“Veggi-Burger” soll weg, von der Leyen soll bleiben – und Trump kartet nach
Die Watchlist EUropa vom 09. Oktober 2025 – Heute mit News und Updates zu einer kontroversen Entscheidung des Europaparlaments, zu neuen Misstrauensvoten gegen die EU-Kommission und zum anhaltenden Streit über den Handelsdeal mit den USA.
+++ Dieser Newsletter wird von seinen Lesern finanziert. Bitte helfen Sie uns – Mitglied bei STEADY werden und gleich hinter der Paywall weiterlesen +++
Die Schweinebauern und Rinderzüchter jubeln, Verbraucher-Verbände und Supermärkte warnen vor einer Entmündigung der Bürger: Das Europaparlament hat sich dafür ausgesprochen, dass vegetarische Fleischersatz-Produkte in der EU künftig nicht mehr Burger, Schnitzel oder Wurst heißen sollen.
Das bedeutet das Aus für den beliebten „Veggie-Burger“ – allerdings kein Verbot für das Produkt. Ein fleischloser, vegetarischer Hamburger muß nach dem Willen der Abgeordneten aber künftig anders heißen. Für den Antrag, den die konservative Französin Céline Imart eingebracht hatte, stimmten 355 Parlamentarier, 247 waren dagegen.
Bisher dürfen Begriffe wie Wurst, Schnitzel oder Burger auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden. Nach dem Willen des Parlaments soll dies künftig nicht mehr gelten. Laut Beschluss stehen „Steak“, „Schnitzel“, „Hamburger“ und „Wurst“ bald auf dem Index, wenn sie nicht mit Fleisch produziert werden.
Merz: “Eine Wurst ist eine Wurst”
“Es geht um Transparenz und Klarheit für den Verbraucher und um Anerkennung für die Arbeit unserer Landwirte”, so Imart. Viele Bezeichnungen im Supermarkt seien irreführend. Für neue Namen hatte sich auch Kanzler Merz ausgesprochen. „Eine Wurst ist eine Wurst“, sagte Merz.
Allerdings macht der Zusatz „Veggie“, „pflanzlich“ oder „plant-based“ auch bisher schon klar, dass es sich um vegetarische Produkte handelt. Die Liberalen wollten daher nur jene Produktnamen verbieten, die Fleisch im Titel führen – wie das „Veggie-Huhn“. Ihr Antrag fand aber keine Mehrheit.
Die Entscheidung des EU-Parlaments, die noch von den Mitgliedsstaaten bestätigt werden muß, markiert eine neue bedenkliche Trendwende in der Europapolitik. Normalerweise beschwört Brüssel gern den „mündigen Bürger“ und die Entbürokratisierung.
Bürger haben Bauchschmerzen
In diesem Fall greift die EU aber sogar in die Sprache ein – und indirekt auch in die Entscheidung der Verbraucher. Die sind davon nicht begeistert.
Nach einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts YouGov findet jeder Zweite, dass Bezeichnungen wie Schnitzel oder Wurst ausschließlich für tierische Produkte verwendet werden dürfen. 28 Prozent lehnen dies ab, 21 Prozent machten keine Angabe.
Ziemlich eindeutig fällt allerdings das Urteil über die Frage aus, ob das EU-Parlament für die Sprachregelung zuständig sein sollte. Nur jedem Vierten ist die Meinung der Straßburger Kammer wichtig, zwei Drittel finden das unwichtig.
Anders gesagt: Die Abgeordneten sollten sich beim „Veggie“ lieber heraushalten. Dies ist auch meine Meinung. Wozu brauchen wir Sprachregelungen aus Brüssel? Warum kann nicht jedes Land selbst entscheiden, wie es seine Würste nennt? Was Brüssel sagt, ist vielen ohnehin völlig Wurst…
Mein Bericht in der “taz” hier. Siehe auch “29 weitere irreführende Bezeichnungen, die die EU neben “Veggie-Wurst” verbieten muss” (“Der Postillon”)
News & Updates
- Von der Leyen soll bleiben. Darauf haben sich Konservative, Liberale und Sozialdemokraten im Europaparlament verständigt. Obwohl sie über viele Themen tief zerstritten sind, wollen die Fraktionen der “Mitte” am Donnerstag die Misstrauensanträge ablehnen, die linke und rechte Parteien gestellt haben. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die CDU-Politikerin an Rückhalt verliert – auch bei Kanzler Merz. – Um sich im Amt zu halten, schwingt VdL den rhetorischen Holzhammer. Ihre Gegner würden den Interessen Putins dienen, behauptete sie bei einer hitzigen Aussprache im Europaparlament in Straßburg. – Mein Bericht für den “Cicero”.
- Chatkontrolle vorerst abgewendet. Überraschende Wende im Streit über die sog. Chatkontrolle für Handys: Die deutsche Bundesregierung hat sich nun doch gegen eine „anlasslose Chatkontrolle“ ausgesprochen. Deshalb wurde die Abstimmung im Ministerrat, die nächste Woche geplant war, verschoben. Denn ohne Deutschland gibt es keine Mehrheit. – Unklar ist, wie verlässlich die deutsche Haltung ist. Der “Chaos Computer Club” warnt vor zu viel Euphorie. Man müsse die endgültige Position abwarten. Auch der dänische EU-Vorsitz, der die Ratssitzungen plant, ist wankelmütig…
- Babis: Kein Geld für Waffen für Ukraine. Der wahrscheinlich nächste Regierungschef in Tschechien eifert seinem Idol Trump nach – und will “keine Krone” mehr für Waffen in der Ukraine geben. „Wir haben kein Geld für die Tschechische Republik“, sagte er zur Begründung. Außerdem erhalte Kiew bereits über die sogenannte Ukraine-Fazilität der EU finanzielle Hilfe in Milliardenhöhe. – Da hat Babis recht. Es gibt mittlerweile eine kaum noch überschaubare Zahl von Finanztöpfen für die Ukraine – die EU-Kommission will nun auch noch einen sog. “Reparationskredit” vergeben, der ebenfalls für Waffen gedacht ist. – Mehr dazu hier
Das Letzte
Trump kartet nach. Dass der Handelsdeal, den US-Präsident Trump mit der EU ausgehandelt hat, wacklig ist, war bekannt. Doch nun kommen neue Details ans Tageslicht. Wie Bloomberg und die Financial Times übereinstimmend berichten, sehen sich EU-Beamte, die eine konkrete Vereinbarung aushandeln sollen, mit neuen Forderungen aus Washington konfrontiert. Trump will nicht nur den Klimaschutz lockern, sondern auch die Internet-Gesetzgebung der EU aufweichen. In Brüssel geht nun die Sorge um, dass die Forderungen den „Deal“ untergraben könnten. “Löst sich der EU-Deal mit den USA in Luft auf?”, fragt die “Berliner Zeitung”...
Mehr Newsletter hier. Abonnement hier – jetzt zum Vorzugspreis: Schnupperabo für nur 4 Euro im Monat – sieben Tage gratis testen!

9. Oktober 2025 @ 10:03
“Wohl dem Volke, das solche Sorgen hat” (frei nach Shakespeare)
Wow, endlich kümmert sich die EU mal um die wirklich wichtigen Probleme. De-Globalisierung, wirtschaftlicher Niedergang, Rechtsrutsch, Krieg, Klimaüberhitzung … leider, leider alles Themen, für die die EU-Kommission keine Lösung hat. Da tut es doch der strapazierten Kommissions-Seele gut, mit eisernem Besen die drohende Katastrophe abzuwenden, dass Massen von EU-BürgerInnen verenden, weil sie sich in Unkenntnis der damit verbundenen Gefahr mit einem Gemüsebratling vergiften, auf dem Burger stand.