Aufgelesen: Der Irankrieg – ein Tor zur Hölle

In der westlichen Welt finden sich heute erschreckend viele Politiker und Medien, die den militärischen Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf die Islamische Republik Iran rechtfertigen oder sogar begrüssen. Sie täuschen sich, meint der frühere Uno-Diplomat M. von der Schulenburg.

Auszug aus einem Gastbeitrag in der “Weltwoche”

Getragen von jener uns so vertrauten Selbstgerechtigkeit glauben viele, die USA stünden hier erneut für das Gute im Kampf gegen das Böse. Gerade deshalb wäre es dringend notwendig, innezuhalten und nachzudenken. Denn mit diesem Krieg begehen die USA und Israel ein Verbrechen von gewaltigem Ausmass – nicht nur am Iran, sondern letztlich auch an sich selbst und an uns allen. Dieser Krieg könnte ein Tor zur Hölle aufgestossen haben, an dessen Ende der Westen als Verlierer dasteht.

Vieles mahnt an den Beginn des Irakkriegs 2003. Auch damals war ein amerikanischer Präsident geradezu besessen von der Idee, den Irak von dessen Diktator zu «befreien». Damals behauptete George W. Bush, das Regime verfüge über Massenvernichtungswaffen, vor denen die Welt geschützt werden müsse. Und ein sich andienender britischer Premierminister, Tony Blair, erklärte sogar, Saddam Hussein könne London innerhalb von fünfzehn Minuten angreifen. Nichts davon stimmte.

An all das sollten wir uns erinnern, denn vieles scheint sich nun zu wiederholen. Die USA und Israel führen heute Krieg gegen den Iran und begründen dies mit angeblichen Atomwaffen – wohlwissend, dass der Iran keine Atombomben besitzt und auch keine baut. Wieder heisst es, die Iraner müssten «befreit» werden, wieder soll alles schnell gehen.

Die USA könnten auch diesen Krieg verlieren

Doch im Iran könnten die Folgen der Invasion noch verheerender werden als im Irak. Die Bevölkerung ist doppelt so gross, hoch gebildet, und trotz interner Spannungen ist das Land organisatorisch stabiler. Es verfügt über ein stärkeres Militär, und sein politisches System bricht nicht durch die Eliminierung einzelner Führungspersonen zusammen. Zudem ist Iran heute Mitglied der Brics und wird – wenn auch nicht offen – von Russland und China unterstützt.

Während die Bush-Regierung zumindest den Anspruch erhoben hat, den Irak politisch und wirtschaftlich wiederaufzubauen, zielen die Massnahmen der USA und Israels heute ausschliesslich auf Zerstörung aus der Luft. Das wird die Lage mit Sicherheit nicht verbessern.

Entgegen den Ankündigungen von Präsident Trump dürfte dieser Konflikt kaum rasch beendet sein. Vielmehr spricht vieles dafür, dass uns ein langer, äusserst blutiger und verlustreicher Krieg bevorsteht – ein Krieg, den die USA und Israel sowohl militärisch als auch politisch-moralisch verlieren könnten. Die Folgen wären für den gesamten Westen äusserst gefährlich.

Weiterlesen in der “Weltwoche”. Vor einem Debakel warnt auch J. Sachs im Gespräch mit G. Diesen: “We Are Now in the Early Days of World War III “- Mehr zum Iran hier

P.S. In Teheran hat sich das Tor zur Hölle schon geöffnet, nachdem Israel ein Öldepot bombardiert hat. Über der Millionenstadt steht eine bedrohliche schwarze Wolke, aus der sich ölhaltiger Regen ergießt. Kriegsverbrechen und Umweltverbrechen werden so auf das Anschaulichste vereint…