EU umwirbt Erdogan

Die Türkei tut alles, um sich von der EU und ihren Werten abzusetzen. Dennoch wird sie von Brüssel und Berlin umworben – nun mit der Aussicht auf Visa-Erleichterungen.

 In einem Sonderbericht empfiehlt die EU-Kommission, „vorrangig mit den Mitgliedstaaten Möglichkeiten auszuloten, um den Zugang zu Visumanträgen zu erleichtern“. Davon sollen türkische Geschäftsleute und Studenten profitieren sowie türkische Staatsbürger mit Familienangehörigen in der EU.

Nach der Wiederwahl des türkischen Sultans Recep Tayyip Erdogan im Mai hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs die Brüsseler Behörde beauftragt, einen Neuanfang in den konfliktreichen Beziehungen zu prüfen. Vor allem Deutschland hat sich für eine Wiederannäherung stark gemacht.

Dabei legt sich Erdogan fast überall quer. Er treibt die Spaltung Zyperns voran, blockiert den Nato-Beitritt Schwedens, unterläuft die Sanktionen gegen Russland und schickt auch wieder mehr Bootsflüchtlinge in die EU. Im Nahost-Krieg hat er sogar Partei für die islamistische Hamas ergriffen.

Dennoch wird Erdogan von der deutschen EU-Chefin von der Leyen und von Kanzler Scholz hofiert. Ob es an den vielen türkischen Mitbürgern liegt – oder an der Hoffnung auf einen neuen Flüchtlingsdeal?

P.S.  Erdogan hat Israels Regierungschef Netanjahu als „Schlächter von Gaza“ bezeichnet und ihm vorgeworfen, Antisemitismus zu fördern. Netanjahu gefährde durch „die Morde, die er in Gaza begeht die Sicherheit aller Juden weltweit“, sagte der Sultan. In Deutschland würde er dafür vermutlich strafrechtlich verfolgt, wenigstens aber „gecancelt“…