Wie Athen weich gekocht wurde (II)
Hier die wichtigsten Wendepunkte in Stichworten (Fortsetzung von Seite 1)
- Frühjahr 2014: Die Eurogruppe verweigert Griechenland, das damals noch vom Konservativen Samaras regiert wurde, die versprochene Diskussion über einen Schuldenschnitt – trotz Primärüberschuss.
- September 2014: Samaras reist nach Berlin und bittet um Erleichterung bei den Reformauflagen (die auch heute noch umstritten sind). Merkel sagt nein – und “verspielte so Griechenlands Rettung”.
- Dezember 2014: In der Eurogruppe zwingt Finanzminister Schäuble eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms auf. Damit ist Samaras’ Schicksal besiegelt; die Märkte werden nervös.
- Anfang 2015: Kurz nach der Wahl von Tsipras streut die Bundesregierung (wahrscheinlich Schäuble), dass ein Grexit kein Problem für die Eurozone wäre. Die Kapitalflucht beginnt.
- Februar 2015: Schäuble blockiert einen Neustart der Verhandlungen in der Eurogruppe, der auch von Brüssel unterstützt wurde. Außerdem wird der 10 Mrd. Euro schwere Bankennotfonds einkassiert – auf deutschen Druck.
- Februar 2015: Die EZB schließt griechische Banken von den üblichen Tendergeschäften aus. Der Finanzsektor hängt nun nur noch von Notfallkrediten (ELA) ab, also vom ‘Wohlwollen der EZB.
- Juni 2015: Merkel lädt die Gläubiger überraschend zum Kungeltreffen ins Kanzleramt, wo sie die Bedingungen für neue Hilfen festlegen. Tsipras ist nicht dabei, Juncker schon.
- Endspiel: Der IWF zieht seine Experten aus Brüssel ab, was sofort zu einem Run auf die Bankkonten führt. Die EZB streut das Gerücht, die Banken könnten nicht mehr öffnen, ein Bankrun setzt ein.
Fazit: Die Gläubiger haben Griechenland seit einem Jahr systematisch in die Enge getrieben. Tsipras mag viel falsch gemacht haben – doch noch mehr Fehler haben Merkel und Schäuble gemacht.
Oder war es pure Absicht…?
