Empörung über deutsch-deutsche Doppelspitze

Sie duzten sich, sie lobten sich – und versprachen einen deutsch-deutschen Schulterschluß zwischen Berlin und Brüssel. Doch die Auftakt-Konferenz zwischen Kanzlerin und Kommissionschefin kam nicht überall gut an.

Ganz im Gegenteil: In Brüssel herrschte noch am Tag danach Empörung über das “deutsch-deutsche Doppel”. Denn die Videokonferenz war aus Sicht vieler EU-Korrespondenten total daneben.

Dabei störten sich die meisten nicht einmal daran, dass nun zwei deutsche Frauen, noch dazu zwei deutsche CDU-Politikerinnen, die seit Jahren als Busenfreundinnen gelten, die Fäden an der EU-Spitze ziehen.

Nein, für Ärger sorgte vor allem, dass die Pressekonferenz ein vorwiegend deutschsprachiges Ereignis war. Wegen einer technischen Panne kam die englische und französische Simultanübersetzung nicht in Brüssel an.

Für Empörung sorgte auch, dass die EU-Kommission einige Journalisten von Hand verlesen hatte, bevor sie Fragen stellen durften. Die große Mehrheit hatte nicht einmal Zugang zu dem improvisierten Pressebereich.

Das Ganze sei mehr eine deutsch-deutsche Damenshow als eine Pressekonferenz, schimpften einige EU-Korrespondenten. Von der Leyens Sprecher E. Mamer hatte Mühe, die Wogen wieder zu glätten.

Man darf gespannt sein, wie es nun weiter geht. Denn am kommenden Mittwoch treffen Merkel und von der Leyen schon wieder zusammen, diesmal “live” zu einem Mini-Gipfel in Brüssel.

Wird dann wieder deutsch geredet? Oder darf von der Leyen die deutsch-deutschen Absprachen hinterher abwechselnd auf Englisch und Französisch präsentieren, wie sie es so gerne macht?

Ein Geschmäckle hat der ungewöhliche Mini-Gipfel, bei dem es ums Geld gehen soll, auf jeden Fall.

Denn normalerweise würde für den Europäischen Rat dessen ständiger Präsident L. Michel sprechen, und nicht Merkel. Doch von der Leyen wollte ihre Freundin unbedingt dabei haben.

Schließlich ist sie ja nun Ratsvorsitzende – und Kanzlerin…

Siehe auch “Nein, Merkel ist nicht Europas Kanzlerin”