Aufgelesen: Nachruf auf M. Bülow
Der Politiker und Aktivist Marco Bülow ist im Alter von 54 Jahren gestorben. 19 Jahre saß er im Bundestag, fünfmal gewann er seinen Dortmunder Wahlkreis direkt. Viele nannten ihn “den letzten echten Sozialdemokraten”. – Ein Nachruf.
Von Wolfgang Tischer*
In seinem Buch “Lobbyland” beschrieb er, wie Lobbyisten die Politik kaufen. Im Februar 2025 erschien sein zweites Buch “Korrumpiert”. Seinen Podcast “Lobbyland” betrieb er bis zuletzt – wenige Tage vor seinem Tod ging die letzte Folge online.
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Seine zentralen Themen – Lobbyismus, Korruption, die Aushöhlung der Demokratie – wurden von den meisten ignoriert. Doch Bülow machte weiter, nachdem er nach der Wahl 2021 aus dem Bundestag ausschied. Er kritisierte die EU, wenn sie aus seiner Sicht versagte. Er prangerte die Kriegstreiber in der Politik an. Er analysierte, wie die Rüstungslobby von Milliarden profitiert, während soziale und ökologische Bereiche gekürzt werden. In einem seiner letzten Texte für die Berliner Zeitung schrieb er, der Bundestag habe sein »Königsrecht« über den Haushalt faktisch verloren.
“Demokratie ist nicht nur eine Bringschuld vom Staat, sondern auch immer wieder eine Verantwortung von der Bevölkerung” sagte er. Genau darum ging es ihm: nicht abschalten, nicht abschotten, sondern mitmachen. Mit demokratischen Mitteln für mehr Demokratie streiten.
Marco Bülow war kein bequemer Gesprächspartner. Er polarisierte, er eckte an. Manche hielten ihn für naiv, andere für einen der wenigen aufrechten Politiker.
Marco Bülow starb im Januar 2026 im Alter von 54 Jahren. Nach Angaben seiner Familie erkrankte er am Wochenende vor seinem Tod und starb plötzlich und unerwartet.
*Der Originaltext aus dem “Literaturcafé” steht hier
