Sonderstatus und Sicherheitsgarantie: Merz’ nächster Ukraine-Coup

Im Herbst 2025 wollte Kanzler Merz auf das russische Vermögen zugreifen – und scheiterte. Nun kommt der nächste Coup: Er schlägt vor, der Ukraine einen Sonderstatus als „assoziiertes Mitglied“ der EU zu verleihen. Doch das ist überflüssig und gefährlich.

Merz gibt sich kreativ und schlägt vor, daß der ukrainische Präsident Selenskyj künftig an allen EU-Gipfeln und seine Minister an den Ministerräten teilnehmen sollen. So könne man die Ukraine besser an die EU heranführen als über den zähen Beitrittsprozess. Dabei ist das alles andere als neu.

Selenskyj ist bei den Gipfeltreffen schon jetzt meist der erste Redner. Seine Minister nehmen an allen wichtigen EU-Treffen in Brüssel und anderswo teil. Die Ukraine verfügt längst über einen privilegierten Sonderstatus, wie auch der 90 Mrd. Euro schwere Hilfskredit zeigt. 

Diesen Sonderstatus mit einem neuen Label zu versehen – „assoziiertes Mitglied“ – macht nichts besser, aber vieles noch schwieriger. Zum Beispiel das Verhältnis zu den anderen EU-Kandidatenländern auf dem Westbalkan. Sie warten seit 20 Jahren und fühlen sich übergangen.

Brisante Beistandsklausel

Problematisch würde auch die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine. Bisher ist die EU nicht zu Hilfe verpflichtet. Merz will Selenskyj nun aber europäische Sicherheitsgarantien geben und die Beistandsklausel aus dem EU-Vertrag aktivieren. Das würde alles ändern.

Die EU-Länder wären plötzlich gehalten, Kiew beizustehen, wenn der Krieg mit Russland eskaliert. Was das konkret bedeutet, weiß niemand, das Nachdenken darüber hat in Brüssel gerade erst begonnen. Klar es nur, daß es verdammt gefährlich werden könnte.

Schließlich ist die Ukraine im Krieg mit Russland – und jeder russische Angriff könnte die Beistandsklausel der EU auslösen. Dann müßte womöglich auch Deutschland an die Front. Merz hat wieder einmal aus der Hüfte geschossen – die Folgen sind noch gar nicht abzusehen…

Siehe auch Die Beistandsklausel soll bald “scharf” gestellt werden und Ist die Ukraine jetzt ein deutsches Protektorat?

P.S. Der ukrainische Präsident Selenskyj lehnt den deutschen Vorstoß für eine “assoziierte” EU-Mitgliedschaft seines Landes ab. Dies sei ungerecht, da die Ukraine damit kein ​Stimmrecht erhielte, schreibt Selenskyj in einem Brief ​an die EU-Spitze. Bundeskanzler Merz hatte vorgeschlagen, der Ukraine als Zwischenschritt vor dem EU-Beitritt eine Teilnahme an EU-Treffen ohne Stimmrecht zu erlauben. Selenskyj ist allerdings ohnehin Dauergast bei EU und Nato. Seine Reaktion ist ein weitere Klatsche für “Außenkanzler” Merz…