Rutte verhöhnt “die Elite” (und die Europawahl)

Die Niederlande sind einer der wichtigsten Partner Deutschlands, nach dem Brexit könnten sie noch wichtiger werden. Dabei ist das Land seit langem EU- und euroskeptisch. Nun redet Premier Rutte auch noch wie die Rechten.

Es ärgere ihn, wenn sich die “Weißwein-trinkende Elite” in Amsterdam über US-Präsident Trump lustig mache, sagte Rutte laut “Politico” im holländischen Fernsehen:

“In this world, international structures are absolutely necessary, but sometimes it vexes me when I hear the white wine-sipping elite in Amsterdam saying ‘Trump is very wrong,'”

Trump mache zwar viel falsch, doch bei seiner Kritik des Multilateralismus treffe er öfters in Schwarze, so Rutte. In der multilateralen EU laufe es zum Beispiel “nicht so gut”.

Zur Begründung verweist der rechtsliberale Premier dann ausgerechnet auf die Flüchtlingspolitik, in der nur Deutschland und die Niederlande noch zu Entscheidungen fähig seien.

Dass Trump eine Mauer gegen Flüchtlinge bauen will, sagt Rutte nicht. Und dass er selbst die EU- und Euroreform blockiert – mit seiner “Hanseatischen Liga” – sagt er natürlich auch nicht.

 

Stattdessen leistet er sich noch eine Breitseite gegen die Europawahl. Die Abstimmung im Mai sei nicht repräsentativ und daher nicht so wichtig, nationale Wahlen seien viel wichtiger.

Dabei steht seine Regierung selbst auf wackligen Füßen. Ruttes Vier-Parteien-Koalition verfügt im Parlament nur über eine  Stimme Mehrheit – reicht das, um den starken Mann zu markieren?

Oder baut er schon vor – für den Fall, dass seine Regierung bei der Europawahl die Mehrheit verliert? Man munkelt, Rutte wolle nach Brüssel wechseln – als Nachfolger von EU-Ratspräsident Tusk…

Siehe auch “Übernehmen jetzt die Hanseaten das Ruder?” und “Droht Rutte mit Euroaustritt?”