Sicherheitsrisiko Trump, Wackelkandidat Weber – und Absage an Putins’ Gas
Die Watchlist EUropa vom 17. März 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zum US-Krieg gegen Iran und den Folgen, zur EVP-AfD-Affäre im Europaparlament und zur europäischen Energiepolitik.
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Die EU will eine neue Sicherheitsstrategie ausarbeiten. Der kurz nach Beginn des Ukrainekriegs im März 2022 vorgelegte “strategische Kompass” sei veraltet, heißt es in Brüssel. Wir hatten dies schon im Januar festgestellt – und zwar hier.
Doch die Vorarbeiten sind ins Stocken geraten. Man stehe noch ganz am Anfang, räumte die EU-Außenbeauftragte Kallas ein. Es seien zwar schon einige Vorschläge eingegangen, doch die neue Strategie brauche mehr Zeit.
Der Grund: Das Vorhaben, Russland zur größten, existentiellen Gefahr aufzubauschen, wurde von der Realität überholt. Das größte Sicherheitsrisiko für EUropa und die Welt geht gegenwärtig von den USA und Präsident Trump aus.
Rutscht EUropa in den nächsten Krieg?
Trumps völkerrechtswidriger, auf Druck Israels vom Zaun gebrochene Angriffskrieg im Iran hat sich zum Flächenbrand entwickelt, der jederzeit in einen 3. Weltkrieg umschlagen könnte. Viele Experten sehen uns schon dort.
Bisher sah es so aus, als werde EUropa davon nur indirekt getroffen – höhere Ölpreise galten als bedauerlicher Kollateralschaden. Doch nun versucht Trump, die EUropäer in den Krieg hineinzuziehen – und droht mit Folgen für die Nato.
Auf den ersten Blick dreht sich der Streit “nur” um die Straße von Hormus, die die US-Alliierten sichern sollen. Die gute Nachricht ist, daß sich Deutschland und die EU wehren. “Dies ist nicht unser Krieg”, heißt es plötzlich in Berlin.
Das Appeasement ist gescheitert
Die schlechte Nachricht ist, daß die EU keine Strategie hat. Noch vor zwei Wochen haben Kanzler Merz, EU-Chefin von der Leyen und Kallas den Krieg gegen Iran begrüßt – in der irrigen Hoffnung, so Trump bei Laune halten können.
Ihr Ziel war, Trump wenigstens in der Ukraine bei der Stange halten zu können. Doch das Appeasement ist gescheitert – nun droht er sogar mit dem Rückzug aus der Nato, was auch die Niederlage der Ukraine besiegeln würde!
Doch die EU glaubt immer noch, das größte Sicherheitsrisiko gehe von Putin aus. „Unsere Aufgabe heißt erstens die Ukraine, zweitens die Ukraine und drittens die Ukraine“, erklärte Frau Strack-Zimmermann ausgerechnet jetzt – auf dem Höhepunkt der Trump-Iran-Krise, die auch die EU herunterzieht…
News & Updates
Wackelkandidat Weber. Es ist noch gar nicht so lange her, daß EVP-Chef Weber glaubte, sich alles leisten zu können. Im Dezember kündigte er sogar das Aus vom Verbrenneraus an, bevor es offiziell verkündet wurde – ganz so, als könne er allein für die EU entscheiden. Doch nach der AfD-Chatgruppen-Affäre ist der CSU-Politiker zum Wackelkandidaten geworden. CDU/CSU bemühen sich um Schadensbegrenzung. CSU-Chef Markus Söder sagte, die Enthüllungen hätten seine Partei „sehr überrascht und auch irritiert und verstört“. Weber habe ihm aber gesagt, er werde dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr stattfinde. „Damit ist die Sache auch zunächst mal aus unserer Sicht abgeschlossen und auch okay“. – Die Betonung liegt auf “zunächst”. Aus Söders bayerischer Sicht ist Weber längst viel zu mächtig geworden… – Mehr zur AfD-Affäre hier
Kallas schon wieder isoliert. Die EU-Außenbeauftragte Kallas hat sich mit Militärplänen für die Straße von Hormus ins Abseits manövriert. Um die Schiffahrt zu sichern, brachte sie eine mögliche Ausweitung des EU-Marine-Einsatzes “Aspides” ins Gespräch, die Handelsschiffe im Roten Meer schützt. Doch der deutsche Außenminister Wadephul und seine Amtskollegen halten davon herzlich wenig. Kallas räumte ein, dass die Zustimmung der EU-Länder nötig sei. “Wenn die Mitgliedstaaten sagen, dass wir in dieser Sache nichts unternehmen, dann ist das natürlich ihre Entscheidung”, sagte Kallas. – Zustimmung bekam Kallas dagegen für neue Iran-Sanktionen. Sie beziehen sich auf die Niederschlagung von Protesten im Iran im Januar, also die Zeit vor dem Angriffskrieg der USA. Sanktionen gegen die Amerikaner sind nicht geplant…
Sanktionen: Baud bekommt Gesellschaft. Die EU hat schon wieder zwei Europäer wegen angeblicher “Informations-Manipulation” sanktioniert. Nach dem Schweizer Jacques Baud, der seit Dezember mit den Folgen einer Konto- und Reisesperre kämpft, wurden diesmal der Brite Graham Phillips und der Franzose Adrien Bocquet auf die Sanktionsliste gesetzt. – Man darf gespannt sein, wie die Briten reagieren – die Franzosen haben die Strafe ja offenbar gebilligt. – Mehr hier (Website der EU)
Das Letzte
Kein Gas aus Russland, never ever. Die Gasspeicher sind leer, wegen des Irankriegs droht auch der EU eine Energiekrise. Dennoch schließt die EU-Kommission eine Rückkehr zu günstigen russischen Gaslieferungen kategorisch aus. Der EU-Beschluss zum endgültigen Ausstieg aus russischer Energie werde nicht mehr angetastet, erklärte Energiekommissar Jörgensen. “It’s extremely important that we stick to this line — we cannot in Europe help indirectly finance Russia’s brutal, illegal war,” sagte er laut “Politico”. – Kremlchef Putin hatte neue Lieferungen angeboten, der belgische Premier De Weber hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Doch die EU-Kommission bewegt sich keinen Millimeter von ihrer dogmatischen Linie. Derweil attackiert die Ukraine offenbar auch noch die TurkStream-Pipeline in die Türkei…
- Von der Leyen kündigt Corona-App 2.0 an – für den “Jugendschutz” - 15. April 2026
- Kallas did it again - 15. April 2026
- Ungarn – eine Wahlk(r)ampf-Kritik - 14. April 2026
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17. März 2026 @ 08:31
Die EVP (oder genauer die CDU/CSU) versucht, den Eindruck zu erwecken, als hätten einige nachgeordnete Mitarbeiter der EVP (ich gendere absichtlich nicht) nach dem gemeinsamen Tennismatch beim Bierchen mit den Mitarbeitern rechter Parteien darüber philosophiert, ob man neben Tennis noch weitere gemeinsame Interessen habe.
Was haben sich diese Mitarbeiter der EVP gedacht? “Wir machen das jetzt mal und hoffen, dass Weber das nicht merkt, weil es sonst Ärger gibt.” Dass Mitarbeiter mal zu viel „Eigeninitiative“ entwickeln, kommt schon vor. Aber nicht, wenn sie davon ausgehen, dass der Chef dagegen ist.