Der Euro wird zum goldenen Käfig

Niemand kommt hier raus, bevor er nicht seine Rechnung bezahlt hat. Darauf läuft eine Antwort von EZB-Präsident Draghi an italienische Europa-Abgeordnete hinaus. Wird der Euro zur Falle – oder zum goldenen Käfig?

“Sollte ein Land das Euro-System verlassen, müsste dessen Nationalbank die Ansprüche oder Verbindlichkeiten mit der Europäischen Zentralbank vollständig ausgleichen”, schreibt Draghi.

Für die “Süddeutsche” ist das eine “Warnung an Europas Populisten”. So kann man das sehen, zumal gerade in Italien immer mehr Menschen den Euro verlassen wollen, sogar ein Referendum ist möglich.

Eine andere Lesart wäre, dass Draghi den Euro zu einem goldenen Käfig machen will, in dem alle nach den Anweisungen der EZB – also seinem Befehl – tanzen müssen.

Denn die Ungleichgewichte im Euro-internen Zahlungssystem (Target 2) sind ja vor allem der Politik der EZB geschuldet. Dazu ein aufschlußreiches Zitat von Reuters (Hervorhebungen von mir):

Weaker economies including Italy, Spain and Greece have accumulated huge liabilities towards Target 2 while Germany stands out as the biggest creditor with net claims of 754.1 billion euros. Target 2 imbalances have worsened in recent months, with Harvard economist Carmen Reinhart warning of capital flight from Italy. In the letter, Draghi reiterated that the imbalances were due to the ECB’s own bond buying-program, where many of the sellers are foreign investors with accounts in Germany, and ensuing portfolio rebalancing.

Italien und andere Südländer spüren offenbar die negativen Folgen des Anleihekaufprogramms der EZB. Und wieder einmal profitiert Deutschland, weil hier “ausländische Investoren” zugreifen…

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