Die Sprache der Macht

Nun hat es auch die “Süddeutsche” erwischt: Das sonst so wohltuend liberale Blatt spricht in einem Artikel über das deutsche Europa die Sprache der Macht.

Da wird der Brüsseler Ministerrat mit der Ständeversammlung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation verglichen. Merkel ist natürlich die Herrscherin, Hollande wird verächtlich als Sekundant von Tsipras präsentiert.

Doch das ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was folgt. “Hegemonialität”, die “unangefochtene Stärke”, gehöre “zum Genmaterial dieser Republik”, schwadroniert der Autor S. Kornelius, der sonst den entschiedenen Atlantiker gibt.

Wie bitte? Die alte Bundesrepublik wollte von all dem nichts wissen, sie wollte auch nicht den USA nacheifern, wie es der SZ-Autor empfiehlt, sondern eine entspannte Mittelmacht sein, vermittelnd zwischen Paris und Moskau.

Doch heute soll Berlin wieder größer und wichtiger sein als Frankreich und Russland zusammen, es soll allen Lektionen erteilen, Griechenland züchtigen, Russland sanktionieren, Frankreich belächeln und die EU führen.

In wessen Namen eigentlich? In meinem bestimmt nicht! – mehr zum deutschen Europa hier

 
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