Nawalny: Eine fragwürdige Antwort und zwei neue Fragen

Deutschland und vier weitere europäische Länder bezichtigen Russland, den Kreml-Kritiker Nawalny vor zwei Jahren mit einem Nervengift getötet zu haben. Beweise bleiben sie schuldig – und für Deutschland stellen sich zwei neue Fragen.

“Für das Vereinigte Königreich, Schweden, Frankreich, Deutschland und die Niederlande steht fest, dass Alexej Nawalny mit einem tödlichen Toxin vergiftet wurde”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf Staaten.

Bei dem Toxin soll es sich um das Gift Epibatidin nachgewiesen, das in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen zu finden sei. In Russland kommt es nicht vor.

Wie das Gift in Nawalnys abgelegenes Lager in Sibirien gelangt sein soll, ist unklar. Beweise legten die fünf Staaten nicht vor. Wie sie an die analysierten “Proben Alexej Nawalnys” gekommen sein wollen, ist auch offen.

Ergebnisse “pünktlich” zur MSC

“Niemand außer Putins Schergen wird sagen können, wie der 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist”, sagte Außenminister Wadephul am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die russischen Behörden hätten jedoch die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel gehabt, Nawalny das Gift zu verabreichen, so Wadephul. Woher weiß er, daß Russland über Froschgift aus Südamerika verfügt?

Unklar blieb auch, warum die Analyse so lange gedauert hat – und warum sie ausgerechnet zur MSC 2026 fertig wurde. Wadephul sprach von einem komplizierten Verfahren und langwierigen Abstimmungen.

Keine Ergebnisse zu Nordstream

Das wirft unweigerlich die Frage auf, warum dieses “komplizierte” Verfahren schneller abgeschlossen werden konnte also die Untersuchung zum Attentat auf die Nordstream-Gaspipeline. Da warten wir immer noch auf Ergebnisse!

Sind deutsche und europäische Behörden etwa schneller in der Lage, einen Todesfall in einem Straflager in Sibirien aufzuklären, als ein Bombenattentat vor ihrer eigenen Haustür? Oder besteht in letzterem Fall einfach kein Interesse?

Speziell für Deutschland stellt sich eine weitere, pikante Frage: Was weiß man in Berlin über die Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch, die offenbar noch kurz Tod Nawalnys mit Moskau liefen?

Es ging damals um die Freilassung des “Tiergarten-Mörder” Krasikow, die später tatsächlich erfolgte. Die genauen Umstände – und die Gründe für die Verzögerung – wurden nie aufgeklärt…

Siehe auch Neues – und Suspektes – zum Tod von Nawalny