Die Türkei stellt sich quer

Nicht nur Deutschland, auch die Türkei stellt sich beim Libyen-Einsatz quer. Die Türken gehen sogar noch weiter als die Deutschen – und blockieren ein Eingreifen der Nato in den Konflikt. Zur Begründung wird auf die unklare Strategie des Westens und mögliche zivile Opfer verwiesen. In Wahrheit dürfte es der Türkei aber darum gehen, ihre „Führungsrolle“ im Nahen Osten zu verteidigen und den Europäern, vor allem Frankreich, eins auszuwischen. 

 

Schließlich blockiert die Türkei schon seit Jahren die Zusammenarbeit zwischen EU und Nato – um Druck auf die EU auszuüben, ihr bei den Betrittsverhandlungen entgegenzukommen. In Afghanistan führte dies bereits zu erheblichen Problemen. In Libyen hingegen spielen die Türken Frankreichs Präsident Sarkozy in die Hände, der wenig Interesse an einem Nato-Einsatz in Nordafrika hat, und lieber selbst die Kontrolle behalten möchte.

 

Eine Rolle spielt in beiden Ländern aber auch der Streit um den EU-Beitritt. Frankreich ist der entschiedenste Gegner einer Aufnahme der Türkei in die Union. Präsident Sarkozy möchte die EU zu einem sicherheitspolitischen Akteur ausbauen – ohne die Türkei. Beim hektisch einberufenen Libyen-Gipfel in Paris war die Türkei nicht einmal eingeladen. Die rächt sich nun und beschuldigt Sarkozy, den Krieg nur aus innenpolitischen Gründen angezettelt zu haben. 

 

Normalerweise würden die USA und Deutschland diesen Streit schnell schlichten. Doch da Washington sich zurückhalten möchte und Berlin kneift, werden die versteckten Rivalitäten und Animositäten nun auf offener Bühne ausgetragen. Dies schadet nicht nur der Nato und der EU, sondern auch der Uno, die die Militäraktion ja immerhin genehmigt hat. Das Zünglein an der Waage dürfte am Ende Großbritannien spielen – wie so oft, wenn es Streit in Europa gibt.

 

Übrigens: Großbritannien ist für den EU-Beitritt der Türkei – trotz deren sicherheitspolitischer Dauer-Blockade…

 

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