Die Greta-Show

In dieser Woche endet die Legislatur des Europaparlaments, nach Ostern beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs. Da freut man sich über prominente Gäste – so wie Greta Thunberg, die schwedische Klima-Aktivistin.

Bei ihrem letzten Besuch im EU-Parlaments wurde Greta – wie sie hier alle nennen – noch auf die Zuschauerbank verbannt. Diesmal hatte sie gleich zwei Auftritte, den ersten sogar noch vor Spitzenkandidat Manfred Weber.

“Ich bin glücklich, dass ich etwas Sinnvolles tun kann”, sagte sie bei ihrer Pressekonferenz am Morgen. “Ich hoffe, dass die Europaabgeordneten nachher auf mich hören werden”.

“It is great, Greta im Haus zu haben”, freute sich kurz darauf CSU-MannWeber. Doch er kündige nicht etwa neue Klimaschutz-Maßnahmen an, sondern mehr Forschung. Great?

Ganz ähnlich lief es am Nachmittag im Umweltausschuss. Diesmal wurde Greta mit Standing Ovations empfangen. “Es gibt keine bessere Möglichkeit, unsere Ausschuss-Arbeit zu beenden”, freute sich die Vorsitzende.

Greta wurde vereinnahmt – selbst dann noch, als sie ausrief: “Ich möchte Sie in Panik versetzen” – und gewagte Parallelen zwischen der Klimakatastrophe und dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre Dame zog.

Besonders peinlich Peter Liese (CDU). “Sie verdienen nicht diese bösen Worte von älteren Menschen”, schmiß er sich an Greta ran – um dann zu fordern, “langfristig” sollten die Schüler-Streiks aber nach der Schulzeit stattfinden.

Da gab es tatsächlich einige Buhrufe im Umweltausschuss. Die demonstrative zur Schau getragene Greta-Begeisterung wich parteipolitischem Gemaule.

Aber auch insgesamt war diese Show fragwürdig – nicht wegen Greta, sondern wegen des Timings. Das Europaparlament versucht, sich ein grünes, jugendliches Image zugeben.

Doch dasselbe Parlament stimmte für Handelsgespräche mit dem Klimasünder USA, der nicht einmal das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet hat. Auch daran sollte man bei der Europawahl denken…

 
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