Zweifel am “Grexit”

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“Wettet nicht auf den Austritt, ihr werdet verlieren”

Kurz vor der Wahl in Griechenland fassen Politiker und Investoren wieder Hoffnung. Vielleicht kommt es ja doch nicht zu einem “Grexit”, einem Ausschluß aus dem Euro, heißt der aktuelle Hype in Brüssel. Er stützt sich auf Umfragen, nach denen die Konservativen in Athen vorn liegen. An der Athener Börse ging es deshalb gestern schon wieder nach oben – doch gleichzeitig bereiten sich Euro-Finanzminister und Notenbanken auf den Ernstfall vor.

Die Notenbanken planen eine koordinierte Aktion, um die Märkte zu stabiliieren, meldet SPON. Und die Finanzminister wollen noch am Sonntagabend eine Telefonkonferenz einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Neben einer gemeinsamen Reaktion rechtzeitig vor Öffnung der Märkte in Asien sind auch Notstandsmaßnahmen wie Grenz- und Kapitalverkehrskontrollen im Gespräch, wie bereits vor Tagen durchsickerte (siehe “Grexit = Notstand”).

Offenbar soll der Notstand ausgerufen werden, wenn Linkenführer Tsipras die Wahl gewinnt. Der beteuert zwar, er wolle Griechenland im Euro halten, doch er lehnt das Spardiktat aus Brüssel und Washington ab. Deshalb ist er für die Dogmatiker in der Eurogruppe und im IWF ein rotes Tuch. Fast noch schlimmer für die Hardliner ist, dass Tsipras den Finger in die Wunde legt und auf die fatalen Konsequenzen hinweist, die ein “Grexit” für ganz Europa hätte.

“Wettet nicht auf auf den Grexit, ihr werdet verlieren”, rief Tsipras den Spekulanten in einer seiner letzten Wahlveranstaltungen zu. Der charismatische Linke spielt dabei unverhohlen auf den hohen Preis an, den ein Austritt Griechenlands für andere Wackelkandidaten wie Spanien oder Italien hätte – und auf die Hoffnung, dieser Preis könne am Ende auch für Kanzlerin Merkel und IWF-Chefin Lagarde zu hoch sein, um den Rausschmiss zu wagen.

Es gibt aber auch eine andere Theorie, die der britische Finanzminister Osborne vertritt: Der “Grexit” könne der Preis sein, den Merkel von Europa fordert, um weitreichenden Hilfen für die anderen Euroländer zuzustimmen. Anders ausgedrückt: Merkel wolle an Griechenland ein Exempel statuieren, um dann bei umstrittenen Themen wie Bankenunion oder Eurobonds klein bei zu geben.

Letztlich weiß niemand, wie die Wahl ausgeht und welche Position die Oberhand gewinnt. Die wirre Lage spiegelt sich auch in meiner aktuellen Umfrage wieder. Die Leser dieses Blogs sind unentschieden, ob der “Grexit” tatsächlich noch im Juni kommt, oder ob es sich nur um einen gigantischen Bluff handelt. 22 Prozent stimmten für die erste Annahme, genauso viele für die zweite.

Sehr hübsch war übrigens die Antwort eines Lesers: “Merkel würfelt”, gab er zu Protokoll. Worauf ich auf Twitter erwiderte: Nein, sie lässt würfeln – ihre Berater. Und da sie eine “Physikerin der Macht” ist, berechnet sie danach die Kräfteverhältnisse – und entscheidet sich erst dann. Wobei vermutlich wie immer die innenpolitischen Machtrelationen den Ausschlag geben…

P.S. Die Umfrage geht übrigens weiter, sie findet sich hier

Jetzt gibt es auch noch eine Linksammlung zum Thema, und zwar hier

 

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