Neues vom Wirtschaftskrieg (292): “Größte Energiekrise der Geschichte”
Der Irankrieg ist keine Episode, sondern Teil des globalen amerikanischen Wirtschaftskriegs. Die Angriffe der USA und Israels haben die größte Energiekrise der Geschichte ausgelöst. Und trotz des geplanten Ausstiegs kauft Europa mehr russisches Flüssiggas denn je.
- “Die größte Energiekrise der Geschichte”. The world is quite literally facing what appears to be the largest energy crisis in history. US crude oil futures are now trading at a $20+/barrel DISCOUNT to Brent, also one of the largest on record. As the US increases production and taps into reserves, the EU is facing a full out energy crisis. European natural gas prices are up another +30% today and physical crude oil prices in Oman and elsewhere are trading at $150+/barrel. In other words, the gap between Oman and US prices now stands at ~70%, or ~$70+ per barrel. It has become so bad for Europe that the market is now pricing-in 2 interest rate HIKES in 2026, even as the US removes sanctions on Russian oil. (Kobeissi Letter) – Das ist keine Einzelmeinung. Der Chef der Internationalen Energieagentur Fatih Birol spricht von einer noch nie da gewesenen Gefahr für die globale Energiesicherheit. Er rief dazu auf, weniger Auto zu fahren und ins Hoemoffice zu wechseln, um Benzin zu sparen…
- Economic Statecraft – und warum Europa nur zuschaut. Mehr als zwei Wochen nach Beginn des amerikanisch-israelischen Angriffs gegen den Iran zeichnet sich ab, dass dies keine Episode ist, die man aussitzen können wird. (…) In Brüssel diskutiert man Deeskalation und Völkerrecht. Was man aber nicht diskutiert, ist die strategische Logik hinter dem amerikanischen Vorgehen. (Beyond the obvious) Für Leser dieses Blog ist das keine Überraschung, dennoch lesenswert. Dazu gibt es auch einen Podcast.
- Trump erwägt Lockerung der Ölsanktionen gegen Iran. Donald Trump will dem Kriegsgegner Iran offenbar beim Öl entgegenkommen. Das und weitere absurd klingende Ideen zeigen, wie stark der Druck auf den Präsidenten in den USA wächst. (Spiegel) Mittlerweile ist die Lockerung bestätigt. Zuvor hat Trump schon die Russland-Sanktionen beim Öl gelockert. Die EU ist natürlich dagegen – sie möchte den Wirtschaftskrieg noch mehr ausweiten, obwohl sie selbst am meisten darunter leidet…
- Europa kauft Rekordmengen von russischem Flüssiggas. Europe bought every single shipment of LNG produced by Russia’s Yamal LNG plant in February — first time since April 2018 that the EU accounted for 100% of exports from the Arctic facility. A total of 21 cargoes from Yamal were delivered to European buyers during the month, according to shipping data. Despite a plan to ban imports of Russian gas completely by January 1, 2027, the EU remains hooked onRussian gas. (IntelliNews)
Mehr zum Wirtschaftskrieg hier
P.S. Der Krieg im Nahen Osten wird für Russland zum unerwarteten Konjunkturprogramm. Mit den Mehreinnahmen könnte Putin den Krieg noch jahrelang finanzieren. Zu diesem Schluss kommt die Kyiv School of Economics (KSE)in einer aktuellen Studie. – Da die KSE sehr parteiisch ist, würde ich die Zahlen mit Vorsicht genießen. Außerdem ist die vulgärökonomische These, daß Putin mit den Erträgen aus Energieverkäufen seine “Kriegskasse” füllt, eines Wirtschaftsforschungsinstituts nicht würdig!

21. März 2026 @ 12:51
WAR WITH CHINA (Thinking the unthinkable, Rand Corporation 2016)
Donald denkt das. Make America great again – diesen Wahlspruch nimmt Donald sehr ernst. Die USA will Weltmacht Nr. 1 bleiben, die USA haben die Eskalationsdominanz und sind skrupellos, sie auch einzusetzen. Kuba, Venezuela waren mit Russland und China verbunden. Der Iran ist Mitglied der Brics und SCO, die USA beginnen gerade damit, die Brics zu zertrümmern – Russland und China sehen zu. Die USA besetzen gerade alle neuralgischen Punkte für die Energieflüsse der Weltwirtschaft. Auf den Panamakanal wird Donald sicher nochmal zurückkommen, er ist da flexibel. Auf Grönland möglicherweise auch noch. And Donald is in hurry, nicht wie Sleepy Joe.
@Guido B.
Für die ultrareichen 0,1%-Eliten ist jeder Habenichts ein “Untermensch” – sozusagen ein “selbstnachwachsender Rohstoff”, nichts weiter.
Aus deren Blickwinkel muss man halt die Weltpolitik betrachten.
21. März 2026 @ 13:02
Machen Sie Witze!? Die USA „zertrümmern die BRICS+ … und Russland und China sehen zu … .“!? Warum nicht umgekehrt wie die Geschichte zu indizieren scheint!?
21. März 2026 @ 09:22
„…Die EU ist natürlich dagegen – sie möchte den Wirtschaftskrieg noch mehr ausweiten, obwohl sie selbst am meisten darunter leidet…“
Warum wird denn so ein massiver wirtschaftlicher Schaden in Kauf genommen? Warum scheint das Wichtigste zu sein, irgendwie Russland klein zu machen?
Das leider weit verbreitete Erklärungsmuster „die Politiker sind alle unfähig“ usw. reicht mir nicht.
Haben Sie, Herr Bonse, eine Bessere?
21. März 2026 @ 11:08
Da kommen mehrere Sachen zusammen.
Erstmal wurde das Feindbild Russland nie wirklich überwunden, auch nicht in (West-)Deutschland. Im Kalten Krieg war es ja dominant. In Osteuropa wurde es zu einer Art Staatsdoktrin erhoben.
Zweitens haben die Neocons dieser Welt ihr Ziel nicht aufgegeben, Russland “klein zu machen”, siehe Kallas, Sikorski etc.
Drittens ist die EU wie ein Tanker – wenn sie einmal auf ein Ziel zusteuert, ist sie kaum noch vom Kurs abzubringen. Macron, Meloni und De Wever können noch so laut rufen, daß eine Kursänderung nötig wäre – der Tanker fährt erstmal weiter. Die Frage ist, wie lange noch – bis es kracht?
21. März 2026 @ 11:22
Ich stelle mir diese Frage auch jeden Tag: Sind diese Eliten wirklich soooooo doof? Ich glaube inzwischen, dass HYBRIS in Kombination mit HASS in der Tat sehr doofe Politik hervorbringen kann. Das sehen Sie auch am Beispiel Israel.
Ich bin überzeugt, dass der ewige Konflikt zwischen den Zionisten und den Palästinensern nicht existieren würde, wenn die Zionisten die Palästinenser nicht als “unterdrückungswürdige”, also minderwertige Menschen betrachten würden. Wehren sich die Unterdrückten gegen die Unterdrücker, schlagen die Unterdrücker mit brutaler Härte zu und nehmen dabei auch Schaden in Kauf. Der Krieg im Nahen Osten ist bester Anschauungsunterricht.
So ist das wohl auch mit den europäischen Eliten und den Russen. Zwar lassen sich die Russen mit ihren Atomwaffen nur schwer unterdrücken. Aber man zeigt den Russen auf andere Art, dass sie “unterdrückungswürdig” , also minderwertig sind. Indem man z.B. komplett ihre Sicherheitsinteressen als Großmacht ignoriert. Indem man mit der NATO bis an ihre Grenzen vorrückt und von Russland erwartet, dass es diese Bedrohung einfach schluckt. Indem man jeden Kompromiss mit und jedes Zugeständnis an Russland in Sicherheitsfragen verweigert. Indem man Abrüstungssverträge kündigt. Indem man einen Nachbarstaat zum Bollwerk gegen Russland aufbaut.
HYBRIS und HASS trüben den Verstand. Sie können das in jeder deutschen Talkshow beobachten. Die Moderatoren sind dumm. Die Experten sind dumm. Die Politiker sind noch dümmer. Wenn man lange genug doofe Politik macht und davon nicht abweicht, führt das unweigerlich zur Selbstzerstörung. Dahinter steckt kein Kalkül.
21. März 2026 @ 07:57
Oh Mann “Economic Statescraft” – alter Wein in neuen Schläuchen. Wer sich etwas in der neomarxistischen Literatur zu Imperialismus und Globalisierung auskennt, für den ist das überhaupt nix neues, es nennt sich: Staatenkonkurrenz.
Und am Ende des verlinkten Blog-Artikels dann das Übliche: Das politische Personal sei ja zu doof/unfähig/inkompetent das zu kapieren. Langweilig.
Das Regierungspersonal hat X Berater, Wissenschaftler, echt clevere hochgebildete Leute, aber die sind alle zu doof, um zu kapieren was abgeht? Möglich, aber unwahrscheinlich.
Ich glaube eher, dass der Autor des Handelsblatt-Artikels in seinem bürgerlichen Idealismus der ist, der unfähig ist “behind the obvious” zu blicken.
21. März 2026 @ 11:04
Schon klar. Neu ist, daß der Wirtschaftskrieg nun im Mainstream angekommen ist, und daß sogar neoliberale Autoren wie Stelter darüber sprechen. Ich dachte, in Folge 292 “meines” Wirtschaftskrieges wäre das dann doch mal interessant. Ursprünglich habe ich mich übrigens an Adam Tooze angelehnt, doch der hat offenbar das Interesse an dem Thema verloren…
21. März 2026 @ 11:36
Naja, sich jetzt auf das Feinbild Russland zu berufen, ist ja schon etwas bequem. Immerhin folgt ein Feindbild in der Regel einer schon bestehenden Feindschaft. Worin besteht die denn genau?
Und jetzt dann auch noch alles auf die Neocons zu schieben, finde ich auch etwas mager. Damit tun Sie so, als ob die EU nur Opfer eines übergeordneten politischen Programms wäre, und nicht selbst im Windschatten der “regelbasierten Ordnung” ihre eigene Großmacht-Agency verfolgt hätte. Den Mythos der EU als “Friedensprojekt” halte ich für das allergrößte Märchen.
21. März 2026 @ 06:51
….. Trump erwägt Lockerung der Ölsanktionen gegen Iran. – Die EU ist natürlich dagegen – sie möchte den Wirtschaftskrieg noch mehr ausweiten, obwohl sie selbst am meisten darunter leidet …..
Was fällt einem dazu ein?
“Dümmer geht’s nimmer!” – Es sei den bei den Experten der EU
oder
“den Ast absägen, auf dem man sitzt“ – Egal wie groß die Fallhöhe ist –
oder
“EU pur!” – bei denen ist der Schwachsinn Methode –
20. März 2026 @ 21:14
Der Westen kann noch froh sein daß der globale Süden noch nicht das Potenzial einer vollständigen Abkehr von fossiler Energie erkennt, sonst würden sich die Machtverhältnisse schneller verschieben als ohnehin schon.
Ob auf dem Weg über die Kriege oder über nicht mehr finanzierbare Ökoschäden, die verschlafene Transformation wird uns auf die Füße fallen.
Dabei sind Erneuerbare eigentlich der feuchte Traum früher Ökos, sie sind die mit Abstand billigsten.
Anstatt das zu nutzen, verteuert man sie künstlich, zum einen durch das merit-Order-System, zum Anderen durch den makroökonomischen Unfug, den Netzausbau über die Preise zu finanzieren statt über Steuermittel.
20. März 2026 @ 19:35
Meine Güte, wenn der sog. Westen nicht nur wüßte, sondern auch verstünde wie lächerlich er sich vor den BRICS+ und den Globalen Süden macht, dann würde er sich das Leben nehmen!
Und, apropos Iran und Israel: der Kriegsverbrecher Netanyahu gesteht nun doch man müsste Bodentruppen in den Iran schicken um einen Regimewechsel in Teheran herbeizuführen! Und was wird der Trottel tun? Er wird ihm hinterher trotteln – auch aus Angst vor der zionistischen Diaspora in den USA – bis die Bodybags zurückkommen! Dann, spätestens dann …. !!!
20. März 2026 @ 20:43
Die Bodybags werden keine sehr schnelle Wirkung entfalten – s. Vietnam, Afghanistan, Irak…
Es sind doch, in jedem stattgefundenen und in jedem zukünftigen Krieg, immer nur die Bodybags der Kinder armer Leute. Wenn kümmert’s wirklich?(aktuelles Beispiel dafür gerade im Osten Europas, aufrechterhalten von der EU, zu bestaunen).
20. März 2026 @ 23:17
Du vermischt da leider zwei ungleiche Sachverhalte, Reykjavik. Vietnam hatte durchaus einen Effekt, wenn auch er länger dauerte als es uns lieb war, weil sie noch die losbasierte Wehrpflicht hatten (draft), somit zwar hauptsächlich die Unterschicht starb aber eben auch ein paar Kinder der Mittelschicht sich wenigstens mit der Perspektive eingezogen zu werden auseinandersetzen musste und entsprechend agierten.
Was die Generation des “großen Krieges gegen den Terrorismus” angeht, habe und hatte ich schon kaum noch Mitleid mit ihr,weil die Informationen alle vorhanden waren, man sie nur finden musste, was, zugegebenermaßen, damals noch schwieriger war als heute.
Allerdings ist die beste Doku über den Vietnamkrieg aus den frühren 80igern, “The Vietnam War” in 13-Teilen von PBS produziert, mit der unverwechselbaren Stimme des Frontline Sprechers.
Die hätte man halt auch schon in den 90igern auf VHS finden oder Glück haben können dass ein Lehrer sie für einen fand.
Sei es drum, sie hatten, entgegen der Vietnamgeneration, schon die Möglichkeit einnfach nicht in den Militärdienst einzutreten und stattdessen eine Uniform der vielen US-Fastfoodketten anzuziehen.
Nicht so prestigehaft und gut für das eigene Vorankommen, aber es war ihre Wahl. Eine Wahl die Niemand in Afghanistan, Irak, Lybien, Syiren, der Ukraine oder Serbien ganz vorher, hatte.
Die heutige Generation von US-Militär….pfff mit all den Information auf die man Zugriff hat über den “GWOT” seit über 10 Jahren mindestens wenn man GenZ ist und man wird “außer” über das dort reguläre “Arbeite oder Verhungere” nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen?
Da müsste man ja mehr Mitleid mit der “Unsere Mütter, unsere Väter”-Wehrmachtsgeneration haben.
20. März 2026 @ 18:44
Ich suche schon seit Wochen gezielt nach Spuren von strategischen Überlegungen der feinen EU-Damen-und-Herren, wie sie der absehbaren und wohl nicht mehr abwendbaren, für Europa beispiellosen Energiekrise zu begegnen gedenken. Habe leider nichts gefunden.
Kann es sein, dass sie in Wahrheit eine superintelligente, gewiefte und todsicher wirksame Strategie fahren, die wir Normalsterbliche bloß nicht begreifen? “Wir lassen einfach die ganze EU wirtschaftlich und damit auch sozial vor die Hunde gehen, damit Putin sich nicht dumm und dusslig an Öl und Gas verdient?”
Wenn das die Strategie sein sollte – Respekt! Läuft nämlich!
20. März 2026 @ 19:31
“Ich suche schon seit Wochen gezielt nach Spuren von strategischen Überlegungen der feinen EU-Damen-und-Herren…”
Eher finden Sie Spuren des grünen Spaghettimonsters!
20. März 2026 @ 18:42
Nicht nur Europa scheint sich ins eigene Knie zu schießen, sondern sogar Russland. Weshalb liefert Russland überhaupt noch LNG, und zwar derzeit verstärkt, nach Europa, während die EU nach Wegen sucht (und finden wird), die Ukraine weiter aufzurüsten, was diese dann nutzt, um Russland und deren Teilpartner Ungarn und Slowakei zu schwächen?
Auch da erkenne ich keine Logik, es ist wie 2022. Warum hat Russland seinerzeit nicht sofort alle Energielieferungen an Europa eingestellt statt einzumarschieren? War der Einmarsch biliger? Wohl kaum. Es sind Kräfte am Werk, die meine Vorstellungskraft sprengen. In diesem Zusamenhang sei darauf verwiesen, dass in der israelischen IDF wohl ca. 5000 Russen kämpfen und damit die viertgrößte ausländische Gruppe darstellen. Die Menschheit schafft sich ab.
20. März 2026 @ 19:23
Wieso sollte man als RU nicht von den hohen Preisen profitieren welche die EU-Länder zahlen können aus dem einen näher an der EU als an allen anderen Märkten gelegenen Terminal?
Aufgrund der relativ kurzen Distanz sind die Tanker ja auch nicht so lange gebunden wie als wenn sie erst aus der Ostsee heraus und sonst wohin fahren müssten.
Zumal, besser die Unzufriedenheit hoch und die Unzufriedenen am Leben erhalten als nur die Elite die schon länger auf Wärmepumpen, Solaranlage und Speicherlösungen umgestellt hat. Oder nicht?
20. März 2026 @ 19:33
Genau… von dem Geld, dass die EUropäer für russisches Gas ausgeben, können sie schon mal keine Waffen für die Ukraine kaufen 😉
20. März 2026 @ 18:41
Wieso dreht der BDI eigentlich noch nicht frei angesichts dieser Aussichten und bringt die verdammte Bundesregierung zu einer 180 Gradwende ihrer Russland und Ukrainepolitik?
Früher war wenigstens in dieser Hinsicht auf den Verlass.