Die FTD wird Brüssel fehlen

Good-bye, FTD, heute ist der lachsfarbene FT-Ableger zum letzten Mal erschienen. Leider habe ich in meinem Zeitungskiosk keine tiefschwarze “Final Times” mehr erwischt. Schade! Denn die FTD wird uns fehlen – auch und gerade in Brüssel.

Zwar war die EU-Berichterstattung im “Handelsblatt” bis vor einigen Jahren (als das Brüsseler Büro zusammen gestrichen wurde) umfangreicher. Und die der “Süddeutschen” und der “FAZ” ist seriöser – da wird nicht alles gleich zum Fakt hochgejazzt, was in Wahrheit nur ein Draft war.

Doch die FTD hat das Schreiben über Brüssel, das bis Ende der 90er eine Hofberichterstattung für Insider war, kräftig aufgemischt und aufgefrischt. Erst mit den bereits erwähnten Vorabmeldungen. Dann mit richtig guten Geschichten, die z.B. im “Handelsblatt” nicht möglich waren.

Ich denke an eine Story zur Volksabstimmung zur EU-Verfassung in Frankreich (die FTD brachte nicht nur den richtigen Trend, sondern hob ihn auch auf die Seite 1), viele Geschichten zur Bankdatenaffaire Swift (ich war zuerst dran, doch das HB traute sich nicht) oder auch das erste Griechenland-Hilfspaket, das die FTD-Redaktion zu Recht zu den besten Brüsseler “Scoops” zählt.

Die FTD hat Außenpolitik auf die Seite eins gehoben,  sie hat die Makrosicht gepflegt (statt der Klein-klein-Berichterstattung anderer Blätter), sie hat auch mal linksliberal oder neokeynseanisch argumentiert. Und in der Eurokrise hat sie sogar Kanzlerin Merkel widersprochen (P. Ehrlich wagt dies auch heute wieder), was in der deutschen Presselandschaft selten geworden ist.

Aus all diesen Gründen wird die FTD auch Brüssel fehlen…

 

 

 

 
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