Merz schadet der EU, Trump hat sich verzockt – und Veggi-Burger-Streit 2.0
Die Watchlist EUropa vom 05. März 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zum Streit zwischen Deutschland, Spanien und den USA, zum amerikanischen Krieg gegen Iran und zu einem bizarren Kulturkampf im Europaparlament.
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Der Besuch von Kanzler Merz bei US-Präsident Trump hat ein Nachspiel. Weil Trump bei dem Treffen wilde Drohungen gegen Spanien ausgestoßen hat und Merz nicht öffentlich widersprach, entstand der Eindruck, daß sich die EU spalten lassen würde.
Um das zu verhindern, haben sich EU-Ratspräsident Costa, die EU-Kommission und Frankreichs Staatschef Macron mit Spanien solidarisch erklärt. Zugleich äußerten viele EU-Politiker ihr Unverständnis über Merz.
Der CDU-Chef hatte nicht nur Trumps Drohung mit Handelssanktionen unbeantwortet gelassen, sondern selbst auch noch einen höheren Nato-Beitrag von Spanien verlangt und Premier Sanchez unter Druck gesetzt.
Streit um Nato-Beitrag und Aufrüstung
Die EU sprang Sanchez nun beim Handel zur Seite – denn das ist eine ausschließliche EU-Kompetenz. Der Streit dreht sich aber nicht nur um Zölle, sondern auch um den Nato-Beitrag – und da ist Merz ein Teil des Problems.
Nach seiner Wahl 2025 hatte der Kanzler das von Trump willkürlich vorgegebene neue Nato-Ziel von 5 Prozent des BIP geschluckt, um den US-Präsidenten für sich zu gewinnen und die “Führung” in EUropa zu übernehmen.
Doch sein Kalkül, Trump werde im Gegenzug seine Ukraine-Politik ändern und der EU keine hohen Zölle aufbrummen, ging nicht auf. Der US-Präsident lobte Deutschland, zog seine antieuropäische Politik aber knallhart durch.
Der hohe Preis deutscher Vasallentreue
Den Schaden hat die gesamte EU – nicht nur beim Handel, sondern auch bei der Aufrüstung. Die meisten EU-Länder wissen nicht, wie sie das neue, surreale 5-Prozent-Ziel erreichen und zugleich, wie von Brüssel gefordert, sparen sollen.
Viele Länder müssen nun bei den Sozialleistungen kürzen und sich auch noch deutsche Ermahnungen anhören, daß sie mehr für die Rüstung tun sollen. Zuletzt hat sich Außenminister Wadephul sogar erdreistet, Frankreich zu rügen.
Diese Politik schadet der EU – ganz unabhängig vom aktuellen Streit um Spanien. Merz hat viele Partner durch seine Vasallentreue zu Trump in ein Dilemma gestürzt – und merkt nicht einmal, welchen Schaden er anrichtet……
Siehe auch “Merz kann Trump” – in Brüssel und Madrid sieht man das anders
News & Updates
Trump hat sich verzockt. Der US-Präsident hat sich mit seinem Angriff auf Iran in eine unhaltbare Lage gebracht. Erst kam heraus, daß er den Krieg nicht begründen und auch keine Kriegsziele definieren kann. Dann löste der Konflikt eine neue Öl- und Gaskrise aus, die auch die USA trifft. Nun gehen ihm auch noch die Waffen aus: Weil die Bestände bedrohlich schwinden, hat Trump am Freitag eine Krisensitzung mit den großen US-Rüstungskonzernen einberufen. – Selbst wenn Trump nun Druck macht, wird sich die Waffenproduktion nicht schnell genug ankurbeln lassen. Der Angriffskrieg gegen Iran ist zudem eine Gefahr für die Ukraine, wo man bereits jetzt militärische Engpässe fürchtet…
Putin denkt über Stopp der Gaslieferungen nach. Angesichts des geplanten EU-Embargos gegen russisches Gas denkt Kremlchef Putin darüber nach, die Lieferungen selbst zu stoppen. „Jetzt öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen“, sagte Putin in einem Interview des Staatsfernsehens. Demnach erwägt der Präsident dem Inkrafttreten der EU-Sanktionen zuvorzukommen. – Ein solcher Schritt dürfte die wegen des Iran-Kriegs ohnehin angespannte Lage auf dem europäischen Gasmarkt weiter verschärfen und die Energiepreise noch mehr in die Höhe treiben.
Brüssel will “Made in EUrope” fördern. Die EU-Kommission will klimaverträgliche und strategisch wichtige Industrien und Produkte mit einer neuartigen „Made in Europe“-Quote fördern. Die europäische Präferenz soll bei öffentlichen Beschaffungen, etwa für Bauaufträge oder die Förderung von Elektroautos, zur Anwendung kommen. – Der Entwurf war immer wieder verschoben worden, weil Deutschland, aber auch andere Länder wie die USA Vorbehalte hatten. Im Ergebnis wurde “Made in Europe” verwässert, es bleibt nur noch “Made with Europe” – Mein Kommentar in der “taz”
Das Letzte
Veggie-Burger-Streit 2.0. Die EU hat seltsame Probleme. Während EUropa in den Iran-Krieg gezogen zu werden droht und eine neue Gaskrise anrollt, treffen sich EU-Kommission, Parlament und Rat am Donnerstag zum sog. Trilog, um über die Bezeichnung Veggie-Burger und ähnliche Euphemismen zu richten. Die Verhandlungen betreffen eigentlich neue EU-Regeln, die mehr Fairness in landwirtschaftlichen Verträgen schaffen und die Verhandlungsposition der Landwirte stärken sollen. Doch die Konservativen nutzen sie für einen Kulturkampf, um ein Verbot von “irreführenden” Kennzeichnungen für fleischlose Produkte durchzusetzen…
- Ist die Ukraine jetzt ein deutsches Protektorat? - 15. April 2026
- Von der Leyen kündigt Corona-App 2.0 an – für den “Jugendschutz” - 15. April 2026
- Kallas did it again - 15. April 2026
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5. März 2026 @ 09:55
Der Westen ist weiter auf dem Weg der Selbstzerstörung. Statt sich von den USA zu lösen, schwimmen wir weiter in deren Kielwasser und vernichten uns selbst. China ist nicht unser Feind, wir sind es selbst, indem wir weiter den falschen Göttern folgen, sowohl physisch als auch ideologisch.
Alles hängt mit allem zusammen. Steve Keen erklärt das treffsicher und braucht dafür ganze 12 Minuten:
https://youtu.be/v5LeZipKp78
5. März 2026 @ 09:12
Sollte Putin den Gashahn tatsächlich zudrehen, wird das Geheule darüber garantiert riesengroß sein. Die Guten haben dann längst vergessen, dass die EU selbst Beschlüsse gefasst hat, kein Gas und Öl aus Russland ab 2027 mehr abzunehmen. Ich wundere mich, dass in dieser Sache Putin nicht schon längst Nägel mit Köpfen macht und damit den Wunsch von vdL, Merz und Co erfüllt.
5. März 2026 @ 08:14
Wie “gut unterrichtete Kreise” berichten, ist der Lange Fritz hinter den Kulissen(!!) mit “Mister Grab’em” Schlitten gefahren, aber so was von! Kein Wunder dass der Clown ganz schön lädiert ist (Fleck am Hals, an der Hand …)
Der Lange Fritz ist mal wieder dort wo er sich am wohlsten fühlt: Mitten im Bild, breit grinsend und zwischen allen Stühlen. Sanchez hat recht: “Unter Merkel und Scholz hätte es das nicht gegeben!” (Lieber Gott gib’ uns den Scholz, den Habeck und die Baerbock wieder!) (Ironie off)
5. März 2026 @ 07:55
Der Schließmuskel von Donald I. kann gar nicht so fest sein, als dass Friedrich, der (zumindest körperlich) Große, sich nicht durch ihn quetschen würde: Jeden Morgen werden die Hirnfürze des amerikanischen Präsidenten sorgfältig olfaktorisch analysiert und die eigenen geistigen Ausdünstungen entsprechend angepasst.
Fast noch schlimmer ist die Anpassungsfähigkeit der meisten deutschen Medien, die die jeweils neue Duftnote als „harmonisch ausgewogen“ bewerten.
LostInEU ist einer der wenigen Orte, an denen noch die Wertung „es stinkt“ zu lesen ist.
5. März 2026 @ 09:11
Vielleicht ist das dem Zeitgeist geschuldet.
Wir brauchen die Demokratie nicht mehr. Wir haben sachverständige Politiker und Journalisten, die alles einordnen und Widersprüche und Ungereimtheiten ins Lot erzählen. Den Rest erledigt die glattgebügelte KI für uns. Wir leben im Paradies des betreuten Denkens, wo alles Dialektische und Kontroverse überwunden ist. Die Rede hat die Gegenrede absorbiert. Der inspirierende Streit um Argumente ist dem platten Streit um Macht gewichen. Eine Weltanschauung genügt. Der Verlust des pluralistischen Spekrums wird durch Diversität und Inklusion kompensiert. Der gute Bürger muss nur noch konsumieren, fit bleiben, «seine Feinde» hassen und den Krieg wollen. Ruhe in Frieden, Demokratie.