Aufgelesen: Neue Militärdoktrin in Russland – und in den USA (1/2)

Der Ukraine-Konflikt ist zum Stellvertreterkrieg zwischen den USA (und der Nato) mit Russland geworden. Daraus ziehen die beiden Großmächte nun Konsequenzen: Sie passen ihre Militärdoktrin an. Zwei aktuelle Texte geben Grund zu Sorge, auch für EUropa.

Beginnen wir mit Russland. Dazu ein Beitrag, den wir in “telepolis” aufgelesen haben, und der sich vor allem um die Nukleardoktrin dreht. Kernthese: Die (nukleare) Abschreckung hat versagt, die EU-Eliten stellen sich auf Krieg mit Russland ein.

Der Konflikt in der Ukraine – aus russländischer Sicht die sogenannte “Spezielle Militäroperation” – ist immer noch ein indirekter Krieg zwischen Russland und dem kollektiven Westen unter Führung der USA [Vereinigten Staaten]. Dieser Umstand und der Konflikt zwingen zu einem neuen Blick auf die Fragen der militärischen und geopolitischen Abschreckung/Zügelung unserer Hauptgegner.

Die bestehende Konzeption der Abschreckung/Zügelung wurde während des “Kalten Krieges” gegen die USA [Vereinigten Staaten] entwickelt und dann an die Situation einer deklarierten, aber nie verwirklichten Partnerschaft mit dem Westen angepasst.

Der Übergang von einer gescheiterten Partnerschaft in eine neue Konfrontation und dann in eine offene Konfrontation lässt eine Rückkehr zum ursprünglichen Format des “Kalten Krieges” nicht zu. Der Grund dafür ist die grundlegende Veränderung des geopolitischen, geoökonomischen, ideologischen, sozialen, militärtechnischen Kontextes, in dem die “Strategie der nationalen Sicherheit” des Landes umgesetzt wird.

Die Ukraine-Krise hat das zentrale Problem der Sicherheit Russlands deutlich gemacht: Die nukleare Abschreckung/Zügelung schützt das Land nicht vor der geopolitischen Aggression eines Gegners, der eine existenzielle Bedrohung für unser Land darstellen kann.

(…)

Unter diesen Bedingungen hat sich das Kiewer Regime als nahezu ideales Werkzeug in Washingtons Händen erwiesen – als ein billiger Söldner, und die Ukraine verwandelte sich in Verbrauchsmaterial.

Die USA haben sich sogar eine für ihre bisherigen Beziehungen zu Moskau noch nie dagewesene Aufgabe gestellt: Russland eine strategische Niederlage zuzufügen – durch die SKU [Streitkräfte der Ukraine] bei allseitiger Unterstützung vonseiten der USA/des Westens.

Die europäischen Eliten, die noch stärker als die amerikanischen Eliten vom “strategischen Parasitismus” – der Gewöhnung an den Frieden und der fehlenden Angst vor dem Krieg – gezeichnet sind, haben die Fähigkeit, strategisch zu denken, schließlich verloren. Da sie sich in einer komplexen Krise befinden und ihre Legitimität verlieren, haben sie ganz und gar “über die Stränge geschlagen”.

Die herrschenden Kreise Europas sind bereits mit politisch-moralischen und militärökonomischen Vorbereitungen für einen großen Krieg mit Russland beschäftigt.

Weiterlesen in “telepolis”. Der zweite Text zur neuen US-Doktrin folgt am Mittwoch.