Braucht Frankreich wirklich eine Rentenreform?

Die Franzosen gehen wieder einmal auf die Barrikaden. Diesmal protestieren gegen sie eine Rentenreform, die auch von der EU-Kommission empfohlen wird. Doch ist diese Reform wirklich unverzichtbar?

Ja, sagt die Brüsseler Behörde in ihren “länderspezifischen Empfehlungen” für Frankreich. Die Reform könne helfen, die Neuverschuldung zu senken und den Schuldenberg abzubauen.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, erscheint das Ganze allerdings nicht mehr so dringlich. Zitat aus dem Fachdienst “European Pensions”:

The report said that according to the latest annual report by France’s Pensions Advisory Council (Conseil d’orientation des retraites), pension expenditures were at 13.8 per cent of GDP in 2017, and are projected to reach 13.5 per cent in 2022. After this, the expenditures will remain in a range between 11.6 per cent and 14.4 per cent by 2070, depending on the growth rate assumed for the evolution of GDP and employment over time.

Zu gut deutsch: Die “Rentenlast” steigt nicht etwa an, sondern dürfte in den nächsten Jahren leicht sinken – und das auch ohne Reform. 

Allerdings gibt Frankreich mehr Geld für seine Rentner aus als Deutschland. Zudem ist das Rentenalter mit 62 Jahren deutlich niedriger.

Und dann sind doch noch die zahllosen Spezial-Regimes, die den Beschäftigten der Bahngesellschaft SNCF oder der Pariser Metro einen noch früheren Ruhestand ermöglichen. 

Aus Sicht vieler Franzosen ist dies jedoch kein Nachteil – im Gegenteil: Sie fürchten, dass sie bei der geplanten Reform nur Einbussen hinnehmen müssen, ohne irgend etwas zu gewinnen.

Der britische “Guardian” hat dafür – anders als die meisten deutschen Zeitungen – durchaus Verständnis. Er erklärt, worum es aus Sicht der Streikenden wirklich geht. 

Viele Briten würden sich wohl gerne eine Scheibe vom französischen Rentensystem abschneiden. Was wohl die deutschen Rentner denken, die zunehmend von Altersarmut gefährdet sind?

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