“Frontstaaten” rüsten weiter auf – und wollen mehr Geld
Rund um den Ukraine-Krieg hat sich nicht nur eine “Koalition der Willigen” formiert, die eine “Friedenstruppe” entsenden will. Nun regen sich auch noch die Staaten an der “Östlichen Flanke” – und fordern mehr Geld.
Zu der Gruppe gehören neben Finnland auch Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien. Sie haben ihren ersten “Eastern Flank Summit” abgehalten.
Um zur “Stärkung der Sicherheit” beizutragen, fordern sie mehr EU-Mittel. Dies sagte der finnische Ministerpräsident Orpo. Damit wollen sie dann die weitere Aufrüstung finanzieren.
Der Vorstoß von der “Ostfront” ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Das beginnt schon mit der Definition. Die meisten Mitglieder sind weit von der “Front” in der Ukraine entfernt.
Länder wie Schweden haben nicht einmal eine nennenswerte Grenze zu Russland. Finnland hat zwar eine sehr lange Grenze, wird aber seit dem Nato-Beitritt von der US-Militärallianz abgesichert.
Polen verfügt bisher über die größte konventionelle Armee, in Rumänien baut die Nato ihre größte Basis. Und die Balten werden neuerdings sogar von Deutschland abgesichert.
Zudem fließt das meiste EU-Geld aus dem neuen Rüstungsfonds SAFE nach Osteuropa. Es geht um insgesamt 150 Mrd. Euro. Das sollte reichen – in den ersten vier Kriegsjahren gab es gar nichts!
Deutschland und Frankreich stehen der Initiative der Ost- und Nordländer denn auch skeptisch gegenüber. Sie pflegt ein Freund-Feind-Denken, das nicht recht zu den jüngsten Berliner Friedensplänen passt!
Und ein letzter Gedanke: Wenn die Westeuropäer nach dem 2. Weltkrieg nicht ihr “Frontstaaten”-Denken gegenüber (Nazi-)Deutschland überwunden hätten, hätte es die EU nie gegeben…
Mehr zur Ukraine und zum Krieg hier

pittiplatsch
17. Dezember 2025 @ 18:14
Nur wenige Schritte trennen uns vom Abrund. Und die müssen wir als GUTE EUROPÄER halt gehen…
Lucki
17. Dezember 2025 @ 17:56
Dank der zentraleuropäischen Kriegslüsternheit haben Schweden, Finnland und Lettland das Verständnis ihrer Extended Economic Zones neu definiert,
haben zu Voldemort also Grenzen – und müssen diese natürlich schützen!!
european
17. Dezember 2025 @ 11:23
Es war zu erwarten. Belgien wusste das, aber Bruessel meint ja, dass man sich die Welt zurechtwuenschen kann. Die Auswirkungen auf den Finanzmarkt an sich und das Vertrauen in die Sicherheit europaeischer Finanzinstitute kann man sich ausrechnen.
Fitch hat angekuendigt, Euroclear’s rating von AA herunterzustufen. Auf ihrer Website erklaeren sie auch warum.
“The RWN reflects Fitch’s view of potentially increased liquidity and legal risks for Euroclear Bank and EH (jointly Euroclear) from the European Commission’s (EC) plans to use the immobilised assets of the Central Bank of Russia (CBR) for a reparations loan to Ukraine as well as from the decision to use emergency powers under Article 122 of the Treaty on Functioning of the European Union on 12 December 2025.”
https://www.fitchratings.com/research/banks/fitch-places-euroclear-bank-on-rating-watch-negative-16-12-2025
Persoenlich habe ich nie verstanden, warum EUropa keine funktionstuechtige Ratingagentur hat. Wir haben ja eine, aber bisher kann man sich nur fragen, was SCOPE eigentlich so macht. Aber selbst hier wuerde eine eigene Ratingagentur nicht mehr helfen koennen. Es braucht Jahre, um Vertrauen aufzubauen und Sekunden um es zu zerstoeren.
Karl
17. Dezember 2025 @ 09:58
Die Frage besteht darin, ob in Europa wieder alle gegeneinander stehen (und sich dann auch zusätzlich von den USA gegeneinander ausspielen lassen)? = Ein Europa der Aufrüstung und der Kriege.
Oder ob am Gründungsgedanken (zunächst der EWG) von Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit festgehalten wird. Das geht in Europa nur OHNE die USA.
Die 1957 gegründete EWG war ein Kind des französischen Präsidenten de Gaulles (aus der er England bewusst heraushielt). Die EWG war ein Bündnis außerhalb der NATO. Aus ihr “desintegrierte” sich Frankreich zu jener Zeit und erlaubt den USA bis heute keine Truppenstationierung auf seinem Boden.
Heute ist festzuhalten, dass sowohl die strategische Autonomie Europas tot ist als auch der Gaullismus in Frankreich. An ihre Stelle traten die Rechtsnationalisten unter Führung der USA.
Zum Weiterlesen: “Wie de Gaulle lernte, Adenauer zu lieben” / Von Pierre Béhar, 2004 – https://monde-diplomatique.de/artikel/!765516
Monika
17. Dezember 2025 @ 10:42
…aus der er England bewusst heraushielt.
und genau aus den Gründen die Sie darlegen, wird Britannien jetzt weiterhin zur EU „gerechnet“, als ob es einen Brexit nie gegeben hätte.
Man glaubt in der EU wohl, es sei für die zu erwartenden militärischen „Sonderaktionen“ nützlich, sie „an Bord“ zu haben.
Ich persönlich glaube der Geschichte entnehmen zu können, dass sich die Briten auf den letzten Drücker immer dort positionieren, wo der „Sieg“ zu erwarten ist, egal was von ihnen vorher angezettelt wurde.
KK
17. Dezember 2025 @ 12:22
Die Briten erwarten sicher auch, vom sinkenden Vertrauen in den Finanzplatz EU profitieren zu können, indem noch mehr internationale Kröten nach London wandern… warum sonst würden sie den Vorschlag sonst so pushen, obwohl es sie eigentlich gar nichts angeht?
Kleopatra
17. Dezember 2025 @ 12:24
De Gaulle war erst ab 1958 Ministerpräsident, ab 1959 Präsident der Republik (und da waren die Römischen Verträge längst unterschrieben). Vorher hatte er seit 1946 – als er sich mit linken Politikern überworfen hatte und als Regierungschef zurückgetreten war – privatisiert und sich aus der Politik herausgehalten. Das bedeutet, dass er während der ganzen Phase, in der die Vorstufen der EU ausverhandelt und beschlossen wurden, in der französischen Politik nicht aktiv beteiligt war und ihm daher kein entscheidender Anteil an der EWG etc. zugeschrieben werden kann. Dieser Umstand wird in der Erinnerung möglicherweise dadurch überschattet, dass De Gaulle während des gesamten ersten Jahrzehnts der EWG französischer Präsident war. Aber als Urheber werden daher eher Robert Schuman, Jean Monnet usw. gehandelt.
ebo
17. Dezember 2025 @ 12:47
Es ging um die deutsch-französische Aussöhnung. Die haben De Gaulle und Adenauer 1962 in Reims besiegelt. In der Kathedrale wird noch heute daran erinnert. Ohne deutsch-französische Aussöhnung keine EU – die Römischen Verträge reichten nicht
Kleopatra
17. Dezember 2025 @ 13:04
Auch für die deutsch-französische Aussöhnung möchte ich Schuman in Anspruch nehmen, z.B. mit dem Schuman-Plan von 1950 (alles während der Phase, in der De Gaulle Privatmann war). Der religiöse Aspekt der Aussöhnung passt m.E. sehr gut zu dem frommen Katholiken Schuman.
Gleichzeitig ist allerdings nicht zu übersehen, dass ein Interesse an der deutsch-französischen Zusammenarbeit auch durch den nach dem II. WEK aktuell werdenden Konflikt mit der Sowjetunion begünstigt und nahegelegt wurde.
Erneuerung
16. Dezember 2025 @ 19:39
@Kleopatra:
Bitte beantworten Sie folgende Fragen:
1. Was wurde 1949 zuerst gegründet, die BRD oder die DDR?
2. Wer erhielt mit dem Marshallplan wirtschaftiche Unterstützung (bei eh größerer industrieller Bais), die BRD oder die DDR?
3. Wer zahlte, vorrangig mit Demontage von Industrieeinrichtungen, die Reparationen an die stark geschwächte Sowjetunion, die BRD oder die DDR?
4. Welcher (streitbare und auch diktatorische) Staatsmann schlug Anfang der 1950er Jahre vor, Deutschland als neutrales (nicht sozialistisches !) Land zu etablieren, damit dies keine neue Gefahr darstellt und wer lehnte ab?
5. Wo wurden moderne Frauen- , Arbeits- und Menschenrechte, zumindest auf dem Papier, eher eingeführt, in der DDR oder in der BRD?
Zur Info:
Ich bin 1989 mit auf der Straße in Ostdeutschland gewesen und wäre auch, wenn die Zeit meines beabsichtigten Ingenieurabschlusses in der DDR per Fernstudium 4 Wochen eher gewesen wäre, vollständig exmatrikuliert worden, die Wende kam dazwischen. Umso mehr erschüttert mich, was derzeit in Europa abgeht, wir waren nur Mittel zum Zweck und haben auch mindestens 20 Jahre nach der Wende weiter bezahlt, mit 30% mehr Arbeitszeit, 30% weniger Urlaub und 50% weniger Lohn, bei gleicher Produktivität, wenn man den materiellen Ausstoß betrachtet im Vergleich zum Partnerbetrieb in den alten Bundesländern (die Gewinne verblieben ja in Westdeutschland und damit die rechnerische Produktivität). Und nun sollen wir alle (ich bin kein Ossi mehr) Ihre Hirngespinste ausbaden und erneut in einen Krieg schlittern. Meine Einstellung über Sie können Sie sich denken.
Kleopatra
16. Dezember 2025 @ 18:29
Zur EU-Gründung: Erstens war das russisch besetzte Mittel- und Osteuropa ein so abschreckendes Gegenbeispiel, dass es starke Motive zur Zusammenarbeit gab. (Sie erinnern sich, dass es bereits in den 50er Jahren sogar den Versuch einer westeuropäischen Verteidigungsgemeinschaft gab, die nur im französischen Parlament scheiterte).
Zweitens zeigt Ihr Beispiel gut, was (West)Deutschland in der Nachkriegszeit richtig gemacht hat und Russland hingegen seit dem Ende des Kalten Krieges immer noch falsch macht: Umgang mit den im Krieg besetzten Nachbarn.
Drittens: Was die Verteidigung Finnlands durch die USA betrifft: Glauben Sie wirklich an die Zuverlässigkeit des amerikanischen Beistandes? Und – noch gefährlicher –: Glaubt die russische Führung daran? Wenn Trump weiter so spinnt wie bisher, könnte Russland wieder wie im Frühjahr 2022 sich verkalkulieren und einen frischen fröhlichen Krieg riskieren.
Viertens: Noch vor wenigen Jahren gingen NATO-Planungen m.W. davon aus, dass man im Fall eines russischen Angriffs erst zurückschlagen würde, wenn sie eine gewisse Strecke in das NATO-Territorium vorgedrungen wären. Seit man aber sieht, wie im Wortsinn un-menschlich russische Truppen als Besatzer vorgehen, ist das Ziel, sie möglichst keinen Millimeter über die Grenze kommen zu lassen. Diese nachvollziehbare Änderung ist eine Reaktion auf russische Untaten, zu denen die Russen niemand gezwungen hat.
ebo
16. Dezember 2025 @ 19:02
Die deutsch-französische Aussöhnung ist das Werk De Gaulles und Adenauers, es hatte nichts mit Osteuropa zu tun. Das Gegenbeispiel in Osteuropa ist Polen, das immer noch Reparationen von Deutschland fordert!
Was Westdeutschland richtig gemacht hat: die Ost- und Entspannungspolitik. Die BRD hat die DDR nicht mit Raketen beschossen, wie die Ukraine den Donbass. Sonst wäre es auch nie zur Wiedervereinigung gekommen!
Auch in der Ukraine wäre eine solche Entwicklung möglich, sogar zwischen Kiew und Moskau. Dafür müsste man allerdings auch Verständigung suchen, so wie nach dem 2. WK. Stattdessen plant man für den 3. WK.
Kleopatra
16. Dezember 2025 @ 20:22
Ich erlaube mir eine Korrektur: De Gaulle hielt sich eine längere Zeit abseits der Politik (genauer: 1946-1958), so dass die Gründungsgeschichte der EU (wenn ich den EGKS-Vertrag von 1952 und die Römischen Verträge von 1957 so bezeichnen darf) – wie auch der Ansatz zur westeuropäischen Verteidigungsgemeinschaft – sich ohne aktive Teilnahme De Gaulles abspielte. Hier war der maßgebliche französische Vertreter vielmehr R. Schuman.
Arthur Dent
18. Dezember 2025 @ 12:43
@Kleopatra
Die Westeuropäische Verteidigungsgemeinschaft ist daran gescheitert, weil die Franzosen den Deutschen nicht über den Weg getraut haben.
Monika
16. Dezember 2025 @ 17:10
“Eastern Flank Summit” …
Ob ich als Franke beim Bund mehr Mittel aufrufen sollte im legitimen Verteilungskampf gegen Bayern??? Ober- Mittel- und Unterfranken sollten einen Franken-Summit einberufen. Immerhin sind wir ein Hort der geistigen Freiheit im rabenschwarzen Bayernland, leben aber ein karges Leben unter Besatzungsbedingungen sozusagen.
Die Idee hat was berückendes…
Wenn die Westeuropäer nach dem 2. Weltkrieg nicht ihr “Frontstaaten”-Denken gegenüber (Nazi-)Deutschland überwunden hätten, hätte es die EU nie gegeben…
Vielleicht wäre das, unter den heutigen Zuständen der EU betrachtet, die bessere Option gewesen… Sarkasmus aus.
Es ist DER Wahnsinn: vor hundert Jahren war „der Franzos“ der ewige Erzfeind, gefolgt ist ihm „der Jude“ im 1000jährigen Reich, jetzt ists „der Russe“. Wer ist DER Nächste ???
KK
16. Dezember 2025 @ 19:12
“Wer ist DER Nächste ???”
Der eigene Bürger mutmasslich – je nach Ausgang der nächsten Wahlen entweder die mit Migrationshintergrund oder die sich dem Gendern und der schier unendlichen Geschlechtervielfalt verweigernden… und wohl ganz unabhängig vom Ausgang der nächsten Wahlen alle, die sich dem Militarismus verweigern.
Robby
16. Dezember 2025 @ 17:08
Schön an Finnland zu sehen, dass ein Nato Beitritt nur Unsicherheit und wirtschaftliche Stagnation bringt.
Vorher hatten die gute Beziehungen und einen florierenden Wirtschaftsaustausch mit Russland.
Nun müssen sie aufrüsten und sind beim kommenden Krieg mit Russland eines der ersten Ziele.
Russland hat schon gesagt, dass es beim Krieg mit der Nato die Handschuhe auszieht, sich dieser grundlegend zum Krieg in der Ukraine unterscheiden wird.
KK
16. Dezember 2025 @ 15:44
Man kann sich eigentlich nur wundern, dass EUropa noch nicht ganz offiziell Russland den Krieg erklärt hat… (von einer einzelnen überambitionierten ehemaligen Aussenministerin ohne explizites Mandat für ebendieses mal abgesehen).
Erneuerung
16. Dezember 2025 @ 15:44
@ebo:
“Und ein letzter Gedanke: Wenn die Westeuropäer nach dem 2. Weltkrieg nicht ihr “Frontstaaten”-Denken gegenüber (Nazi-)Deutschland überwunden hätten, hätte es die EU nie gegeben…”
Nun, ich denke, das Frontstaatendenken wurde aus wirtschaftlichen Gründen (es gab ein Marshallplan- begünstigtes Wirtschaftswunder in Deutschland) gegenüber Deutschland abgelegt. Man profitierte von der Zusammenarbeit. Und gleichzeitig galt es, den “Sozialismus” zum Scheitern zu bringen, was ja auch gelungen ist. Dahingehend steckte wenigstens noch eine Logik und ein wirtschaftliches Denken dahinter.
Bei den werteeuropäischen Aktionen derzeit kann ich gar kein Denken erkennen, sondern nur blinde Wut, die zur Selbstzertörung tendiert, wirtschaftlich und sozial.