Merkel vs. Sarkozy oder: Wer rettet die Banken? (Update)

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Nun wackelt auch das französische Bankenviertel in La Defense

Die Euro-Schuldenkrise wächst sich zu einer neuen Bankenkrise aus. Im Mittelpunkt stehen heute die französischen Großbanken Crédit Agricole und Société Générale, nachdem die US-Ratingagentur Moody‘s deren Bonität herabgestuft hat. Doch schon bald könnte die Krise auch die Deutsche Bank und andere Häuser erfassen. Frankreichs Präsident Sarkozy wollte Kanzlerin Merkel deshalb schon gestern auf Gegenmaßnahmen einschwören. Doch die winkte ab.

Die große Frage lautet nun: Wer rettet die Banken, wenn die Panik von Frankreich auf Deutschland und andere Euroländer übergreift? In der Finanzkrise 2008 gab es auf diese Frage keine europäische Antwort, schon damals lehnte Merkel ein gemeinsames Vorgehen ab und zog den nationalen Alleingang vor. Doch diesmal kann die Kanzlerin sich nicht so leicht davonstehlen – denn die französischen Institute leiden unter der verfehlten deutschen Griechenland-Politik.

Ausgelöst wurde die spekulative Welle gegen französische Banken nämlich durch die deutsche Forderung, private Gläubiger an der „Rettung“ Griechenlands zu beteiligen. Weil die Märkte glauben, dass die Pariser Institute besonders viele griechische Anleihen halten, ziehen sie seitdem massiv Geld ab. Vor allem in den USA hat die Spekulation gegen französische Banken enorme Ausmaße erreicht; selbst das “Wall Street Journal” beteiligt sich mit – offensichtlich halbgaren – Geschichten an der Panikmache (was wieder mal die französische Theorie eines US-Komplotts nähren dürfte).

Um die Spekulation zu stoppen, wollte Sarkozy schon gestern eine deutsch-französische Erklärung herausgeben, doch Merkel sagte Nein (Details dazu auf A. Leparmentiers Blog in  “Le Monde”). Lange wird sie ihr Nein aber nicht halten können, denn auch deutsche Bankaktien sind seit Tagen im Keller – und der Druck aus Paris wird angesichts der neuen Eskalation sicher nicht nachlassen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Sarkozy schon jetzt schäumt…

Das Dumme ist, dass die EU auch diese neue Krise verschlafen hat, und dass es keine guten Handlungsoptionen gibt. EU-Kommissionspräsident Barroso ging auf die Bankenkrise bei seiner Rede im Europaparlament heute morgen gar nicht erst ein – er kündigte lediglich die längst überfälligen Vorschläge zum Thema Eurobonds an (allerdings ohne konkretes Datum). Merkel drückt sich auch; sie will heute erstmal mit Sarkozy und Griechenlands Regierungschef Papandreou über die Schuldenkrise reden. 

Auf der Website von „Le Monde“ wird derweil schon über mögliche Gegenmaßnahmen nachgedacht. Mehr Transparenz bei den Banken, Rekapitalisierung, Nationalisierung – die französischen Journalisten spielen alles durch und kommen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass es kein Patentrezept gibt.

Erst wenn der Brandherd in Griechenland gelöscht ist, könnte sich die Lage entspannen. Und erst wenn die neuen Regeln für den Euro-Fonds EFSF gelten, die auch Hilfen an Banken vorsehen, kann es eine europaweit koordinierte Stützungs-Aktion geben.

Dummerweise hat es Merkel mit beiden Themen nicht sehr eilig…

Nachtrag 15.9.11

Nach einem Bericht der FTD bereitet sich Berlin doch schon auf eine umfassende Bankenrettung vor. Allerdings denkt die Bundesregierung vor allem an ihre eigenen und an die griechischen Banken – und nicht an Frankreich… Derweil meldet die Sueddeutsche, dass zwei Banken sich Dollars bei der EZB besorgen müssen, weil sie sich selbst schwertun, noch an US-Devisen zu kommen…

 

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