Energiekrieg gegen Putin, Freihandel mit Leyen – und muß Rutte gehen?

Die Watchlist EUropa vom 24. März 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur neuen Offensive der EU und der Ukraine gegen russische Ölexporte, zu Deals mit Australien und Mercosur und zu neuen umstrittenen Äußerungen des Nato-Generalsekretärs

US-Präsident Trump hat angekündigt, die Angriffe auf die Energieversorgung in Iran für ein paar Tage auszusetzen. Das führt zu Aufatmen auf den internationalen Märkten, die wegen der drohenden weltweiten Energiekrise – es ist womöglich die größte der Geschichte – im Panikmodus sind.

Für die EU ist das eine gute Nachricht. Schließlich leidet EUropa besonders unter dem Irankrieg und den Folgen für Öl und Gas. Nirgendwo sind die Benzinpreise so schnell in die Höhe geschossen wie in Deutschland. Die Gaslager sind leer, die Politik ist ratlos, wie der letzte EU-Gipfel gezeigt hat.

Doch statt sich nun endlich um wirksame Hilfen für Wirtschaft und Verbraucher zu kümmern und mitzuhelfen, die Lage zu entspannen – etwa durch Lockerung der Russland-Sanktionen -, eskalieren die Ukraine und die EU ihren eigenen Energiekrieg gegen Russland und Präsident Putin.

Angriff auf Ölhafen an der Ostsee

Erst haben die Außenminister die EU-Sanktionen gegen die russische “Schattenflotte” verschärft, um die Öleinnahmen für Putin zu schmälern. Dann hat Frankreich einen Öltanker im Mittelmeer gekapert. Schließlich hat die Ukraine einen wichtigen Ölhafen an der Ostsee angegriffen.

Die üblichen Verdächtigen jubeln. “Feels like Ukraine took the gloves off. Message to Trump – if you are not going to rein Russia in via sanctions then we will take matters into our own hands and hit Russian export capacity”, so der britische Ökonom und Finanzjongleur T. Ash auf X.

Dabei gibt es keinen Grund zur Freude. Mit ihren Offensiven benehmen sich Ukrainer und EUropäer kein bißchen besser als Putin und Trump. Angriffe auf zivile Versorgungsanlagen sind Kriegsverbrechen. Das Kapern von Schiffen ist verboten – im Mittelmeer wie in der Straße von Hormus.

Hauptsache, es schadet Russland

Zudem heizen die EUropäer den Energiekrieg zur Unzeit an. Trump hat immerhin die amerikanischen Sanktionen gegen Russland gelockert, um die Ölkrise zu dämpfen. Präsident Selenskyj und Staatschef Macron tun das Gegenteil. Selenskyj will sogar russisches Öl beschlagnahmen!

Und wie reagiert Putin? Er schmiedet Pläne, seine “Schattenflotte” zu bewaffnen oder durch die russische Marine eskortieren zu lassen. Damit dürften die Spannungen in der Ostsee und auf anderen Weltmeeren noch mehr steigen – genau wie das Fieber an den Welt-Energiemärkten…

Meine two Cents: Das Vorgehen der Europäer ist unverantwortlich und zeigt, daß sich unsere Politiker einen Sch… um die Energieversorgung und die Probleme der europäischen Wirtschaft scheren. Sie haben nur eine Obsession: Russland schaden und Putins “Kriegskasse” schmälern – koste es, was es wolle…

Siehe auch: Die EU sieht die Welt nur noch durch die Anti-Putin-Brille und “Krieg gegen Russland: eine neue Front in der Nord- und Ostsee”

News & Updates

Das Letzte

Ist Rutte zu weit gegangen? In Brüssel werden neuerdings Stimmen laut, die den Rücktritt des Nato-Generalsekretärs fordern. Der Niederländer hat sich nicht nur eigenmächtig für eine Beteiligung europäischer Nato-Länder an einer Militärmission in der Straße von Hormuz ausgesprochen. Er hat auch das Vorgehen von US-Präsident Trump gegen Iran gelobt und die amerikanischen Wähler im US-Fernsehen aufgefordert, Trump bei den Midterm-Wahlen im November zu schonen. “Seit wann mischt sich ein Nato-Generalsekretär in die amerikanische Innenpolitik ein”, empört sich die französische Europa-Abgeordnete N. Loiseau. Und mein Journalisten-Kollege D. Keating schreibt: “Trump arbeitet nur für einen Mann: Trump. Er arbeitet nicht für die Europäer”. Surprise, surprise…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo