(Alp-)Traum Parallelwährung

Wie lässt sich Italiens Schuldenproblem lösen? Ganz einfach, sagt die rechte Lega: Schaffen wir eine Parallelwährung! Mit den “Minibots” soll der Staat seine Schulden bei den Unternehmen begleichen. Doch das funktioniert nur auf dem Papier.

Bis zu 100 Mrd. Euro soll der italienische Staat den – übrigens durchaus wettbewerbsfähigen – Unternehmen des Landes schulden. Die EU und die EZB hindern Rom angeblich daran, die Rechnungen zu begleichen.

Doch das stimmt so nicht. Die EU fordert zwar einen strikten Sparkurs, aber keinen Zahlungsaufschub. Und die EZB hilft den italienischen Firmen mit ihrem ebenso großzügigen wie umstrittenen Anleihen-Kaufprogramm.

Vielmehr sieht es so aus, als wolle der Staat seine Schulden nicht begleichen, weil er sie dann offenlegen müsste – und der Schuldenberg dann noch größer wäre als jetzt schon. Auch Misswirtschaft kommt als Ursache infrage.

Dennoch klingt die Idee einer Parallelwährung verlockend. Denn damit ließe sich eine Alternative zum Euro schaffen – nicht nur für die Binnenwirtschaft und ihre Unternehmen, sondern auch als Druckmittel nach außen.

Ähnliche Ideen hatte schon der griechische Ex-Finanzminister . In seinem Buch “Adults in the Room” kommt er darauf zurück. Mit einem ausgeklügelten Kreditkarten-System wollte er die Gläubiger beeindrucken.

Diese Kreditkarten würden vom Staat garantiert – und sicherstellen, dass Rentner, Arbeitslose etc. selbst dann noch ausgezahlt werden könnten, wenn die Gläubiger und die Banken den Euro-Geldhahn zudrehen.

hat gekniffen

Doch als es ernst wurde, kniff Premierminister Tsipras, der den Plan selbst angefordert hatte. Tsipras ließ sich auf Parallel-Verhandlungen mit Kanzlerin Merkel ein und hoffte, auf diesem Weg mehr zu erreichen.

Als das schief ging und Tsipras einen neuen Bailout schlucken musste, den er zuvor vehement bekämpft hatte, wurde Varoufakis zum Sündenbock gemacht. Er habe den “Grexit”, den griechischen Austritt aus dem Euro, vorbereitet, hieß es.

Doch auch das stimmt so nicht. Varoufakis’ Parallelwährung war als Übergangslösung, als eine Art Sozialgeld, geplant. Er hoffte, damit ein neues “Hilfsprogramm” – und damit neue Schulden – verhindern zu können!

Schäubles bizarre Pläne

Ganz anders sieht es mit den Parallelwährungen aus, die der ehemalige Deutsche-Bank-Chefökonom T. Mayer und Ex-Finanzminister ausgeheckt haben. Sie sollten nämlich tatsächlich den Euro ersetzen.

Schäuble sprach dabei von einem “temporären Time-Out” – also einer befristeten Auszeit vom Euro, für die eine andere Währung benötigt worden wäre. Doch welche, und wie? Das hat er nie verraten, seine Ideen blieben vage und bizarr.

Doch anders als Varoufakis oder die italienischen “Populisten” wurde der CDU-Mann dafür nicht in der Luft zerrissen, sondern – jedenfalls in deutschen Medien – als mutiger Visionär gefeiert, der sich leider nicht durchsetzen konnte…

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