Gescheitert!? (II)

Noch vor zehn Jahren galt die EU als Erfolgs-Modell für die ganze Welt. Nun ist sie zum Krisenfall geworden. Wie konnte das passieren? Und ist EUropa schon gescheitert? Teil 2 einer dreiteiligen Serie.


[dropcap]D[/dropcap]er Eingang zur EU-Kommission wird streng bewacht, die Kommissare tagen abgeschirmt von der Öffentlichkeit auf eigens für sie reservierten Etagen.

Gemeinsam essen und trinken geht man schon lange nicht mehr, auch die Kamingespräche sind abgesagt. Sie kosten zu viel Zeit; heute geht es darum, als Erster vor die Presse zu treten.

Bundeskanzlerin Merkel macht da keine Ausnahme. Bei einem EU-Gipfel auf dem Höhepunkt der Eurokrise hatten Italien und Frankreich einmal – ein einziges Mal – schneller ihre Sicht der Dinge verbreitet als die deutsche Kanzlerin.

Seitdem tritt Merkel spät in der Nacht oder früh am Morgen vor die Presse, um stets die Erste zu sein – und sich als Siegerin zu präsentieren.

Die anderen machen es genauso. Es geht nicht mehr darum, ob Europa vorankommt, sondern darum, dass das eigene Land gewinnt. „Renationalisierung“ nennen das die Diplomaten, die in Brüssel arbeiten.

Mit der Eurokrise hat es begonnen, seit der Flüchtlingskrise haben sich regelrechte Gräben aufgetan. Plötzlich spricht man von Nord und Süd, Willigen und Unwilligen, Sündern und Oberlehrern.

Der Gemeinschaftsgedanke ist dabei verloren gegangen. Nicht nur die Politiker, auch die Diplomaten und Journalisten haben sich in ihre nationalen Zirkel zurückgezogen.

Zwar gibt es immer noch ein paar Kneipen, vorwiegend irische Pubs nahe des Rond-Point Schuman, in denen man sich trifft. Einmal im Jahr gibt es sogar eine Comedy-Show, bei der Journalisten die Kommission aufs Korn nehmen.

Doch im Alltag geht jeder seine eigenen Wege. Was sollen britische Diplomaten, die gegen den drohenden „Brexit“ (EU-Austritt) kämpfen, auch noch mit den Griechen gemeinsam haben, die von Schulden- und Flüchtlingskrise überwältigt werden?

Was haben sich Polen, die partout keine Migranten aufnehmen wollen, und  Deutsche, die für Solidarität werben, noch zu sagen?

Fortsetzung folgt. Der gesamte Text ist als E-Book erschienen und kann hier heruntergeladen werden (0,99 Euro)

 
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