Macron I. und Merkel IV. müssen liefern

Selten haben wir so viele feierliche Bekenntnisse zur deutsch-französischen Freundschaft gehört. Nachdem Kanzlerin die Franzosen jahrelang ignoriert hat, sonnt sie sich nun im Glanze von I.

Kein Wunder – schließlich haben die Sozialdemokraten ihr aufgegeben, Frankreich zu pflegen. Außerdem war der 55. Jahrestag des Elysée-Vertrags (am Montag), das ist ein Pflichttermin für Merkel IV.

Doch während Experten und Journalisten die deutsch-französische Freundschaft feiern, läuft die “Achse” in Brüssel gar nicht rund. Gleich zwei Ministerräte haben dies ‘mal wieder gezeigt.

Bei den Außenministern konnten sich Berlin und Paris nicht darauf einigen, wie man auf den US-Alleingang in Jerusalem reagieren soll. Frankreich fordert eine neue Partnerschaft mit den Palästinensern.

Deutschland steht auf der Bremse – wie immer, wenn es um Israel geht. Ergebnis: Palästinenserpräsident , der eigens nach Brüssel gereist war, musste mit leeren Händen wieder abreisen.

Auch in der Eurogruppe ist nicht alles eitel Sonnenschein. Merkels Mann für alles, Altmaier, bremst schon seit Wochen bei der 2012 (!) beschlossenen Bankenunion – Stichwort Einlagensicherung.

Und natürlich hält er nichts von Macrons Vorschlägen zum Euro-Budget samt Finanzminister. Auch bei der Griechenland-Hilfe passt Altmaier auf, dass es ja nicht zu schnell voran geht.

All das kennen wir schon von Schäuble. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass Macron und seine Minister immer noch gute Mine zum deutschen Spiel machen. Sehen sie nicht, worauf es hinausläuft?

Mais bon, il faut laisser le temps au temps, wie Mitterrand zu sagen pflegte: Warten wir es ab! Im März soll es gemeinsame Vorschläge zur Euro-Reform geben, später einen neuen .

Dann wird man ja sehen, ob (und was) Macron I. und Merkel IV. liefern. Wer nachlesen möchte, was derzeit so alles versprochen wird, findet es hier (deutsch) und hier (franz.)

WAS FEHLT? Davos. Im Schweizer Nobel-Ressort trifft sich mal wieder die Weltelite, auch hier wollen Merkel und Macron den Schulterschluss üben. “Show of unity” heißt das wohl. Wenn sie dafür sorgen würden, dass die horrenden Manager-Gehälter einen Deckel bekommen, wäre das schon mal was – denn die Schere bei den Einkommen geht immer mehr auseinander