Neue “Friedensformel”, Trump straft Russland – und Sikorski wird rückfällig
Die Watchlist EUropa vom 23. Oktober 2025 – Heute mit News und Updates zu europäischen Plänen für ein Ende des Ukraine-Kriegs, neuen US-Sanktionen und Provokationen des polnischen Außenministers.
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Erinnert sich noch jemand an die “Friedensformel” der Ukraine? Obwohl sie bloß eine Sammlung frommer Wünsche war, hat sich die EU jahrelang darauf berufen. Doch nach der Machtübernahme von US-Präsident Trump in Washington ist sie sang- und klanglos im Papierkorb verschwunden.
Nun sucht die EU eine neue “Friedensformel”. Pünktlich zum EU-Gipfel kursiert in Brüssel ein Zwölf-Punkte-Plan, mit dem die Europäer eine Brücke zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj schlagen wollen. Gut daran ist, daß die EUropäer endlich selbst über Frieden nachdenken.
Der Plan umfasst nach Angaben von “Bloomberg” und “telepolis” die Rückführung aller vermeintlich deportierten Kinder in die Ukraine und den Austausch von Gefangenen. Die Ukraine würde Sicherheitsgarantien, Mittel zur Beseitigung der Kriegsschäden und einen Weg zum raschen EU-Beitritt erhalten.
Trump als oberster Friedensfürst
Die europäischen Sanktionen gegen Russland (die beim EU-Gipfel erneut verschärft werden sollen) würden schrittweise aufgehoben. Allerdings würden die eingefrorenen Zentralbankreserven von rund 300 Mrd. Dollar erst zurückgegeben, wenn Moskau sich bereit erklärt, einen Beitrag zum Wiederaufbau der Ukraine zu leisten.
Moskau und Kiew sollen Verhandlungen über die Verwaltung der besetzten Gebiete aufnehmen. Allerdings würden die besetzten Gebiete auch künftig nicht als russisch anerkannt. Die Umsetzung würde von einem Friedensgremium unter Vorsitz von US-Präsident Trump überwacht.
Damit lehnen sich die Verfasser an den sog. Friedensplan für Gaza an. Auch in Kiew soll Trump als oberster Friedensfürst dienen – doch der MAGA-Mann denkt gar nicht daran, die zahllosen Verstöße Israels zu ahnden und den Palästinensern Gerechtigkeit zukommen zu lassen.
Armutszeugnis für EUropa
Daß die Europäer trotzdem auf Trump setzen, zeigt, wie abhängig die EU von den USA ist. Nach dem Nahen Osten will sie ihre Außenpolitik auch in Osteuropa von den Amerikanern leiten und überwachen lassen – ein Armutszeugnis. Eigene Diplomatie ist auch jetzt nicht vorgesehen.
Immerhin scheint Brüssel erstmals bereit, die Sanktionen aufzuheben. Doch gleichzeitig setzt man weiter auf die gescheiterte Doppelstrategie – von Frieden reden und den Konflikt mit Russland anheizen. “Den Druck erhöhen” heißt das im Brüsseler Jargon – dabei hat das bisher nie geholfen.
Man darf gespannt sein, was aus dieser “Friedensformel” wird. Ich kann mir kaum vorstellen, daß alle 27 EU-Staaten zustimmen. Den Frieden dürfte der eilig zusammengezimmerte Plan auch nicht bringen – denn russische Interessen wurden so gut wie gar nicht berücksichtigt…
Siehe auch Wie die EU den Konflikt mit Russland anheizt und Mehr zum Krieg um die Ukraine hier
News & Updates
- Trump folgt der EU und straft Russland. Gerade rechtzeitig zum EU-Gipfel, der am Donnerstag in Brüssel beginnt, haben die USA neue Sanktionen gegen Russlands Ölindustrie angekündigt. Sie sollen u. a. Lukoil und Rosneft treffen. Zuvor hatte die Slowakei ihre Einwände gegen das 19. Sanktionspaket der EU aufgegeben. Die neuen europäischen Strafmaßnahmen richten sich ebenfalls gegen russisches Öl und Gas. Zudem sind zusätzliche Maßnahmen gegen die sog. Schattenflotte geplant, mit denen Moskau unter anderem das Öl-Embargo umgeht. – Das 20. Strafpaket ist schon in Arbeit – ob es diesmal mit Trump abgestimmt wird? – Mehr hier
- Merz droht China mit Sanktionen. Der teilweise, auf militärische Nutzung bezogene Exportstopp für Seltene Erden aus China wird Thema beim EU-Gipfel. Die Lage sei “gravierend”, deshalb wolle Kanzler Merz für Sanktionen werben, heißt es in Berlin. Mehrere EU-Staaten hätten vorgeschlagen, das europäische „Instrument gegen Zwangsmaßnahmen“ zu aktivieren, berichtet das “Handelsblatt”. – Der Streit geht auf die Zollpolitik von US-Präsident Trump zurück, die China besonders hart trifft. Doch ausgerechnet gegen Trump wollte die EU das “Anti-Coertion”-Instrument nicht einsetzen… Mehr hier
- Schweden will Ukraine massiv aufrüsten. Schweden will der Ukraine dutzende Kampfjets verkaufen. Es gehe um 100 bis 150 Flugzeuge des Typs Jas 39 Gripen, gab der schwedische Ministerpräsident Kristersson bekannt. Über die Kosten dieses spektakulären Export-Deals schwiegen sich die beiden Politiker aus. Sie ließen auch die Frage offen, wie der Milliardenauftrag finanziert werden soll. – De facto ist die Ukraine pleite. Sie kann nicht einmal mehr die Kosten für den Krieg allein finanzieren. Vielleicht hilft der Zugriff auf russisches Vermögen? Mehr im Blog
Das Letzte
Sikorski wird rückfällig. Der polnische Außenminister liebt die Provokation – und die USA. Kurz nach dem Attentat auf die Nordstream-Pipelines veröffentlichte er ein Tweet mit “Thank you, America” – das er allerdings schleunigst wieder löschte. Nach offizieller polnischer Lesart soll ja Russland schuld sein – wer sonst. Doch nun ist Sikorski rückfällig geworden: Er sei stolz auf das polnische Gericht, das einen verdächtigen Ukrainer freigelassen hatte, schrieb er auf X – und fügte hinzu, daß hoffentlich bald Schluß sei mit russischen Öl- und Gaslieferungen nach Ungarn. Das Pikante daran: Kurz zuvor war Ungarns größte Ölraffinerie in Flammen aufgegangen. Sie verarbeitet Rohöl aus Russland. Honni soit qui mal y pense…
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Helmut Hoeft
23. Oktober 2025 @ 11:50
Das Muster ist doch von Seiten aller Betilgten sattsam bekannt: “Natürlich sind wir für Frieden, sofort! Wenn zuerst … und dann …” Wat soll dä Kwatsch?
Gut daran ist, daß die EUropäer endlich selbst über Frieden nachdenken. Der Plan umfasst nach Angaben von “Bloomberg” und “telepolis” die Rückführung aller vermeintlich deportierten Kinder in die Ukraine” Hä? (s. o.) m(
“Auch in Kiew soll Trump als oberster Friedensfürst dienen” Hä? Der “Geschäftlehuber” verwechselt “Geschäft” und “Frieden” mit Pizzo erheben, das Eintreiben gelingt ihm dann auch nicht immer, dann folgt TACO, dann folgt neuer Unsinn …!
“Daß die Europäer trotzdem auf Trump setzen, zeigt, wie abhängig die EU von den USA ist.” Sie machen sich abhängig, sie glauben fest an ihre Abhängigkeit, abhängig sind sie keinesfalls – nur völlig ohne Rückgrat und Verstand und ohne jeden Funken von Selbstbewusstsein –, sie sind dem Mechanismus unterlegen: “Macht durch Furcht”, Macht (des Führers) durch Furcht (des Volkes). So Götz Aly in der Rezension seines Buches „Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945“ – siehe hier https://www.deutschlandfunk.de/goetz-aly-wie-konnte-das-geschehen-deutschland-1933-bis-1945-100.html. Und heute läuft das genauso und ist in allen Autokratien der Welt (einschließlich den USA*)) zu beobachten. Es ist die Furcht der €U vor dem Klabautermann.
*) Die Republikaner unter Trump/Vance betreiben genau die Politik, die damals betrieben wurde: Schrecken verbreiten, Genossen belohnen und einspannen in die Drecksarbeit, lakonisch: Peitsche und Zuckerbrot!
Auch dieses Muster ist sattsam bekannt “… denn russische Interessen wurden so gut wie gar nicht berücksichtigt …” geschweige denn, dass die eigenen Interessen klar und transparent dargestellt werden!(!elf!!) Interessen der anderen Seite, auch noch russische? Das geht gar nicht(!elf!!), es ist nur dem Wertewesten® erlaubt, Interessen zu haben. Und die setzt er knallhart durch, gerne auch mit Mord und Totschlag aka (Stellvertreter-)Krieg.
“Merz droht China mit Sanktionen.” * Haha_hihi_hoho_huhu * Joachim-Friedrich Martin Josef droht die deutsche Wirtschaft zu schließen! Der ist gut! * schenkelklopf *
Jaja “Honni soit qui mal y pense” Krank ist der, der nicht Schlechtes dabei denkt!
Titi
23. Oktober 2025 @ 09:52
Tusk und Sikorski legen einmal mehr Grundsteine für zukünftige schlechte Beziehungen zwischen Polen und Deutschland und zwischen Polen und Ungarn. Generell denke ich, dass die ins Exzessive geratende EU-Sanktionspolitik zukünftig zu immer mehr Spaltungen innerhalb der EU führen werden, weil die wirtschaftliche Lage immer ungünstiger für den EU-Raum wird und immer mehr Mitgliedstaaten die (letztendlich für sie selbst) wirtschaftlich abwürgende Sanktionspakete nicht mehr mittragen können werden.
Thomas Damrau
23. Oktober 2025 @ 09:18
Jeder Friedensplan, egal ob Trump oder die EU ihn entwerfen, muss die bekannten Streitpunkte berücksichtigen:
— NATO-Beitritt der Ukraine: Das Thema ist zwar im Augenblick vom Tisch. Wenn jedoch ein Friedensplan NATO-Truppen in der Ukraine zur Friedenssicherung vorsieht, wird dieser Plan scheitern. Auch wird Russland Garantien wollen, dass eine schleichende Integration in die NATO, wie sie im Jahr 2021 von Biden durch immer neue gemeinsame NATO-Ukraine-Manöver betrieben wurde, nicht stattfinden wird.
— Donbas: Putin hat sich in den Kopf gesetzt, den ganzen Donbas zu übernehmen. Man sollte Putin dringend einen Vortrag über Spatzen in der Hand und Tauben auf dem Dach halten (hat Trump möglicherweise schon versucht). Nichtsdestotrotz wird der Westen etwas auf den Tisch legen müssen, um Putin von diesem Ziel abzubringen.
— Erst Waffenstillstand, dann über Frieden verhandeln: Putin fürchtet vermutlich (nicht ganz zu Unrecht), dass Friedensverhandlungen scheitern und die Ukraine die Zeit der Verhandlungen nutzt, um sich für eine Fortsetzung der Kampfhandlungen vorzubereiten.
— Reparationszahlungen: Ich kann mir schwer vorstellen, dass Putin darauf eingehen wird. Das wäre aus Sicht Moskaus ein Schuldeingeständnis – und wird genau deshalb immer wieder von der EU gefordert.
— Entführte Kinder: Hier gilt Ähnliches wie für den vorigen Punkt.
Was der Westen anbieten kann:
— eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur, die es erlaubt, Interessenkonflikte frühzeitig zu diskutieren – bevor die Lage explosiv wird. Dazu müsste die Basta-Politik beendet werden, wie sie von den amerikanischen Präsidenten seit Clinton mit Blick auf die russischen Bedenken gegen die NATO-Osterweiterung exekutiert wurde. Stichwort: Georgien und Moldau als nächste potenzielle Streitfälle.
— “Rehabilitierung” Russlands, auch wenn es der EU schwerfällt – Trump hat ja schon damit angefangen
— schrittweise Aufhebung der Sanktionen, Wiederaufnahme der Wirtschaftsbeziehungen
ebo
23. Oktober 2025 @ 09:49
Danke für die gute Zusammenfassung! Leider macht sich die EU nicht einmal mehr die Mühe, über mögliche russische Forderungen nachzudenken…
Helmut Hoeft
23. Oktober 2025 @ 12:14
@Thomas
Der Spatz in Putins Hand ist mglw. der (Teil-)Verzicht auf die bereits in der russischen Verfassung stehenden Oblaste Saporischschja und Cherson!?
Tzja, es bleibt das Problem: “Der Iwan” (Putin, Russland) hat aus der Geschichte seit 1992 gelernt! Hierzu gehört dass sich Russland auf so etwas wie “… eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur …” nicht einlassen kann/wird – der Wertewesten® ist durch und durch opportunistisch, Papier hat nur einen Wert solange es den eigenen Interessen dient, er weiß auch, dass das schon die vorhandene Papiere auf’m Klo hängt – er wird sich nur auf ein MRUSGA einlassen: Politik à la USA: Eigene Stärke auf- und ausbauen, alles unterbinden, was nicht gefällt!
Es ist klar, dass Russland seine Interessen, seinen Willen, voll und ganz durchsetzt. Punkt! (Ja aber die Ukraine souverän_blabla_schwurbelschwurbel_heul…? Das hat niemand anderes als der Wertewesten® mit seiner “in die NATO, in die €U-“Osterweiterungspolitik verbrochen. Er wird für die Folgen aufkommen müssen, entweder bezahlen mit Bimbes oder mit der Unruhe an seiner Ostgrenze, die auch reichlich Kosten verursachen wird. Dreimal darf geraten werden worauf das raus läuft …)
Thomas Damrau
23. Oktober 2025 @ 12:45
@Helmut
Ein Frieden wird Kompromisse von beiden Seiten erfordern. Solange alle Seiten auf ihren Maximalforderungen bestehen, wird weiter gekämpft werden:
— EU+Selenkyj wollen “gerechten Frieden”, also zurück zum Status von 2013.
— Putin möchte die Anfang 2022 in die Verfassung geschriebene neue russische Grenze Realität werden lassen.
— Trump möchte einen Frieden, der den USA möglichst viel Profit und ihm selbst den Nobelpreis bringt – Inhalt nebensächlich, Hauptsache schnell.
Das noch viel größere Problem bei Friedensverhandlungen ist das Vertrauen:
— Putin misstraut dem Westen, nachdem die USA den festen Willen gezeigt haben, auf dem Grand Chessboard Zug für Zug gen Osten zu ziehen.
— Der Westen hat sich nicht vorstellen können, dass Putin seine Drohung von 2008 wahrmacht und eine Integration der Ukraine und Georgiens in die NATO mit Gewalt stoppen wird. Das Erschrecken über den Angriff von 2022 hat sich inzwischen zu einer veritablen Paranoia ausgewachsen.
Das macht einen Frieden für die Ukraine so schwierig.
Helmut Hoeft
23. Oktober 2025 @ 13:18
@Thomas
Ich will den Kaugummi nicht allzu lang ziehen, nur noch das von meiner Seite:
„Kompromisse von beiden Seiten erfordern.“ Die Frage ist, was wird Kompromiss genannt und was ist eine solcher?
„Das Erschrecken … hat sich inzwischen zu einer veritablen Paranoia ausgewachsen.“ Paranoia und Trump, eine „herrliche“ Mischung.
„Vertrauen“? In Gaza, Palestina, der Ukraine, Nordkorea, Persien, Israel Russland, den Wertewesten®, Serbien, dem Baltikum, der Türkei, Brüssel … (muss ich weiter aufzählen). Spannend ist ja, dass von Vertrauen immer geredet wird wenn es weg ist, und dann tut man so, also könne man ander nächsten Ecke neues Vertrauen kaufen? m(
Guido B.
23. Oktober 2025 @ 08:45
Nun haben die USA auch militärisch eskaliert und den Einsatz von Langstreckenraketen genehmigt. Somit steht fest: Die NATO befindet sich im direkten Krieg mit Russland.
Auf dem Schlachtfeld dominiert Russland. Darum zerstört die NATO die russische Infrastruktur und Wirtschaft.
Die NATO wird den Krieg erst beenden, wenn Russland kapituliert. Damit nimmt man auch den Einsatz von Atomwaffen in Kauf, der ja von der NATO und Russland gerade geübt wird.
Russland wird niemals kapitulieren. Nicht unter Putin. Eher wird Europa eingeäschert. Europas Zukunft? Es hat keine.
ebo
23. Oktober 2025 @ 08:56
Trump hat dementiert – was auch immer das heißen soll…