Unsere Super-Merkel-Follower

In seiner SPON-Kolumne hat sich J. Fleischhauer über die „Super-Journalisten“ lustig gemacht, die vor der Niedersachen-Wahl völlig falsch lagen – danach aber so taten, als hätten sie alles kommen sehen.

Vielleicht sollte sich Fleischhauer auch mal die Kanzler- und Europaexperten in den Redaktionen vornehmen. Die passen sich nämlich derart geschmeidig an Merkels Windungen und Wendungen an, dass es schon peinlich wird.

Die Cameron-Rede lieferte dafür das jüngste Beispiel. Von „Bild“ bis Welt“ und von „SPON“ bis SZ“ heißt es, ganz Europa verurteile Camerons Kurs. Dann erfährt man plötzlich, im Kleingedruckten, dass Merkel den Briten keineswegs kritisiert.

Doch die Geschichte wird nicht etwa korrigiert, im Gegenteil: Dass Merkel auf Schmusekurs zu Cameron geht, wird plötzlich als intelligente Taktik präsentiert. „Merkel löscht, wo Cameron zündelt“, dichtet die „SZ“.

Ja wo löscht sie denn? Sie macht sich einen Teil der britischen Forderungen zu eigen, versucht aber mit keinem Wort, den Schaden zu begrenzen, den Cameron und seine Torys anrichten. Ist das wirklich im deutschen Interesse?

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Doch niemand stellt diese Frage, weder bei der „SZ“, noch sonstwo. Unsere Europaexperten und Merkel- Watcher vollziehen einfach die jüngste Wendung der Kanzlerin nach. Nach dem Motto: Merkel hat immer recht – und ich auch, wenn ich ihr folge.

Diese Haltung steht in auffälligem Widerspruch zu der Krittelei, die sich unsere „Super-Journalisten“ bei Steinbrück, aber auch bei Obama, Hollande und vielen anderen angewöhnt haben. Kein Wunder, dass Merkel so gut dasteht…

P.S. Siehe zu diesem Thema auch „Rezession? Nicht mit Merkel“ sowie „Merkels neue Freunde“

 

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4 Responses to Unsere Super-Merkel-Follower

  1. Critic 26. Januar 2013 at 19:31 #

    Ich würde mir wünschen, dass einmal jemand Klartext schreibt. Nämlich, dass Frau Merkel doch gar keine eigene Meinung hat, sondern nur herunterliest bzw. -betet, was ihre Redenschreiberinnen vorgegeben haben. Ihre Triebfeder ist Macherhalt und sonst nichts. Das ist der Grund, weshalb diese Frau nicht authentisch wirkt und heute so und morgen anders redet, ohne dass sich daraus etwas Konkretes ergibt (O-Ton Merkel: „Wir müssen – wir sollen – wir dürfen nicht“…), oder ganz den Mund hält, wenn es opportun ist. Die Fäden ziehen ganz andere, und intelligente Journalisten müssten das eigentlich wissen. Aber im Mainstream ist nun mal Verblödung angesagt – sehr zum Nutzen der Strippenzieher – und so sitzen sie alle in einem Boot, und der dumme deutsche Michel nimmt für bare Münze, was in der Zeitung steht oder im Fernsehen gesagt wird. So gehen dann auch Wahlen aus, und die Kanzlerin ist die beliebteste Politikerin im Land – wir sind ja Europameister, achja, und uns geht es allen gut – und die Griechen sind faul – das wirft alles ein bezeichnendes Licht auf den Intelligenzquotienten des Durchschnittsdeutschen. Traurig, traurig.

  2. Sven 27. Januar 2013 at 16:18 #

    @critic
    Lese/Hör-Tipp: Gemeinplatz Führungsschwäche
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1957139/

    Appetizer: „Wie Sokrates weiß der Stückwerkingenieur, wie wenig er weiß. Daher wird er nur Schritt für Schritt vorgehen und die erwarteten Resultate stets sorgfältig mit den tatsächlich erreichten vergleichen, immer auf der Hut vor den bei jeder Reform unweigerlich auftretenden unerwünschten Nebenwirkungen.“

    Man kann auf Frau Merkel herumkloppen, wenn man mit ihren Schlussfolgerungen nicht einverstanden ist, aber der Stil, erst einmal Meinungen und Stimmungen aufzusammeln und dann aus der Deckung zu kommen, ist durchaus gerechtfertigt. Es werfe als erster den Stein, der eine zuverlässige Kristallkugel hat. Und einer Partei(vorsitzenden) Machterhalt vorzuwerfen, ist einfach nur albern.

    • ebo 27. Januar 2013 at 17:17 #

      @Sven Wer hat denn Merkel vorgeworfen, dass sie Politikerin ist und ihre Macht erhalten will? Mir geht es in diesem Post um etwas ganz anderes: Um die Frage, warum die professionellen Merkel-Watcher jede Windung und Wendung der Kanzlerin nachvollziehen, ohne diese Windungen und Wendungen als solche zu kennzeichnen oder gar zu kritisieren. Dies steht in eklatantem Widerspruch zu hyperkritischen Attitüde, wenn es um andere Politiker geht – ob sie nun Steinbrück, Brüderle oder Hollande heißen…

  3. Farbenseher 28. Januar 2013 at 09:56 #

    Man muss einfach feststellen, dass in punkto Berichterstattung seitens der sogenannten Qualitätsmedien jede kritische Distanz verloren gegangen ist. Gerade bei den öffentlich-rechtlichen Medien fällt immer wieder nicht nur eine geradezu uniformistische Berichterstattung auf, die sich jeder Kritik enthält, sondern auch ein wirklich zwanghafter Relativismus, sobald wirklich einmal etwas kolportiert werden muss, das ein unschönes Licht auf die Regierungspolitik wirft. Da wird beschwichtigt, beschönt und gesundgebetet, dass es nur so knirscht.

    Das mag man ja als unschön, aber hinnehmbar bewerten, was aber gesellschaftspolitische Themen betrifft, sind solche Entwicklungen einfach gefährlich. Zum Thema „Rente mit 67“ bspw. wurden, wie die NDS seinerzeit recherchierten, über 650 absolut gleichlautende Meldungen veröffentlicht, die dem Durchschnittsmichel selbstverständlich die Alternativlosigkeit dieser Pläne einbleuten. Für den „Presseclub“ bspw. war angeblich kein einziger Journalist aufzutreiben, der die Situation anders beurteilte.

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