KI-Blase und Irankrieg: “Finance Watch” warnt vor neuer Finanzkrise
Die KI-Blase, aber auch Schattenbanken à la Blackrock, der Irankrieg und die Klimakrise könnten erneut zu einem Crash führen, sagt “Finance Watch”-Chefin Buscke. Die EU ist wieder einmal schlecht vorbereitet. Ein Interview.
Frau Buscke, vor 15 Jahren wurde Finance Watch als Antwort auf die globale Finanzkrise gegründet. Heute häufen sich Warnungen vor einem neuen Crash. Geht es wieder los?
Isabelle Buscke: Wir können es nicht ausschließen. Rein statistisch gesehen ist bald wieder eine Krise fällig. Und wenn man in die Märkte schaut, dann gibt es mehrere Aspekte, die uns Bauchschmerzen bereiten. Und es gibt Risiken, die werden systematisch von den Banken ignoriert.
Woran denken Sie?
Nun, vor allem droht ein massiver Wertverlust durch die Energie- und Klimakrise. Viele Banken finanzieren weiterhin fossile Energieprojekte. Wenn wir uns radikal auf den Weg des Pariser Abkommens zur Klimaneutralität bis 2050 begeben, werden diese Investitionen irgendwann den Wert null haben. Sie werden wie von einem Tornado weggefegt. Und das ist natürlich ein großes Problem für die Bankbilanzen und kann zum systemischen Problem werden.
Wie sieht es mit der KI-Blase aus, vor der viele warnen?
Es kann durchaus sein, dass wir einen Blaseneffekt haben. Denken Sie an die Kursgewinne an den Börsen der letzten Jahre. Die werden durch KI-Werte oder Technologiewerte in den USA getrieben. Diese Bewertungen entstehen an den Börsen. Aber ein großer Teil der Hebelung und des Risikos rund um diesen Boom liegt im Schattenbankensystem.
Ein sehr großes Fragezeichen
Schattenbanken oder Nichtbanken nennt man etwa Hedgefonds oder Vermögensverwalter wie Blackrock, die bankähnlich arbeiten, aber nicht den strengen gesetzlichen Regulierungen klassischer Geschäftsbanken unterliegen.
Gleichzeitig steht diese Börseneuphorie einer schwachen realwirtschaftlichen Entwicklung gegenüber. Entscheidend ist, ob Anleger weiter daran glauben, dass die erwarteten Gewinne und Produktivitätsfortschritte durch KI die heutigen Bewertungen rechtfertigen. Wenn dieses Vertrauen kippt, könnten die Märkte stark korrigieren und Investitionen müssten teilweise abgeschrieben werden. Ob solche Verluste dann einfach aufgefangen werden können, das ist für uns schon ein sehr großes Fragezeichen – vor allem im Nichtbankensystem, wo Risiken schwerer zu erkennen sind und viel weniger Puffer bestehen als im regulierten Bankensystem.
Wie sieht es mit den geopolitischen Risiken aus?
Die Geopolitik nimmt an Bedeutung zu. Wir haben das Zeitalter einer stabilen internationalen Handelsordnung hinter uns gelassen. Und die Märkte leben von Vertrauen, insbesondere die Finanzmärkte. Da ist es schon ein Problem, wenn man Wertschöpfungsketten unterbricht wie im Irankrieg und mit der Blockade der Straße von Hormus. Dies gilt insbesondere für die Energiewertschöpfungskette.
Was meinen Sie damit?
Staaten und Unternehmen werden durch die Krise bei den fossilen Energien und Konflikte wie in Iran gezwungen, schnell auf neue Energieträger umzuschalten. Wir würden das als eine ungeordnete Transition bezeichnen – im Gegensatz zu einer planvollen Wirtschaftstransition zu einer nachhaltigen Wirtschaft.
Es gibt weiter Regulierungs-Lücken
Ist die EU auf eine ungeordnete Transition vorbereitet, hat sie die Lektionen aus der Finanzkrise gelernt?
Teilweise. Die Regulierung der Banken ist deutlich besser geworden. Die Möglichkeit, Verluste aus dem Kreditgeschäft zu absorbieren und sich aus eigenen Mitteln zu stabilisieren, ist deutlich besser als früher. Aber es gibt weiterhin Lücken. Die Frage nach der Abwicklung, insbesondere bei Bankengruppen oder Banken, die über einen Mitgliedsstaat hinaus operieren, ist noch nicht befriedigend gelöst. Und all das, was über den Bankensektor hinausgeht, ist weiterhin viel weniger transparent und deutlich schwächer reguliert. Die internationalen Bemühungen, ein internationales Regelwerk für Nichtbanken zu vereinbaren, sind schon 2014 gescheitert und seitdem hat man das nicht mehr angepackt.
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P.S. Nun warnt auch das EU-Frühwarnsystem zum Aufspüren von Risiken für das Finanzsystem vor einem möglichen Crash. “Eskalierende Konflikte im Nahen Osten oder eine Verschlechterung der globalen Risikostimmung könnten heftige und ungeordnete Marktkorrekturen auslösen”, heißt es iim Jahresbericht 2025 des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB). Gemeint ist vor allem der Irankrieg – den die EUropäer direkt und indirekt unterstützen, und für den die Bürger schon jetzt die Zeche an der Tankstelle zahlen…

10. Juli 2026 @ 08:39
Die Aktienmärkte sind tatsächlich trotz vieler Krisen erstaunlich stabil unterwegs. Woran liegt das? Es gibt dafür zwei mögliche Gründe:
1) Die Anlagevermögen werden heute größtenteils von wenigen Big Playern wie Blackrock verwaltet. Entsprechend groß ist ihre Marktmacht. Sie haben ein Interesse an stabilen Börsen. Wenn sie nicht verkaufen, ändert sich wenig an den Börsenkursen. Und sie haben genug Kapital, um bei Kursstürzen korrigierend einzugreifen. Zudem sind diese Vermögensverwalter strategisch geschickt in Großkonzernen investiert und können ihr Wissen nutzen, um die Profitmaximierung sicherzustellen.
2) China ist an einem stabilen Welthandel interessiert. China kann schnell auf disruptive Ereignisse reagieren und moderierend einwirken. Der Stabilitätsfaktor China darf nicht unterschätzt werden. Die Regierung agiert strategisch äusserst geschickt, vor allem bei geopolitischen Konflikten.
Letztlich ist auch die Verschuldung im Westen inzwischen so hoch, dass alle Akteure ein Interesse haben, das Finanzsystem stabil zu halten. Wenn dieses ins Wanken geraten würde, würde alles ausser Kontrolle geraten. Es würde die Anarchie ausbrechen.
10. Juli 2026 @ 08:38
Diese Einschätzung scheint mir realistisch zu sein.
Vor diesem Hintergrund ist es besonders fatal, dass nun versucht wird, das deutsche Rentensystem durch eine Investition in Aktien zu “reformieren”. Dadurch wird noch mehr Geld in die Blase gepumpt (siehe auch https://redfirefrog.wordpress.com/2026/06/26/mythen-in-tuten-aktien-boom/ )
10. Juli 2026 @ 12:03
@Thomas, @all
Tzja, deshalb heißt das bei mir auch die “Dein-Risiko-Rente”.
Ich hab’s schon 100x erzählt, jetzt zum 101x, damals in Kentucky, Sommer 2001, also in halbwegs ruhigen Zeiten: “Bob (Verkaufsleiter), wie alt bist Du jetzt?” “Gerade 69 geworden.” “Wann hörst du auf?” “Ende des Jahres!” Ein Jahr später, im August: “Bob, du bis ja immer noch hier, dachte du wolltest in den Ruhestand gehen?” “Ja weißt du, mein Pensionsfonds hat Miese gemacht, mir fehlen 200.000 USD!”
Rente durch staatliche Vorsorge = Umlageverfahren: Kosten <2%, keine Gewinn- und Markteingpflicht, kein Risiko (sollte ein soches je eintreten, sind die anderen Risiken schon längst im vollen Gang)
Rente privat = Umlageverfahren mit Zeithorizont – den niemand kennt – und privatem Risiko: Kosten >10%, Gewinn- und Marketingpflicht, eigenes Risiko (schlag nach bei Hyman Minsky https://en.wikipedia.org/wiki/Hyman_Minsky#Minsky's_financial_instability-hypothesis) Lankonisch: Stabilität erzeugt Instabilität!
“Noch Fragen Kienzle?”
10. Juli 2026 @ 22:40
Wer braucht die Kassandras Finance Watch? Wer braucht Investmentbanken?
@Thomas Dammrau
Merzens 30 Mrd. für die Wirtschaft durch Aktienrente ist ein Nullsummenspiel .
Je 1 % von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommt also aus der (Real)-Wirtschaft und geht in die (Finanz)-Wirtschaft.
Und entzieht mindestens den Arbeitern Kaufkraft und den Unternehmen Konsum.
Wer wird da investieren?