle Statistik – einmal durch Portugal zu reisen und zwar nicht im Nachtzug, sondern zu Fuß durch die Straßen von Porto und Lissabon zu streifen, den Menschen dabei zuzuschauen, wie sie hastig Essensreste aus den Papierkörben vor McDonalds klauben und diese gierig verschlingen. Ein Bild, das bei mir Erinnerungen an die Werke von Käthe Kollwitz wachgerufen hat. Er sollte es dabei auch nicht versäumen, mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Schnell würde er eines besseren belehrt: Lissabon hat nicht nur nicht den Ausweg aus der Krise gefunden. Es steckt bis zum Hals in der Misere, die die ursprüngliche Krise fast wie einen Spaziergang aussehen lässt. Aus dem Spaziergang ist aber längst ein langer Marsch geworden, der durch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Wüste führt, in die die Austerität weite Teile des Landes verwandelt hat. ”

      http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2015/05/eurokrise-portugal-spanien-griechenland-suddeutsche-zeitung-thomas-urban-%E2%80%93-ein-journalist-dem-es-offensichtlich-nur-um-die-bestatigung-der-eigenen-ideologie-geht/

      Irland ist ein Teil des amerikanischen Wirtschaftsraumes.
      Da gibt es keine Austerität.

      In Spanien funktioniert die Austerität nicht.
      Da werden Statistiken gefälscht.

      http://www.flassbeck-economics.de/statistiken-zur-wende-in-spanien-und-taeglich-gruesst-das-murmeltier/

      • ebo 10. August 2015 at 15:52 #

        @Beate Leider habe ich es diesmal nicht nach Lissabon geschafft. Aber dass dort nunmehr 500.000 Menschen von Armenspeisungen leben, hat sich bis an die Algarve herumgesprochen. Allerdings noch nicht nach Brüssel, Berlin oder Wien…

  9. Peter Nemschak 10. August 2015 at 16:09 #

    @beate fragen Sie seriöse Ökonomen wie K.Rogoff. Dass die Arbeitslosigkeit auch in Spanien zu hoch ist, hat mit den Arbeitsmarktgesetzen zu tun, welche Arbeitende gegenüber Arbeitslosen besser stellen. Armenausspeisungen gibt es überall, nicht nur im Süden.

    • Carlo 10. August 2015 at 20:42 #

      Man kann sich Rogoff anhören oder auch nicht. Kein Experte ersetzt den eigenen Menschenverstand. Und meiner sagt mir, dass es nicht möglich ist und niemals möglich sein wird, Schulden mit Schulden zu tilgen. Wenn man kein schuldfreies Geld zur Verfügung hat, können Schulden nur durch Ausverkauf der Allmende oder/und durch Arbeit getilgt werden.
      Genau diese beiden Dinge passieren gerade nach der Troika-Machtergreifung. Die Völker müssen ihr Tafelsilber verhökern, die Erlöse werden nie ausreichen, und zusätzlich müssen sie Frondienste für die Gläubiger leisten.

      Schulden versklaven, ob man das nun wahrhaben will oder nicht. Das ist ein Fakt.

  10. OXIgen 10. August 2015 at 18:38 #

    Wohin der Desasterkapitalismus in Europa und sonstwo auf der Welt geführt hat und weiterhin führt, interessiert einen Herrn Nemschak einfach nicht.

    Jugendarbeitslosigkeit von über 50% in den Südländern? Kein Problem, sollen sie doch in AMAZONien arbeiten oder bei McCall, da findet sich sicher ein günstiges Arbeitsplätzchen.

    Hungrige Rentner? Also bitte, wozu gibt es schließlich Millionen von Armen? Die können den ganz bitter Armen ja ein wenig unter die Arme greifen. Europa ist schließlich solidarisch.

    Kranke ohne Medikamente? Bedauerlich aber unvermeidbar, denn im neuen europäischen Wohlfahrtsmodell ist dafür leider kein Budget vorgesehen. Keine Leistung ohne Gegenleistung. Außerdem kommt ein sozialverträgliches Ableben schließlich allen zugute.

    Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen, aber dafür reicht selbst mein Vorrat an Sarkasmus nicht aus.

    Egal mit welchen Floskeln (wie z.B. Strukturanpasssung) die Nemschaks dieser Welt die nackten Tatsachen verdrehen wollen, sie bleiben Tatsachen. Egal welche ökonomischen Theorien man herbei zitiert, welche angeblichen Fachleute man vorschickt: das Resultat der brutalen Austeritätsdiktate in den Programmländern ist die Verelendung von Millionen Europäern. Und das kann und darf nicht das Europa sein, von dem wir einmal geträumt haben.

    Die Tristesse muss ein Ende haben.

  11. winston 10. August 2015 at 20:42 #

    K. Rogoff ist ein Dummkopf oder bezahlter Spin Doktor.

    Die Krise wurde NICHT von den Staatsschulden verursacht, wie Rogoff behauptet(e), (die berühmt berüchtigte Excel Tabelle). Spanien und Irland hatten wesentlich tiefere Staatsschulden als Deutschland, sondern wegen den Auslandsschulden.
    Das ist bei den seriösen Wirtschaftswissenschaftler schon längst Mainstream. Selbst bei Institutionen wie IWF, Eurostat, EZB ist das angekommen. Rogoff heizte die Krise durch diesen Schwachsinn massiv an. Er kam vor allem bei Merkel gut an, was nicht verwundert.

    @ Oxigen

    Das schweigen und die völlige Gleichgültigkeit der europäischen Politiker, angesichts der dramatischen Jungenarbeitslosigkeit und der humanitären Katastrophe in Südeuropa ist nur noch beschämend und erschreckend zugleich. Das ist der Grund meiner Wut ggü. den Linken. Die Linken müssten eigentlich die ersten sein die Aufschreien angesichts dieser Zustände. Hier wären vor allem Renzi und Holland samt ihren Fin. Min. gefordert aber was machen sie, sie Loben Mutti Merkel und das Deutsche Modell (Agenda 2010) in höchsten tönen. Wobei Das Deutsche Modell ist auf die gesamte EZ nicht anwendbar, pure Logik. Manchmal kommt sich vor wie in einem Horrorfilm von John Carpenter wenn man sich die Zustände in der EZ anschaut.

    • OXIgen 10. August 2015 at 23:25 #

      @winston

      Ja, winston, die Zustände in Europa können einen in Rage bringen. Vor allem die Mutti mit der Pickelhaube kann einen das Fürchten lehren. Soviel Brutalität und Kaltschnäuzigkeit macht mich fassungslos.

      Wenn Sie Hollande und Renzi als Linke bezeichnen, dann muss ich Ihnen leider widersprechen. Das sind Sozialdemokraten und damit genau so bis zur Unkenntlichkeit neoliberalisiert wie beispielsweise Gabriel. Von diesen Pharisäern ist kein Widerstand zu erwarten. Erinnern Sie sich noch daran, wie fix Hollande seine Wahlversprechen gebrochen hatte? Mit ihm gäbe es keinen von Merkel diktierten Fiskalpakt, tönte er vor der Wahl. Knapp eine Woche nach seinem Einzug in den Elysée unterschrieb er. Nur ein Beispiel von vielen. Mit den europäischen Sozialdemokraten kann man nicht mehr rechnen, von denen kommt kein Aufschrei, die kuscheln lieber mit den Folterknechten.

      Ich fürchte, dass auch die kommenden Wahlen in Portugal und Spanien, evtl. Neuwahlen in Griechenland, nichts ändern werden.

  12. Peter Nemschak 10. August 2015 at 21:41 #

    @alle Unzufriedenen: Tun Sie was dagegen!

  13. GS 10. August 2015 at 23:57 #

    @ebo
    Die französischen Autobahnen sind auch leer. Hab Dich hier noch nie dagegen wettern sehen.

    • ebo 11. August 2015 at 08:43 #

      Schon mal was von journée noire gehört? Dann würdest du nicht so einen Quatsch schreiben!

  14. winston 11. August 2015 at 11:14 #

    “In Spanien funktioniert die Austerität nicht.
    Da werden Statistiken gefälscht”.

    Spanien ist grösster Schuldner Deutschlands, da geht man sehr zimperlich mit um.

    Spanischer Staatshaushalt:

    http://de.tradingeconomics.com/spain/government-budget

    Spanien überzog die 3% Defizitgrenze permanent in den letzten 5 Jahren und das massiv. Aus den Austeritäts und Regel Polizisten der CDU hörte man kein Wort, schweigen im Walde. Frankreich überzog dieses Jahre die Defizitobergrenze um 1.1%. Die CDU schoss danach aus vollen Rohren gegen die Franzosen 2-3 Wochen lang, das ganze gewürzt mit einer medialen Schmutzkampanie gegen Frankreich die schon fast an die “Stürmer” Zeiten erinnert.

  15. Andres Müller 12. August 2015 at 13:19 #

    In Portugal kam es mit 15548 verkauften PKW ( http://www.acap.pt/site/uploads/noticias/documentos/2842BA92-23310_1.pdf ) zu einer gewissen Erholung in diesem Sektor, wobei solche gegenüber den doppelt so hohen Hochs immer noch erschreckend tiefen Zahlen, die bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhundert erreicht wurden. In Griechenland wurden jetzt 5215 PKW -Zulassungen im Juli vermeldet, ( GR hat 500’000 mehr Einwohner als die 10.5 Millionen in Portugal . Das bedeutet dass in Griechenland derzeit ca. 95% der Bürger langfristig kein (neues) Auto kaufen können, in Portugal sind etwas weniger also ca. 85% dazu nicht in der Lage.
    Mit Blick auf andere Wirtschaftssektoren kann ich Portugal nur mässig besseren Ausblick als den Griechen zugestehen -aber doch etwas besser. Das (offizielle) BIP der Portugiesen scheint sich 2015 bisher zwar nicht sehr positiv zu bewegen, allerdings wird geschätzt das über 20% des BIP über Schattenwirtschaft läuft. Der Leidensdruck der Bevölkerung wegen der Sparmassnahmen dürfte angesichts der leicht besseren Situation (als zwischen 2007-12) eher noch zu keinem “Systemwechsel” durch Wahlen führen, zumal man jetzt gesehen hat das Politiker wie Tsipras nach kurzer Zeit unter Druck verheerend heftig zurück buchstabieren und die Wahlversprechen sich mehr als nur in Luft auflösen.

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