Von der Leyen und die Rechten: Die “demokratische Mitte” zerlegt sich

“Die Mitte hält”, hieß es nach der Europawahl 2024. Doch ein Jahr später zerlegen sich die “pro-europäischen Parteien” auf offener Bühne – wegen der Politik von Kommissionschefin von der Leyen.

Es war eine ungewöhnlich harte Debatte, die sich die Europaabgeordneten am Montag in Straßburg geliefert haben, um das Misstrauensvotum gegen die EU-Kommission am Donnerstag vorzubereiten.

Behördenchefin von der Leyen war mit ihrem gesamten Team erschienen, um alle Vorwürfe zurückzuweisen. In der Coronakrise habe sie alles richtig gemacht, ein Pfizergate habe es nie gegeben, ihre SMS ließ sie einfach aus.

Für die Rechten, die den Misstrauensantrag gestellt hatten, sprach AfD-Mann R. Aust. Er erinnerte an “Zensursula”, die Berateraffäre und das Pfizergate: “Wir schicken Sie am Donnerstag in den unverdienten politischen Ruhestand”.

Stürzt VdL später – wie Santer?

Doch das dürfte fehlschlagen. Die für einen Erfolg nötige Zwei-Drittel-Mehrheit ist nicht in Sicht. Dafür gibt es ein historisches Vorbild: Auch beim Sturz der Santer-Kommission 1999 war zuvor ein Misstrauensantrag gescheitert.

Gestürzt ist Santer trotzdem – über Enthüllungen, die den Rückzug erzwangen. Das kann VdL auch noch passieren. Sie könnte aber auch über ihre eigene Politik stolpern. Denn die “Mitte”, die sie bisher stützte, zerlegt sich selbst.

Schuld daran ist vor allem die konservative EVP, der CDU/CSU angehören. Sie blinkt rechts und paktiert mit eben jener EKR, aus der der Misstrauensantrag kommt. Damit treibt sie Sozialisten und Liberale zur Weißglut.

Genossen geloben “Widerstand”

“Wer steht denn noch hinter Ihnen”, fragte die Liberale Hayer. “Wie lange wollen Sie noch wegschauen?” so auch Sozialistenchefin Garcia. “Wenn Sie nicht bald umsteuern, werden wir den Widerstand gegen Sie anführen“, drohte sie.

Die Genossen haben von der Leyen eine Frist bis bis September gesetzt – wenn sie ihren Kurs nicht ändert, wollen sie ihr die Unterstützung entziehen. Das Misstrauen wollen sie ihr aber nicht aussprechen – noch nicht.

Doch immerhin hat die Debatte gezeigt, wie dünn das Eis geworden ist, auf dem die Kommissionschefin tanzt. “Die Mitte hält”, hieß es nach der Europawahl. “Die Mitte zerlegt” sich – das ist der Befund ein Jahr später.

Die Lage erinnert mich an die Endphase der deutschen Ampel-Koalition…

Siehe auch Affront im Parlament: VdL will Misstrauensvotum schwänzen