Wie von der Leyen für die Ukraine das EU-Recht verbiegt
Die Ukraine steht kurz vor der Pleite. Obwohl das Land kein EU-Mitglied ist, will Kommissionschefin von der Leyen es mithilfe des in Belgien festgesetzten russischen Zentralbank-Vermögens retten – und greift dafür zu mehreren Tricks.
- Trick Nummer eins: Es wird ein Notstand ausgerufen, der – wenn überhaupt – nur in der Ukraine existiert. Für eine finanzielle Notlage ist die EU aber nicht zuständig, wie die EZB gerade erst festgestellt hat.
- Trick Nummer zwei: Die Stützung der Ukraine wird zu einer existentiellen Frage für die EU erklärt – obwohl das Land kein EU-Mitglied ist und wir offiziell auch nicht im Krieg mit Russland sind.
- Trick Nummer drei: Die bisher auf sechs Monate befristeten Sanktionen gegen Russland sollen auf Dauer gestellt werden, um ein mögliches Veto z.B. aus Ungarn und die Rückgabe der Gelder an Russland zu verhindern.
- Trick Nummer vier: Die Sanktionen sollen um eine neue Rechtsvorschrift ergänzt werden, wonach Finanzinstitute wie Euroclear gezwungen werden, dort angelegtes russisches Vermögen herauszugeben. Das soll EU-weit gelten, auch in Deutschland.
- Trick Nummer fünf: Die entscheidenden Rechtsakte sollen mit qualifizierter Mehrheit beschlossen werden. Das bedeutet, daß es kein Veto gibt – auch Belgien könnte den Zugriff auf Euroclear nicht allein verhindern!
Um diese Tricks umzusetzen, will sich von der Leyen auf Artikel 122 des EU-Vertrag berufen. Ich bin kein Jurist, aber aus meiner Sicht verbiegt sie damit das EU-Recht. Aber lesen Sie selbst:
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(1) Der Rat kann auf Vorschlag der Kommission unbeschadet der sonstigen in den Verträgen vorgesehenen Verfahren im Geiste der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten über die der Wirtschaftslage angemessenen Maßnahmen beschließen, insbesondere falls gravierende Schwierigkeiten in der Versorgung mit bestimmten Waren, vor allem im Energiebereich, auftreten.
(2) Ist ein Mitgliedstaat aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich seiner Kontrolle entziehen, von Schwierigkeiten betroffen oder von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht, so kann der Rat auf Vorschlag der Kommission beschließen, dem betreffenden Mitgliedstaat unter bestimmten Bedingungen einen finanziellen Beistand der Union zu gewähren. Der Präsident des Rates unterrichtet das Europäische Parlament über den Beschluss.
Was hat die Wirtschaftspolitik der EU mit der Ukraine zu tun? Und seit wann ist die Ukraine ein Mitglied? Hier wird das EU-Recht zurechtgebogen, um Belgien übergehen zu können und der Ukraine aus der Patsche zu helfen.
Es ist nicht das erste Mal. Schon die Anerkennung der Ukraine als Beitrittskandidat erfolgte unter Missachtung der EU-Regeln. Von der Leyen reiste im April 2022 (!) sogar eigens nach Kiew, um die Beitrittsformulare zu übergeben und ein wenig nachzuhelfen…
Siehe auch Russisches Vermögen: Von der Leyen kommt mit der Dampfwalze und Merz übt maximalen Druck auf Belgien aus
P.S. Mit meiner Analyse stehe ich nicht allein. Auch die “Financial Times” zählt eine ganze Reihe von rechtlichen Problemen auf…

Jurist
5. Dezember 2025 @ 12:29
Zur Frage des Notstandes:
Die kompletten Staatseinnahmen der Ukraine sind derzeit allokiert allein für die Verteidigungsausgaben der Ukraine. Reuters hat z.B. am 19.10.2024 den Premierminister der Ukraine wie folgt zitiert: “All taxes of citizens and businesses next year [2025] will be directed to the defence and security of our country.”
Im Gegenzug muss aber nun die gesamte übrige staatliche Infrastruktur (Lehrer, Gesundheitsvorsorge, soziale Sicherheit, alles – der gesamte Rest) aus Finanzhilfen des Auslands gedeckt werden.
Die Finanzhilfen für den Staatshaushalt und die Hilfen, die zusätzlich für den Einkauf von Waffen im Ausland der Ukraine zur Verfügung gestellt wurden, sind teils per Kredit gewährt worden. Und die Schuldentilgung dieser Kredite ist natürlich Bestandteil des allgemeinen Staatshaushalts der Ukraine und der deckt sich aus den Finanzhilfen des Auslands (s.o.).
Diese revolvierende Schuldenfinanzierung, bei der ausländische Finanzhilfe in Kreditform zurückgezahlt wird mit Krediten aus dem Auslands, sieht man ja auch exemplarisch am Reparationsdarlehen, welches u.a. dazu dienen soll ein 45 Mrd € Darlehen der G7 aus 2024 zurückzubezahlen.
Wenn es also eine gravierende Unterdeckung des Staatshaushaltes der Ukraine geben sollte, weil ausreichende Finanzhilfen aus dem Ausland ausbleiben, dann droht das, wovor Merz in strategischer Absicht gewarnt hat: Kollaps, der ukrainische Staat implodiert auf einen Schlag, weil er nichts mehr finanzieren kann, außer den Krieg.
Ich vermute, die EU wird das Vorliegen eines Notstandes also ungefähr wir folgt begründen: Wenn wir jetzt nicht sofort helfen, gibt es morgen den Kollaps der Ukraine und dann gibt es eine Massenzuwanderung in die EU, vor allem nach Polen (und Deutschland). Und das gilt es jetzt dringend abzuwenden.
Ob das eine tragfähige Begründung für Art 122 (2) ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Geldmangel der Ukraine ist jedenfalls mal kein “außergewöhnliches Ereignis”, das ist ein seit langem bekannter struktureller Umstand. Und auch sonst muss man sich sehr bemühen, einen finanziellen Beistand, der effektiv der Ukraine zufließt und im Übrigen der Rückzahlung eines G7 Darlehens dient, zugleich als einen finanziellen Beistand für den von möglicher Zuwanderung betroffenen Mitgliedsstaat Polen darzustellen.
hg
5. Dezember 2025 @ 12:16
Sie spielt Vabanque mit Russland und der kleine Mann und die kleine Frau resp. Bevölkerung müssen das dann mit Vermögen und ggf. Leben bezahlen, wie immer schon! Das muss aufhören!!
Michael
5. Dezember 2025 @ 12:12
UvdL praktiziert lediglich die Deutungs- und Geltungs-hoheit der üblichen Doppelmoral und doppelten Standards der EU bzw. des sog. Westens! Sie würde sage: ich tue nur meine Pflicht!
Niko
5. Dezember 2025 @ 10:49
Man sagt normalerweise “wehret den Anfängen”. Leider ist es dafür ganz sicher zu spät. Es wird auf Teufel, komm raus getrickst, belogen, verdreht und verbogen. VdL steht da dem Rüpel aus Amerika in nichts nach. So vernichtet man den letzten Rest an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Was unterscheidet die EU und die sogenannte freie Welt noch von den viel geschmähten Diktaturen? Wie sagte einer meiner ehemaligen Lehrer sehr treffend “Kinder kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten” Offensichtlich muss erst wieder alles zerstört sein, vor die Selbstzerstörungswut nachlässt und ein vernünftiger Wiederaufbau erfolgen kann, sofern kein nukleares Inferno das endgültig unmöglich macht.
KK
5. Dezember 2025 @ 14:42
Wenn es kein Wachstum mehr gibt, muss man halt alles (zB durch einen grossen Krieg) zerstören, um wieder bei Null anfangen zu können…
Guido B.
5. Dezember 2025 @ 08:56
Die deutsche Führung EUropas führt mal wieder zum erwartbaren Ergebnis: Demagogie, Militarismus, Aggression, Verrat, Krieg, Barbarei.
Die Ukraine ist das Feigenblatt für deutsche Grossmachtfantasien.
Die deutsche Führung EUropas muss leider wiedee durch amerikanische und russische Zerstörung neutralisiert werden. Die USA sind für die wirtschaftliche Zerstörung zuständig, die Russen für die militärische.
Die EUropäer, welche die deutsche Führung zugelassen haben, haben ihr Schicksal verdient.
hg
5. Dezember 2025 @ 08:52
Da Putin das nicht hinnehmen wird, eskaliert der Krieg wohl weiter, weshalb es dieser gigantischen Aufrüstung des Westens bedarf. Es wird weiter Vabanque gespielt bis? Nun wird weiter ein Schuh draus, dass Angreifer ist, wer seinen Gegner zu den Waffen zwingt, und zwar von Beginn, 1991, an. Freiheitsbestrebungen hin oder her, es geht um Uncle Sam s geopolitische wie geostrategische und finanzielle/ wirtschaftliche Interessen. Berechtigte Freiheitsrechte und Interessen der Ukraine und anderer Anrainerstaaten Russlands selbst, (ohne CIA;-) hätten einer langen Zeitschiene bedurft. Russland hatte nun mal andere Problemlösungskonzepte, nicht solch “geschmeidigen” wie die USA auf der Welt, für die das Völkerrecht nachweislich nur marginal gilt, wenn s um ihre Interessen – unter falscher Flagge – geht. Allerdings, Propaganda ist seit langer Zeit das Vorspiel.
Erneuerung
5. Dezember 2025 @ 07:12
Man könnte sich den ganzen „Trick-„aufwand sparen, indem man die EU offiziell zu Diktatur erklärt. Die Bevölkerungen haben eh keinen Einfluss auf das Geschehen und die Wahl von Abgeordneten ist Makulatur, um Demokratie vorzugaukeln. Die Abgeordneten unterliegen Fraktionszwang und werden unter Druck gestzt, das Gewissen wurde abgelegt und spielt keine Rolle. Die Welt wird das begreifen, viele haben das schon begriffen, dass das mit der Demokratie in Europa der größte Fake des laufenden Jahrhunderts ist. Und als Bonus für diese Politik schießt sich Europa im Weltmaßstab wirtschaftlich ins Abseits.
KK
5. Dezember 2025 @ 09:03
“…das Gewissen wurde abgelegt…”
Sicher, dass jemals eines vorhanden war, das abgelegt werden konnte?
KK
5. Dezember 2025 @ 09:26
Aktuell weitere Belege zum “diktatorischen System EU” hier:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/ex-lobbyist-von-der-leyen-eu-steuert-auf-kollaps-zu-li.10008544
KK
5. Dezember 2025 @ 03:59
Herr Sonneborns Sicht zur Ukrainisierung der EU:
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/sonneborn-von-der-leyen-hat-die-eu-der-ukraine-immer-aehnlicher-gemacht-li.10008780