Coronakrise: Spahn prescht bei Impfstoff für Kinder vor

Zu Beginn der Impfkampagne gegen COVID-19 hieß es, Kinder müssten nicht geimpft werden. Nun kann es nicht schnell genug gehen. Noch-Gesundheitsminister Spahn prescht vor – ohne die Zulassung abzuwarten.

Die EU-Staaten werden den Kinder-Impfstoff von Biontech am 20. Dezember ausliefern, kündigte Spahn in Berlin an. Deutschland bekomme dann 2,4 Millionen Dosen auf einen Schlag. “Das sollte den Großteil des Bedarf zunächst abdecken”, so Spahn.

Die Ankündigung hat einen kleinen Haken: Die Kinder-Impfung ist in Deutschland und in der EU noch gar nicht zugelassen. Die zuständige EU-Behörde EMA prüft noch, mit grünem Licht wird erst am Mittwoch gerechnet.

Doch offenbar ist schon alles bis ins Detail zwischen Berlin, Brüssel und Biontech abgesprochen. “Science first”, hieß es bisher. Doch nun zeigt sich, dass die Politik den Kurs bestimmt, die Experten müssen folgen.

“Policy first, science follows”, ist die neue Devise in Berlin. Das haben wir bereits bei der deutschen StiKo gesehen, nun wiederholt sich der Kurzschluß bei der europäischen EMA.

Vor dem Hintergrund der vierten Welle lässt sich die Eile vielleicht verstehen.

Aber hieß es nicht noch zu Beginn der Impfkampagne, Kinder müssten nicht geimpft werden? Nun versucht man einmal mehr, die Probleme mit der Pandemie auf dem Rücken der Kleinsten auszutragen.

Außerdem sorgt Spahn mit seinen Ankündigungen für einen kaum zu bewältigenden Run auf die Impfungen. Plötzlich sollen sich alle die Spritze geben – vom Fünfjährigen bis zum Greis, vom Ungeimpften bis zum Booster-Kandidaten.

Das kann nur im Frust enden. Eine europäische oder deutsche Strategie sucht man vergebens…

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„Am Ende dieses Winters ist jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben“, sagt Spahn. Ist das noch Politik oder schon Zynismus pur?