Kapitale Fehler

Die Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) reißt nicht ab. Nun hat sich auch noch die taumelnde Deutsche Bank in den Chor der Kritiker eingereiht. Das passt ja – wie die Faust aufs Auge.


[dropcap]W[/dropcap]er im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Für den DB-Chefvolkswirt ist das wohl ein Fremdwort. Er kritisiert die “aggressive, unkonventionelle und völlig unerprobte Geldpolitik der EZB”.

Angeblich soll sie an den Problemen der Bankenbranche im Allgemeinen und der Deutschen Bank im Besonderen Schuld sein. Wegen der Niedrigzinsen hätten die EU-Staaten Reformen verschleppt.

Ganz ähnlich klingt es auch bei M. Weik und M. Friedrich. In ihrem neuen Bestseller “Kapitalfehler” rechnen sie mit EZB-Chef Draghi ab. Das “irrsinnige Aufkaufprogramm der EZB” müsse sofort gestoppt werden.

Dabei hat nur dieses Programm die europäische Wirtschaft vor Deflation und Depression gerettet. Die Staaten hingegen haben die Krise mit ihrer “irrsinnigen” Austeritätspolitik verlängert und verschärft.

Kapitale Fehler hat vor allem Kanzlerin Merkel gemacht, indem sie ganz Euroland Schuldenbremsen und “Sparen” verordnet hat – und gleichzeitig Milliarden in die Stützung deutscher Banken steckte.

Dafür kann Draghi nichts. Er kann auch nichts dafür, dass Merkel die Krise so weit eskalieren ließ, dass er mit seinem berühmten “Whatever it takes” gegensteuern musste, um den Crash zu verhindern.

Nun wissen wir, was das “whatever” bedeutet – die Politik des billigen Geldes. Sie ist kein Kapitalfehler, sondern ein notwendiges Übel. Was man von der “Deutschen” nicht gerade behaupten kann…

 

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