Ratlos gegen Rechts, Macron plant Manöver – und Merz cancelt die Geschichte

Die Watchlist EUropa vom 09. Juli 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur Kandidatur von M. Le Pen und den gescheiterten Gegenstrategien der EU-Politiker, zu brisanten Plänen der “Koalition der Willigen” und zu einem neuen deutschen Narrativ made in USA

Fußfesseln in Frankreich, Verbotsdebatten in Deutschland und ein Prüfverfahren in der EU: Politik und Justiz versuchen mit allen Mitteln, den Aufstieg der Nationalisten, Patrioten und Populisten in Europa zu behindern und sie von der Macht auszuschließen.

Ohne Erfolg: In Frankreich tritt Nationalistenführerin Le Pen trotz einer Freiheitsstrafe wg. Veruntreuung von EU-Geldern bei der Präsidentschaftswahl 2027 an. Die Fußfesseln scheinen sie nicht zu stören – und viele Wähler auch nicht: Le Pens “Rassemblement National” (RN) liegt in den Umfragen vorn.

In Deutschland steht die AfD vor einem Durchbruch bei den Landtagswahlen im Herbst. Und in der EU werden die Europa-Abgeordneten der ESN (darunter viele AfD-Politiker) unbehelligt weitermachen – das in dieser Woche eingeleitete Prüfverfahren trifft nur die Partei, nicht die Parlamentsfraktion.

Alle Versprechen gebrochen

Dies sei “ein großer Tag für Europas extreme Rechte”, schreibt mein amerikanischer Kollege D. Keating in seinem Substack-Blog. Nicht nur in Deutschland und Frankreich, auch in UK sind die Rechten auf dem Vormarsch – dort bereitet sich N. Farage auf die Machtübernahme vor.

Wie kann das sein? War Farage nicht der Mann, der die Briten zum Brexit verführt hat? Ist Le Pen nicht rechtskräftig verurteilt – kann man schuldig und dennoch wählbar (“coupable et présidentiable”) sein? Und was ist mit AfD-Chefin Weidel, der queeren Frau im reaktionären Männerbund?

Viele Wähler werden sich diese Fragen stellen – und dennoch für die Rechten stimmen. Der Grund: Deutschland, Frankreich und das UK stecken in der Krise, die EU hat ihre Versprechen gebrochen – also wählt man Politiker, die einen Bruch mit der EU und der bisherigen Politik versprechen.

Gegenstrategien gescheitert

Bisher sind alle Gegenstrategien gescheitert. Ausgrenzung per “Brandmauer” wie in Deutschland? Macht die AfD stärker. Umgehen des “Cordon Sanitaire” durch Tricks wie im EU-Parlament? Kompromittiert die Konservativen. Harte politische Konfrontation wie in Frankreich? Vertieft die Spaltung.

Die EU und ihre Politiker sind ratlos gegen Rechts. Erstaunlich ist dies nicht – denn mit ihrer gescheiterten Politik bereiten sie den Rechten selbst den Boden. Doch statt diese Politik zu ändern und ihre Versprechen einzulösen, legen die Eliten alles darauf an, ihre Gegner von der Macht auszuschließen.

Das kann über die Annullierung von Wahlen geschehen, wie in Rumänien, oder über das Verbot von Parteien, wie in Deutschland erwogen wird – oder durch Ausrufung eines Notstands, wie zur Coronazeit. Der eskalierende Krieg um die Ukraine bietet den perfekten Vorwand…

Meine two Cents: Fußfesseln, Verbotsdebatten und Prüfverfahren sind erst der Anfang. Je stärker die Rechten werden – und je ratloser die “demokratische Mitte” – desto lauter wird in Berlin und Brüssel der Ruf nach radikalen Maßnahmen werden, um “die Demokratie zu retten”. Mit dem neuen “Demokratieschild” bereitet sich die EU bereits auf alle Fälle vor...

Siehe auch Merz, Macron und Starmer: Nie waren die “E3” so unbeliebt

Kurzfassung mit KI

News & Updates

Das Letzte

Merz cancelt die deutsche Geschichte – für Trump. Für das deutsche Fernsehen war es eine gute Nachricht. “Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist jetzt zu Ende”, sagte Kanzler Merz zum Abschluss des Nato-Gipfels in Ankara. Deutschland und andere europäische Alliierte würden endlich mehr für die Verteidigung tun – genau so, wie es US-Präsident Trump gefordert hatte. Die Appelle früherer US-Präsidenten seien “auf taube Ohren gestoßen”,  behauptete Merz. Trump hingegen sage jetzt “mal unfreundlich”, dass es reiche. “Ich kann ihm das nicht verübeln”, betonte der Bundeskanzler.Damit schleimt sich Merz nicht nur bei Trump ein (die “Stimme der Liebe”). Er übernimmt auch noch dessen Narrativ und cancelt die deutsche Nachkriegsgeschichte. Die BRD war nämlich alles andere als ein Trittbrettfahrer in der Nato. Und nach der Wiedervereinigung waren sich alle deutschen Kanzler einig, daß es nun um Abrüstung gehen müsse. Und dann war da noch der Bundeswehreinsatz in Afghanistan! Trittbrettfahrer? Nein, willige Befehlsempfänger, die beim kleinsten Pups von Trump das Weite suchen, wie 2021 in Kabul…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo

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