Bahn frei für Selmayr

Während sich Deutschland und Frankreich noch über die Spitzenkandidaten für die Europawahl streiten, will sich ein nicht gewählter deutscher Beamter eine Art Bestandsgarantie sichern. Egal, wer unter ihm Kommissionschef wird!?

Der Mann heißt M. Selmayr und ist Kabinettschef von Kommissionspräsident Juncker. Ohne den deutschen Juristen mit dem CDU-Parteibuch geht nichts in der EU-Kommission. Und das soll auch so bleiben, meldet “Libération”.

Selmayr, der wegen seiner Neigung zu Intrigen den wenig schmeichelhaften Spitznamen “Rasputin” abbekommen hat, wolle Kanzlerin Merkel von einem ganz besonderen Deal überzeugen, schreibt das Blatt.

Merkels konservativer Parteienclub EVP soll den konservativen Franzosen Barnier zum Spitzenkandidaten für die Europawahl nominieren – und ihm gleichzeitig sein bisheriges Amt sichern.

“Ich werde Barniers Kabinettschef und behalte ihn unter Kontrolle”, schreibt EU-Korrespondent Quatremer, der als einer der bestinformierten Journalisten in Brüssel gilt.

Und was passiert, wenn Barnier Non sagt? Das würde wohl auch nicht viel ändern – denn seine bisherige Kabinettschefin ist auch eine Deutsche. So oder so hätte Merkel also direkten Zugriff auf die Kommission.

Was ist dran an der Geschichte? Kein Kommentar, heißt es in Brüssel. Fest steht, dass schon jetzt die Strippen für die nächste Europawahl gezogen werden – und das “deutsche Europa” hat die Pole Position…

P.S.: Zwei Tage nach diesem Post wurde Selmayr zum neuen Generalsekretär der EU-Kommission ernannt. Er wird also seinen Chef Juncker überleben, der 2018 abtritt. Und er wird auch unter dem nächsten Kommissionspräsidenten die Strippen ziehen – genau wie hier beschrieben. Eine seine Amts-Vorgängerinnen hielt es zehn Jahre auf diesem mächtigen Job aus…

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