Warum Lockdowns immer weniger wirken

Belgien und Frankreich sind erneut für vier Wochen in den harten gegangen. Deutschland zögert noch – doch ein neuer “Hammer” liegt in der Luft. Dabei zeigen Studien, dass lange Lockdowns wenig bringen.

Die erste Studie ist auf dem renommierten Ökonomen-Blog voxeu.org veröffentlicht worden. Sie zeigt, dass langanhaltende oder spät verhängte Lockdowns keine gute Wirkung erzielen. Denn nach einer gewissen Zeit setzt die “Lockdown Fatigue” ein – die Menschen halten sich nicht mehr an die Maßnahmen. Zitat:

These results suggest that restrictions applied for a long period or reintroduced late in the pandemic (for example, in the event of a resurgence of cases) would exert, at best, a weaker, attenuated effect on the circulation of the virus and the number of casualties. Combined with the results in Haug et al. (2020), they suggest that lockdowns should be strict and brief.

Besser geeignet sind demnach kurze, harte Maßnahmen. Wenn das stimmt, dann hat Deutschland alles falsch gemacht. Schließlich haben wir schon seit Ende Oktober einen “Lockdown light”. Und die Menschen sind mehr als müde – viele sind auch wütend (“mütend”). Neue harte Maßnahmen würden dieses Problem nur noch verschärfen.

Über die zweite Studie berichtet “Focus online”. Die erfahrenen Mediziner Thomas Voshaar und Dieter Köhler und der Aerosol-Experte Gerhard Scheuch erklären darin, warum Lockdowns nicht so wirken wie gedacht und warum wenige, aber konsequente Maßnahmen aus dem Lockdown-Loch helfen.

Die Ursache suchen sie in den so genannten Clustern. Diese seien für die großen Ausbrüche und Wellen verantwortlich; sie gelte es ausfindig zu machen. Eine flächendeckende Lockdown-Politik sei dabei wenig hilfreich. Die Maßnahmen müssten vielmehr lokal organisiert und umgesetzt werden.

Um ihre These zu belegen, verweisen sie auf zwei Bundesstaaten in den USA. South Dakota hatte so gut wie keine Einschränkungen mit offenen Schulen und Restaurants. North Dakota hatte Maskenpflicht und andere Restriktionen.

Die Infektionszahlen im Spätherbst 2020 seien aber nahezu deckungsgleich im Zeitverlauf und in der Häufigkeit, wobei sie in North Dakota sogar noch etwas höher waren. Ähnliche Muster ließen sich auch in Europa beobachten, so die Experten.

Wenn dies stimmt, so wäre die Politik in gut beraten, keinen unbegrenzten Lockdown-Hammer zu verhängen. Wenn die Infektionszahlen weiter steigen, wäre allenfalls eine vierwöchige Pause angeraten – so wie sie jetzt Frankreich angekündigt hat.