Erst die Sanktionen, dann die Zölle, nun der Protektionismus

Die EU kommt in der Wirtschaftspolitik immer mehr ins Schleudern. Nachdem sie sich mit ihren Sanktionen gegen Russland selbst ein Bein gestellt hat, versucht sie sich nun in Protektionismus.

Freihandel, Liberalisierung, Globalisierung: Das war jahrzehntelang das Mantra der neoliberalen EU. Überall wurden Grenzen abgeschafft, Zölle gesenkt, Lieferketten ausgeweitet – bis nach Russland und ins hinterste China.

Nun geht es mit voller Kraft rückwärts. Erst kamen die Sanktionen gegen Russland, mit denen sich Deutschland und die EU von günstiger Energie abgeschnitten haben – aber auch von Düngemitteln und anderen Gütern.

Dann kamen die Zölle, z.B. auf Elektroautos made in China. Seitdem die EU ein Investitionsabkommen mit Peking gekippt hat, geht es auch in den Wirtschaftsbeziehungen bergab. Aus dem De-Risking wird ein De-Coupling.

Dümmer als Trump erlaubt

Und nun kommt auch noch der Protektionismus. Am Dienstag wurden gleich zwei neue protektionistische EU-Regulierungen angenommen: Das “Screening” ausländischer Investitionen und ein verstärkter Schutz des Stahlmarktes.

Mit der Stahl-Verordnung werden die zollfreien Einfuhrmengen auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt. Dies entspricht einer Reduzierung um 47 % gegenüber den Stahlquoten 2024. Für den Rest setzt es saftige Zölle!

Protektionismus pur, die EU ist kaum besser als Trump. Aber dümmer: Denn sie muß nun auch noch Düngemittel subventionieren, nachdem sie den günstigen russischen Dünger mit 50 Prozent Zoll künstlich verteuert hatte.

Lebensmittel sind auch lost

Deshalb droht ein neuer Bauernaufstand, außerdem könnten die Lebensmittelpreise noch mehr steigen. Denn der Irankrieg und die Schließung der Straße von Hormus haben die Düngerpreise massiv in die Höhe getrieben.

Doch die Maßnahmen, die die EU-Kommission angekündigt hat, stellen niemanden zufrieden, es gibt nicht mal Zahlen zu den geplanten EU-Hilfen. Die wolle man im Juin nachreichen, hieß es. Doch die Kassen sind leer.

Wie in der neuen Energiekrise ist Brüssel auch in der Dünger- und Lebensmittelkrise völlig lost. Nur für die Aufrüstung ist genug Geld da…

Zum Dünger siehe auch meinen Artikel in der “taz”

P. S. Großbritannien ist nicht so blind wie die EU. Vor dem Hintergrund der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs hat die britische Regierung ihre Strafmaßnahmen für die Einfuhr von Kraftstoffen russischer Herkunft gelockert. London erlaubt die Einfuhr von Kerosin für Flugzeuge und von Flüssiggas. Die EU kauft lieber noch mehr in den USA und vergrößert so ihre Abhängigkeit von Trump…